Die Corona-Krise und die Floyd-Proteste scheinen in den USA die Waffenverkäufe in die Höhe zu treiben. Experten glauben, dass der Juni ein Rekordmonat wird.
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Ein Mann fährt am 2. Mai mit einem Gewehr in seinem Auto am Kapitol des Bundesstaates Minnesota vorbei und fordert ein Ende der Restriktionen, die zur Eindämmung der Corona-Pandemie gelten. - dpa
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Das Wichtigste in Kürze

  • In den USA werden seit Monaten überdurchschnittlich viele Waffen verkauft.
  • Rund zwei Millionen Neubesitzer von Waffen wurden seit Anfang Jahr registriert.
  • Statt angekündigte Waffenrestriktionen sorgen momentan Corona und Proteste für den Boom.

Weltweite Corona-Höchstzahlen, hohe Arbeitslosenzahlen, Massenproteste gegen Polizeigewalt: Die USA befinden sich derzeit in einer schweren Krise. Angst und Ungewissheit machen sich unter der Bevölkerung breit.

Davon profitieren besonders die Waffengeschäfte: Auch im Mai haben sich die überdurchschnittlich hohen Waffenverkäufe fortgesetzt. Laut «Small Arms Analytics and Forecasting» (SAAF) wurden im Mai mehr als 1,7 Millionen Waffen in den USA verkauft. Das entspricht einer Zunahme von gut 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

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Ein Demonstrant nimmt mit einem Sturmgewehr an einem bewaffneten Protest gegen Corona-Eindämmungsmassnahmen vor dem Parlament von Michigan teil. - dpa

Laut «SAAF»-Chef-Ökonom Jurgen Brauer erlebt besonders der Verkauf von Handfeuerwaffen in den letzten Monaten einen richtigen Boom. Diese sind im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 94 Prozent gestiegen.

Nur Sandy Hook sorgte für ähnliche Verkaufszahlen

Auch die Zahl der Sicherheitsprüfungen für potenzielle Käufer von Schusswaffen ist seit März extrem hoch. Damals erreichte sie mit rund 3,7 Millionen sogenannter «Background Checks» einen neuen Rekordwert in der 1998 eingeführten Statistik. Auch im Mai wurden wieder über drei Millionen Sicherheitsprüfungen durchgeführt.

Insgesamt ergibt das laut FBI in den ersten fünf Monaten 30 Prozent mehr Background Checks als zum gleichen Zeitpunkt letztes Jahr. Und: Experten schätzen, dass es wegen den aktuellen Unruhen im Land im Juni zu einem Rekordhoch an Waffenverkäufen kommen könnte.

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Rekord an Sicherheitsprüfungen: Im Zuge der Corona-Krise haben sich viele Amerikanerinnen und Amerikaner mit Waffen eingedeckt. (Symbolbild) - Keystone

In der Vergangenheit sorgte vor allem die Angst vor strengeren Waffengesetzen für starke Anstiege bei den Verkaufszahlen. So etwa 2015, als Barack Obama nach dem terroristischen Angriff in San Bernardino eine Verschärfung beim Waffenverkauf ankündigte. Der schärfste Anstieg erfolgte aber nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Schule im Dezember 2012: Im nächsten Monat wurden rund zwei Millionen Waffen verkauft.

Bereits über zwei Millionen erstmalige Waffenbesitzer in diesem Jahr

Wie ernst die aktuelle Lage mit der Corona-Krise und den Protesten gegen Polizeigewalt in den USA ist, zeigt auch ein Blick auf die Waffen-Neubesitzer. «In der ersten Hälfte des Jahres 2020 sind mehr als zwei Millionen Amerikaner zum ersten Mal Waffenbesitzer geworden», schrieb die «National Rifle Association» Anfang Juni auf Twitter.

Gemäss einem Bericht der «National Shooting Sport Foundation» (NSSF) sollen es sogar 2,5 Millionen neue Waffenbesitzer sein. Demnach haben die Neukunden knapp 600 Dollar für Waffen ausgegeben. In den ersten vier Monaten sollen 40 Prozent dieser Neukäufer Frauen gewesen sein. Bereits 2017 gaben rund 40 Prozent der US-Bürger an, eine Waffe zu besitzen oder im Haushalt zu haben.

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In den USA hat die Ausbreitung des Coronavirus zu einem Ansturm auf Waffen und Munition geführt. - sda - KEYSTONE/AP/Marcio Jose Sanchez

Das übergreifende Motiv dabei: Der Selbstschutz. Doch die ganze Waffenproblematik zeigt sich mit Blick auf die Zahl der Todesfälle durch Mord oder Totschlag mit einer Schusswaffe. 2017 lag diese bei fast 11'000.

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