Busse nach 3 Sekunden – SBB erntet Kritik
Der Konsumentenschutz kritisiert die SBB für Bussen, weil das Billett Sekunden zu spät gelöst wurde. Die Bundesbahnen sagen, man lasse Kulanz walten.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Konsumentenschutz fordert von den SBB mehr Kulanz bei zu spät gelösten Tickets.
- Denn die Pendler könnten selten etwas für die technischen Probleme bei den Apps.
- Die SBB betonen, Kulanz walten zu lassen. Ungerechtfertigte Bussen würden regelmässig zurückgezogen.
Immer wieder kommt es vor, dass Pendler eine Busse erhalten, weil das Ticket online einige Sekunden zu spät gelöst wurde. In einem Instagram-Post schreibt die Stiftung für Konsumentenschutz, dass sich viele Betroffene bei ihr deswegen melden. Sie fordert mehr Kulanz und Augenmass von den SBB.
Unter dem Post erzählen mehrere User ihre Geschichten mit den SBB: Eine Frau schreibt, sie habe die Kontrolleurin aufgesucht und ihr mitgeteilt, dass sie wegen Internet-Problemen kein Ticket lösen könne. Dennoch sei ihr sofort eine Busse ausgestellt worden.
Ein anderer User berichtet, dass er einst gebüsst wurde, als er im Bus stand, die Türen aber noch offen waren. EasyRide habe er da bereits aktiviert gehabt. Das Ticket sei in derselben Minute gelöst worden, in der die Busse ausgestellt worden sei. Nach einer Beschwerde beim Kundendienst habe er die Busse nicht bezahlen müssen.
Eine weitere Pendlerin erzählt, dass sie eine Busse bekommen hatte, weil sie das Ticket sieben Sekunden zu spät gelöst habe.
Geschichten wie diese drei gibt es unzählige. Der Konsumentenschutz schreibt in seinem Post: «Den ÖV nutzen, ohne zu bezahlen, geht nicht. Aber etwas mehr Augenmass und Kulanz seitens der SBB wären angebracht.»
Konsumentenschützerin: SBB fordern oft Kulanz von Pendlern
Gegenüber Nau.ch sagt Sara Stadler, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz: «Mit der Digitalisierung ihres Ticketings haben die SBB die Tür für eine Vielzahl von technischen Problemen und neuen Herausforderungen geöffnet.» Diese erforderten Kulanz und Flexibilität von allen Beteiligten.
Sie kritisiert, dass die SBB diese Kulanz von den Pendlern «gerne und oft» einfordere, beispielsweise bei Ausfällen oder technischen Störungen. Funktioniere aber bei den Gästen etwas nicht oder gebe es technische Probleme, «zeigen sich die SBB selbst zu oft uneinsichtig».
Sabrina Schellenberger, Mediensprecherin der SBB, sagt auf Anfrage von Nau.ch: «Kulanz gehört zur Praxis der SBB.»
Sie fügt aber an: «Das Kontrollpersonal kann vor Ort oft keine detaillierten Abklärungen der konkreten Umstände vornehmen.» Dafür fehle es an Zeit und technischen Möglichkeiten. Die Kontrolleure könnten demzufolge nicht prüfen, ob technische Probleme beim Kauf des Tickets vorlagen.
SBB: Tausende Bussen werden zurückgenommen
Pendler, die sich «ungerecht behandelt fühlen», könnten sich an den Kundendienst wenden und eine Klärung verlangen. Dann könne der Einzelfall geprüft und abgeklärt werden, ob die Busse gerechtfertigt sei oder nicht. «Solche Kulanzentscheide werden jedes Jahr zu tausenden Fällen nachträglich getroffen – insbesondere bei offensichtlichen Irrtümern oder sensiblen persönlichen Situationen.»
Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz bleibt bei ihrer Kritik an den SBB: Die Bundesbahnen nutzten bei der Preisgestaltung und Fahrplanänderungen die Vorteile der digitalen Systeme. «Kunden aber sollen bezahlen, wenn sie EasyRide einige Sekunden nach dem Einsteigen anschalten oder feststellen, dass die App nicht funktioniert.»
Das Fazit der Konsumentenschützerin: «Die SBB sollen diese von ihr neu geschaffenen Probleme lösen und nicht einfach an die Reisenden abschieben.»

















