Rampe zu steil: Adrian (81) nimmt den Zug, um das Perron zu wechseln
Adrian Herzog will in Uster ZH nur vom Zug zum Bus. Weil ihm der Weg mit Rollator zu mühsam ist, fährt der 81-Jährige mit dem Zug weiter und dann zurück.
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Das Wichtigste in Kürze
- Rollator-Nutzer Adrian Herzog kann in Uster nicht ebenerdig von Gleis 2 auf Gleis 1.
- Er fährt über Hinwil zurück nach Uster, um auf Gleis 1 zum Bus zu kommen.
- Herzog fordert zwei Lifte am Bahnhof Uster für einen barrierefreien Weg.
Adrian Herzog will in Uster ZH eigentlich nur vom Zug zum Bus. Doch für den 81-Jährigen wird daraus regelmässig ein Umweg.
Kommt Herzog von Zürich her auf Gleis 2 an, muss er durch die Unterführung zum Busbahnhof. Es gibt Rampen, aber keinen Lift.
Für den Mann aus Esslingen ZH ist genau das das Problem. Er ist mit dem Rollator unterwegs. Und der Weg ist ihm schlicht zu mühsam.

«Es schuddert mich wirklich», sagt Herzog vor Ort zu Nau.ch. Als er die Rampe wieder sieht, läuft ihm alles «wie in einem Film» ab.
«Ewig lang»
Die Rampe sei nicht nur steil, sondern vor allem lang. «Ewig lang», sagt Herzog. Beim Runtergehen müsse er mit einer Hand den Rollator halten und mit der anderen bremsen. Danach gehe es vorne wieder bergauf.
«Es ist einfach sehr umständlich», sagt Herzog. Und: «Das ist sehr anstrengend.»

Die SBB sieht den Bahnhof Uster dennoch als barrierefrei. Er erfülle die Vorgaben des Bundesamtes für Verkehr, schreibt Mediensprecher Reto Schärli auf Anfrage von Nau.ch.
Die gedeckten Rampen dürften gemäss diesen Vorgaben eine Neigung von zwölf Prozent aufweisen. «Was in Uster der Fall ist», so Schärli. Gleichzeitig räumt die SBB ein: «Mit dem Rollator kann eine solche Steigung schwierig zu bewältigen sein.»
Für Herzog ist genau das Alltag.
«Da ist mir der Fünfer runtergefallen»
Seine Lösung ist ungewöhnlich. Statt in Uster mühsam zum Bus zu gehen, fährt Herzog mit der S14 weiter bis Hinwil ZH, Die Endstation.
Dort bleibt er im Zug sitzen und fährt zurück nach Uster. Dann kommt er auf Gleis 1 an. Von dort ist es für ihn nur noch ein kurzer Weg zum Bus.

Auf die Idee mit dem Umweg kam Herzog, als er mit einer Freundin unterwegs war. Nach dem Weg über die Rampe sei er «auf der Schnurre» gewesen, also völlig ausser Atem. Dann habe er die S14 gesehen. «Da ist mir der Fünfer runtergefallen», sagt Herzog.
Also stieg er ein, fuhr nach Hinwil ZH und blieb dort im Zug sitzen. Zurück in Uster kam Herzog bequem auf Gleis 1 an.
«Ohne Rampen», sagt er.
Seitdem macht er es immer wieder so. Den Zeitverlust von 45 Minuten nimmt er in Kauf. «Ich bin pensioniert, einer von denen, der Zeit hat», sagt Herzog. Dank des 9-Uhr-Passes fährt er zudem gratis weiter.
Keine Lifte geplant
Eine schnellere Lösung wäre aus Sicht von Herzog simpel: Lifte.
Konkret fordert er zwei Anlagen. Einen Lift auf der Seite von Gleis 1 und einen Lift bei Gleis 2/3. So könnte man mit Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen mit dem Lift in die Unterführung und auf der anderen Seite wieder hinauf.
«Es braucht nur zwei Lifte», sagt Herzog.
Die SBB plant das aber nicht.
Eine Liftlösung sei vor dem Umbau im letzten Jahrzehnt nicht geprüft worden, schreibt SBB-Mediensprecher Reto Schärli auf Anfrage von Nau.ch. Auch heute seien in Uster keine baulichen Anpassungen oder Nachrüstungen geplant.

Lifte hätten laut SBB zudem Nachteile. Sie könnten wegen technischer Defekte ausfallen und hätten nur eine geringe Aufnahmekapazität. Das sei auch mit Blick auf mehr ältere Reisende, Kinderwagen und Gepäck wichtig.
Für Herzog löst diese Erklärung das Problem nicht. «Ganz eindeutig muss da etwas gemacht werden», sagt er.
Stadt Uster bedauert Situation
Der Stadt Uster war die konkrete Problematik bisher nicht bekannt. Hindernisarme, sichere und möglichst direkte Wege rund um den Bahnhof seien aber wichtig, für ältere Menschen, Personen mit Rollator und Menschen mit Behinderungen.
Ob ein Weg als zumutbar empfunden werde, hänge jedoch immer auch von der individuellen Mobilitätssituation und den persönlichen Bedürfnissen ab.
Der Bahnhof liege in der Zuständigkeit der SBB, der Busbahnhof in jener der Stadt. An den Nahtstellen werde gemeinsam gearbeitet.
Mit der SBB sei die Stadt sowohl auf Fach- als auch auf politischer Ebene im Austausch. Konkrete Pläne, den Zugang zwischen Perrons, Unterführung und Bushof zu verbessern, gibt es laut Stadt bisher aber nicht.

Die Situation von Adrian Herzog nehme man «mit Bedauern» zur Kenntnis. Die Stadt würde sich freuen, wenn Herzog mit ihr Kontakt aufnimmt und seine Erfahrungen schildert.
Für Herzog ist das ein schwacher Trost. Der Bahnhof Uster bleibt für ihn nicht nur auf dem Heimweg nach Esslingen ein Problem.

Auch wenn er einen Freund in Schaffhausen besucht, passt er seine Route an. Von Uster aus gäbe es eigentlich eine direkte Verbindung mit der S9. Doch dafür müsste Herzog wieder über die Rampen.
Darum fährt er laut eigener Aussage zuerst nach Schwerzenbach ZH und steigt dort um.
So bleibt ihm vorerst nur seine eigene Lösung: Umwege fahren, um den Bahnhof Uster möglichst einfach nutzen zu können.








