Klartext über den US-Präsidenten? Stabschefin rudert zurück
Die Stabschefin des Weissen Hauses, Susie Wiles, hat in Interviews überraschend unverblümt und auch harsch über ihren Chef US-Präsident Donald Trump geurteilt.

Das Wichtigste in Kürze
- Donald Trump habe die «Persönlichkeit eines Alkoholikers» sagt seine Stabschefin.
- Als Stabschefin ist Wiles eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in Trumps Zirkel.
- Vize-Präsident JD Vance sei seit einem Jahrzehnt «ein Verschwörungstheoretiker».
Donald Trump habe die «Persönlichkeit eines Alkoholikers», sagte Susie Wiles im Gespräch dem Magazin «Vanity Fair».
Die «Vanity Fair» veröffentlichte ihren langen Artikel am Dienstagmorgen in zwei Teilen. Grundlage des Textes sind den Angaben zufolge Gespräche mit Wiles an elf verschiedenen Tagen. In dem Artikel werden teils nur Fragmente ihrer Aussagen zitiert, und nicht ganze Sätze. Das gilt auch für die «Persönlichkeit eines Alkoholikers»-Aussage.
Das sagt Wiles sonst noch über Donald Trump
Ausserdem sagte Wiles über Donald Trump: «Er handelt in der Überzeugung, dass es nichts gibt, was er nicht schaffen kann. Nichts, absolut nichts.»

Als Stabschefin ist Wiles eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in Trumps Zirkel. Umso verwunderlicher sind ihre Aussagen, die nun veröffentlicht wurden, noch bevor der Präsident das erste Jahr seiner zweiten Amtszeit hinter sich gebracht hat. Wiles gilt als enge Vertraute Trumps und hat ihn über Jahre hinweg auf verschiedenen Positionen begleitet.
Trump bezeichnet Wiles als «fantastisch»
Trump zeigte sich im Gespräch mit dem Boulevardblatt «New York Post» gelassen über die Aussagen von Wiles. Er konsumiere zwar keinen Alkohol, sagte Trump demnach. «Aber ich habe oft gesagt, dass ich, wenn ich trinken würde, eine sehr gute Chance hätte, Alkoholiker zu werden», zitierte das Blatt den mächtigsten Mann der Welt. Trump sprach Wiles sein Vertrauen aus und bezeichnete sie als «fantastisch».
Wiles über Vance: Seit einem Jahrzehnt Verschwörungstheoretiker
Mit Blick auf Trumps Vorgehen gegen Kritiker und politische Gegner sagte sie, man könne durchaus den Eindruck gewinnen, dass es sich um Vergeltungsaktionen handle. Allerdings sei dem nicht so, sagte sie weiter. «Ich glaube nicht, dass er morgens aufwacht und an Rache denkt. Aber wenn sich die Gelegenheit bietet, wird er sie nutzen.»
Auch über andere wichtige Menschen aus Trumps Umfeld sprach Wiles mit der «Vanity Fair». Vize-Präsident JD Vance etwa sei seit einem Jahrzehnt «ein Verschwörungstheoretiker». Elon Musk sei ein «bekennender Ketamin-Konsument», während Justizministerin Pam Bondi bei der Bearbeitung der Epstein-Akten «völlig versagt» habe.
Wiles wirft «Vanity Fair» fehlenden Kontext vor
Die Stabschefin des Weissen Hauses, Susie Wiles, wirft dem Magazin «Vanity Fair» vor, ihre brisanten Aussagen über US-Präsident Donald Trump aus dem Kontext gerissen zu haben. «Wesentliche Zusammenhänge» seien in dem am Dienstag veröffentlichten Artikel ignoriert worden, während viele Einzelheiten ausgelassen worden seien, schrieb Wiles auf X. Sie dementiert allerdings nicht, die Aussagen aus dem Text getroffen zu haben.

Sie gehe davon aus, dass «ein überwiegend chaotisches und negatives Bild» von Präsident Trump und dessen Team gezeigt werden sollte. Der Text sei ein «unaufrichtig verfasster, verleumderischer Angriff auf mich und den besten Präsidenten, das beste Team des Weissen Hauses und das beste Kabinett der Geschichte».
Wiles: Trump will, dass Maduro aufgibt
Über Trumps Motivation im schwelenden Konflikt mit Venezuelas autoritärem Herrscher Nicolás Maduro sagte Wiles: «Er will so lange Boote in die Luft jagen, bis Maduro aufgibt. Und Leute, die sich damit viel besser auskennen als ich, sagen, dass er das auch schaffen wird.»
In den vergangenen Monaten hatte sich der Konflikt zwischen Washington und Caracas immer weiter zugespitzt.

Zu den Zöllen auf Einfuhren aus dem Ausland in die Vereinigten Staaten sagte Wiles, dass diese unter Trumps Beratern Differenzen hervorgerufen hätten.
«Es gab grosse Meinungsverschiedenheiten darüber, ob (die Zölle) eine gute Idee seien», sagte sie. So hätten einige die Zölle für ein Allheilmittel gehalten, andere rechneten dagegen mit einer Katastrophe.
Wiles: Keine Beweise für Clintons Anwesenheit auf Epstein-Insel
Auch über den Epstein-Skandal, der zuletzt mehr und mehr zu Belastung für Trump wird, äussert Wiles. Trump habe fälschlicherweise behauptet, der frühere US-Präsident Bill Clinton sei auf einer Privatinsel des gestorbenen Sexualverbrechers gewesen. «Es gibt keine Beweise dafür», sagte Wiles.
Ein Sprecher Clintons hatte bereits vor Jahren erklärt, Clinton sei «nie auf Little St. James Island, Epsteins Ranch in New Mexico, oder in seiner Residenz in Florida» gewesen.











