Die Frauenrechte in dem kleinen Golfstaat Katar sind laut einem neuen Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) extrem eingeschränkt.
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Katars Hauptstadt Doha. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Organisation Human Rights Watch warnt vor der Diskriminierung der Frau in Katar.
  • Die Frauenrechte seien vor Ort extrem eingeschränkt.
  • Die Organisation spricht von einer «männlichen Vormundschaft».

Die Frauenrechte in dem kleinen Golfstaat Katar sind laut einem neuen Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) extrem eingeschränkt. Demnach dürfen Frauen dort nur mit Erlaubnis ihres männlichen Vormunds heiraten, bis zu einem bestimmten Alter ins Ausland reisen oder viele Jobs in der Regierung ausüben.

Dies heisst es in dem am Montag veröffentlichten Bericht. Frauen müssten sich durch «vom Staat durchgesetzte Regeln männlicher Vormundschaft bewegen, die ihre Chancen auf ein volles, produktives und unabhängiges Leben begrenzen», sagte HRW-Expertin Rothna Begum.

Durchgehende Quarantäne als Frau

Nach katarischem Gesetz braucht eine Frau unabhängig von ihrem Alter etwa die Erlaubnis eines männlichen Vormunds, um zu heiraten. In der Ehe kann sie als «ungehorsam» eingestuft werden, wenn sie ohne die Erlaubnis ihres Mannes, arbeitet, verreist, das Haus verlässt oder ihm ohne «triftigen Grund» Sex verweigert. Männer können bis zu vier Frauen gleichzeitig heiraten und benötigen dafür keinerlei Erlaubnis.

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Human Rights Watch warnt vor den eingeschränkten Frauenrechten in Katar. - Keystone

Der 94 Seiten lange HRW-Bericht untersucht rund 30 katarische Gesetze und andere Vorschriften und stützt sich zudem auf rund 70 Interviews, darunter 50 mit betroffenen Frauen. Die Regierung Katars habe viele der Ergebnisse des Berichts bestätigt, heisst es.

Als Mädchen sei man durchgehend in «Quarantäne», sagte eine 40 Jahre alte Frau gegenüber HRW etwa. «Was die ganze Welt derzeit durchmacht, ist ein normales Leben für Mädchen (in Katar).»

Regierung übernimmt Vormund für Frauen

Viele Frauen in Katar sprachen gegenüber HRW von unterstützenden Familien, Vätern und Ehemännern, die ihre Entscheidungen mittragen würden. Andere sagten dagegen, dass sie trotz eines privilegierten Lebensstils wegen des Systems männlicher Vormundschaft «wie Kinder» behandelt würden. Ihr Recht auf Selbstbestimmung sei eingeschränkt und könne jederzeit gegen sie verwendet werden.

Das System benachteiligt Frauen laut HRW auch mit Blick auf ihre eigenen Kinder. So können sie etwa nicht unabhängig über Dokumente, Finanzen, Reisen und teils auch Fragen zur Schulbildung oder ärztlichen Behandlung entscheiden – selbst wenn sie geschieden sind oder der Vater des Kindes verstorben ist. Hat das Kind keinen männlichen Vormund, übernimmt die Regierung Katars diese Rolle.

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