Deutsche Welle berichtet von Angriff auf eigene Mitarbeiter
Reporter der Deutschen Welle (DW) sind im Westjordanland während Dreharbeiten von der israelischen Armee mit Tränengas beschossen und bedroht worden.

Israels Armee soll nach Angaben der Deutschen Welle (DW) Reporter des Senders im Westjordanland angegriffen haben.
«Ein DW-Team wurde am Dienstag bei Dreharbeiten in Ramallah vom israelischen Militär mit Waffen bedroht und gezielt mit Tränengas beschossen – trotz klarer Kennzeichnung als Presse», teilte der deutsche Auslandssender mit. Die Reporter hätten Tränengas abbekommen, seien aber unversehrt geblieben. Israels Armee äusserte sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Vorfall.
Die DW-Mitarbeiter wollten den Angaben nach vor Ort «die Risiken für Medienschaffende» dokumentieren. Wie aus dem TV-Bericht hervorgeht, sollte die Arbeit eines lokalen Journalisten bei einer Demonstration beobachtet werden. Am Weg dorthin wurden sie informiert, dass die israelische Armee eben eine Razzia im Zentrum Ramallahs durchführe. «Während der Dreharbeiten richteten israelische Soldaten ihre Waffen direkt auf die Gruppe», hiess es. Der Sender veröffentlichte Aufnahmen, die zeigen, wie ein Soldat eine Waffe in Richtung der Reporter hält.
Israels Armee führte Razzia in Ramallah aus
Israelische Soldaten waren am Dienstag wegen einer Razzia gegen Geldwechsler im Zentrum der Stadt Ramallah. Sie seien gegen diese vorgegangen, da sie Gelder an Hamas-Mitglieder zur Unterstützung terroristischer Aktivitäten gegen israel übermittelt hätten, teilte das Militär damals mit.
Augenzeugen berichteten, es sei bei dem Einsatz in Ramallah zu Konfrontationen mit Einwohnern gekommen, bei denen die Soldaten scharfe Munition und Tränengas eingesetzt hätten. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mit Sitz in der Stadt wurden etwa 30 Menschen verletzt, von denen einige im Krankenhaus behandelt werden mussten.
Im Juli DW-Mitarbeiter mit Steinen beworfen
Im Juli hatten nach Angaben von DW bereits israelische Siedler im Westjordanland zwei ihrer Mitarbeiter angegriffen. Die Korrespondentin sowie ihr Kameramann seien mit Steinen beworfen worden, hätten sich aber unverletzt in Sicherheit bringen können, hiess es damals.
«Es gibt keine Rechtfertigung für die Bedrohung von Pressevertretern – weder durch das Militär noch durch radikale Siedler», sagte der Intendant des Senders, Peter Limbourg. Er nannte die «wiederholten Angriffe» auf DW-Journalisten «absolut inakzeptabel». Die Deutsche Welle ist öffentlich-rechtlich organisiert. Finanziert wird der Sender anders als die Sender von ARD, ZDF und Deutschlandradio nicht aus dem Rundfunkbeitrag, sondern aus Steuermitteln des Bundes.