Experten: GPS-Sender liefern keine Vitalzeichen
Welche Daten liefert der GPS-Sender von Buckelwal Timmy? Die Experten sind sich nicht einig.

Das Wichtigste in Kürze
- Experten sagen, dass GPS-Sender keine medizinischen Vitalzeichen liefern.
- Die Meinungen gehen weit auseinander.
- Der Sender wurde vor der Rettung durch eine private Initiative nicht nochmal getestet.
- Ohne Daten weiss man nicht, ob die Mission erfolgreich war.
Liefert der GPS-Sender von Wal Timmy Vitalzeichen oder andere Daten? Die Meinungen der Experten gehen weit auseinander.
Zwar sei das konkrete Modell nicht bekannt. Ein GPS- oder Satellitentracker liefere aber üblicherweise keine Vitalzeichen im medizinischen Sinne.
So hiess es vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). Und: «Echte Vitalparameter würden spezielle Sensorik voraussetzen.»
«Es gibt keinen handelsüblichen GPS-Sender, der Vitaldaten des Wals liefern kann. Wer das behauptet, sagt nicht die Wahrheit», betonte der dänische Meeresbiologe Peter Madsen.
Diskussion um den GPS-Tracker
Auch Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace hatte gesagt, ein GPS-Tracker erfasse und übermittle keine Vitaldaten. Welcher Sendertyp konkret verwendet worden sein soll, teilte auf Anfrage niemand mit.
Nach Angaben der Kleintierärztin Kirsten Tönnies von der Privatinitiative wurde der Tracker am Tier festgeschraubt. Üblicherweise werde der Sender mittels Durchstich an der Rückenfinne befestigt.
Er liefere nur Daten, wenn der Sender an der Wasseroberfläche, also oben am Tier angebracht ist. Das erklärte der Meeresbiologe Boris Culik. Ein so befestigter Tracker könne gar keine Vitaldaten wie Herz- und Atemfrequenz ermitteln, erklärte Maack.
Die Vorgehensweise der privaten Retterinitiative sei amateurhaft
Getestet worden sei der Tracker vor dem Freisetzen nicht noch mal, hatte Tönnies auch gesagt. Aus Expertensicht ist das sowohl unüblich als auch unverständlich.
«Eine Funktionsprüfung vor dem Einsatz wäre aus fachlicher Sicht üblich und zu erwarten gewesen», hiess es vom ITAW.
Madsen teilte mit: «Es ist ziemlich amateurhaft, den Sender nicht zuerst zu testen.» Dass er nicht funktioniert, hätte demnach spätestens nach der Installation am Tier auffallen müssen.
«Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das eine Katastrophe, auch für das Rettungsteam». Das meint der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter.
Schicksal des Wals für die Öffentlichkeit unter Verschluss
Es habe schon genug Anlässe gegeben, an der Professionalität des Teams zu zweifeln – dies wäre der folgenschwerste. «Man muss hier wirklich von Fahrlässigkeit sprechen», so Ritter.
Die Initiative hatte aber schon im Vorfeld der Freisetzung erklärt, dass die Allgemeinheit das Schicksal des Wals nicht verfolgen solle. Die Informationen würden nur den Teammitgliedern und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt.
Es sei «sehr seltsam und unprofessionell», solche Informationen nicht öffentlich zugänglich zu machen, meint Meeresbiologe Madsen. Sollte es weiterhin keine Daten geben, könnte das Schicksal des Wals für immer ungeklärt bleiben.
Ohne Daten lasse sich die gesamte Mission nicht als erfolgreich oder fehlgeschlagen bezeichnen, betonte auch Ritter. «Das kann sich das Team nicht wünschen und es wäre auch für die deutsche und internationale Öffentlichkeit eine bittere Erkenntnis.»
Der mehrfach an Ostsee-Küsten gestrandete Buckelwal war am Samstagmorgen ins Meer gesetzt worden. Bisher ist unbekannt, ob er noch lebt, wie es ihm geht und ob und in welche Richtung er schwimmt.

















