Unicef

    Unicef-Chefin: «Die Welt lässt die Haitianer im Stich»

    Keystone-SDA
    Keystone-SDA

    Haiti,

    Nach Ansicht der Unicef-Direktorin Catherine Russell muss die internationale Gemeinschaft mehr tun, um Haiti zu helfen. Die Situation sei schlimmer den je.

    Haiti
    Haiti hat seit einem Jahr massive Probleme mit Bandengewalt. (Archivbild) - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Unicef-Chefin ruft die internationale Gemeinschaft auf, Haiti zu helfen.
    • Sie berichtet von brutaler Bandengewalt, Hunger, Armut, Cholera und Klimafolgen.

    Die internationale Gemeinschaft muss nach Ansicht von Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell viel mehr tun, um Haiti zu helfen. «Die Welt lässt die Haitianer im Stich», sagte sie laut einer Mitteilung am Donnerstag in New York nach einem Besuch in dem Karibikstaat.

    Die internationale Solidarität mit Haiti sei seit der Zeit nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 grösstenteils verpufft; dabei sei die Situation schlimmer denn je, sagte die Chefin des Kinderhilfswerks. Von 720 Millionen US-Dollar (663 Mio. Euro), um die die UN in diesem Jahr für humanitäre Hilfe in Haiti baten, sei bisher weniger als ein Viertel eingegangen.

    Sicherheitslage ist inakzeptabel»

    «Die aktuelle Sicherheitslage ist inakzeptabel», sagte Russell. Sie berichtete von brutaler Bandengewalt, darunter systematische Vergewaltigungen. Hinzu kämen Hunger, Armut, Cholera und Klimafolgen.

    Catherine Russell ist die neue Direktorin des UN-Kinderhilfswerks Unicef.
    Catherine Russell ist die neue Direktorin des UN-Kinderhilfswerks Unicef. - Jörg Carstensen/dpa

    Haiti leidet unter Kämpfen zwischen Banden, die nach UN-Schätzung 80 Prozent der Hauptstadt Port-au-Prince kontrollieren. Seit der Ermordung des Staatspräsidenten Jovenel Moïse vor knapp zwei Jahren gibt es eine Interimsregierung. Diese bat im Oktober um Hilfe durch eine internationale Truppe – die kam bislang nicht zustande. Zuletzt breitete sich in Port-au-Prince die «Bwa Kale» (geschältes Holz) genannte Selbstjustiz-Bewegung aus.

    Nach Angaben der haitianischen Organisation CARDH wurden innerhalb von nur einem Monat mindestens 160 mutmassliche Bandenmitglieder gelyncht. Fast die Hälfte der elf Millionen Haitianer leidet laut UN unter akutem Hunger.

    Haitianische Migranten warten darauf, an Bord eines Boots in Richtung Capurgana nahe der Grenze zu Panama zu gehen. Foto: Ivan Valencia/AP/dpa
    Haitianische Migranten warten darauf, an Bord eines Boots in Richtung Capurgana nahe der Grenze zu Panama zu gehen. Foto: Ivan Valencia/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

    In Port-au-Prince nannte der UN-Menschenrechtsexperte William O'Neill den Einsatz einer internationalen Truppe «unerlässlich» und rief dazu auf, ein vom Sicherheitsrat beschlossenes Waffenembargo gegen Haiti umzusetzen. «Die Menschenrechtslage ist dramatisch, alle Rechte werden verletzt», sagte er zum Abschluss eines zehntägigen Besuchs am Mittwoch. «Es ist dringend notwendig, zu handeln. Das Überleben einer ganzen Nation steht auf dem Spiel.»

    Weiterlesen

    UN
    16 Interaktionen
    UN-Experte in Genf
    5 Interaktionen
    Mindestens 15 Tote
    Port-au-Prince

    MEHR IN NEWS

    Man muss die Eltern kritisieren, nicht die Kinder!
    10 Interaktionen
    Schweigepfad-Lärm
    Campingfeuer Bella Italia
    «Fire! Fire!»
    Ostschweizer Kantonsrat will heimliche Kameras auf Nase stoppen
    2 Interaktionen
    Smart Glasses
    Tierpark Bern Artenschutz
    Tierpark Bern

    MEHR UNICEF

    8 Interaktionen
    Aden/Genf
    unicef
    1 Interaktionen
    Unicef:
    7 Interaktionen
    Köln

    MEHR AUS HAITI

    Präsidentenmord
    3 Interaktionen
    Port-au-Prince
    Haiti
    2 Interaktionen
    Medienberichte
    Haiti
    1 Interaktionen
    In Haiti