Drei Monate nach der Anklage durch die Sonderjustiz für den Frieden (JEP) haben frühere Kommandeure der linken Guerilla-Organisation Farc diese angenommen. «Wir haben bei der JEP ein Dokument eingereicht, in dem wir die Anerkennung der Verantwortung für Entführungen während des bewaffneten Konflikts durch die Farc bestätigen», sagte der Ex-Farc-Chef Carlos Antonio Lozada laut der kolumbianischen Zeitung «El Espectador» in einer Pressekonferenz am Freitag.
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Die Friedensverhandlungen in Kolumbien dauern an. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Zu den Angeklagten gehören ausser Lozada der ehemalige Guerillakommandeur und heutige Chef der Farc-Partei Comunes, Rodrigo Londoño alias «Timochenko», und weitere ranghohe Ex-Mitglieder der Farc.

Weil die Ex-Guerilla-Kommandeure ihre Taten einräumen, sollen ihnen erhebliche Strafnachlässe gewehrt werden. In dem Verfahren geht es um bis zu 8500 Entführungen in den Jahren 1993 bis 2012.

Die Farc-Rebellen verschleppten über mehrere Jahrzehnte Tausende Menschen, um mit den Lösegeldern ihren bewaffneten Kampf gegen den Staat zu finanzieren. Eine der bekanntesten Geiseln war die damalige Präsidentschaftskandidatin der Grünen, Ingrid Betancourt. Sie befand sich sechs Jahre in Gewalt der Farc, bevor die Armee sie 2008 befreite. 2018 legte sie darüber vor der Sonderjustiz Zeugnis ab.

Ende 2016 legten die kolumbianische Regierung und die Guerilla-Organisation den jahrzehntelangen Bürgerkrieg mit 220 000 Toten und Millionen Vertriebenen mit einem Friedensvertrag bei. Darin wurde auch eine besondere Gerichtsbarkeit vereinbart. Für geständige Täter wurden Höchststrafen von maximal acht Jahren festgelegt. Auch wegen der relativ milden Strafen für die einstigen Farc-Grössen ist das Friedensabkommen in Kolumbien äusserst umstritten gewesen.

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