Der Ex-Polizist Derek Chauvin ist des Mordes an George Floyd schuldig befunden worden. Das Urteil hat für viele Reaktionen gesorgt – hier gibt es eine Auswahl.
Derek Chauvin George Floyd
Die Freude nach dem Schuldspruch gegen den Ex-Polizisten Derek Chauvin ist gross. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Derek Chauvin wurde des Mordes an George Floyd schuldig befunden.
  • Das Urteil sorgte vor dem Gerichtsgebäude von Minneapolis für grosse Freude.
  • Biden, Obama und viele Promis aus Film- und Musikszene äusserten sich bereits.

Vor dem Gerichtsgebäude im Zentrum von Minneapolis hatte sich kurz vor der Urteilsverkündung eine grosse Masse von Menschen angesammelt. Sie alle warteten gespannt auf das Urteil gegen den Angeklagten Derek Chauvin.

Als die Geschworenen den weissen Ex-Polizisten schliesslich für schuldig befanden, brach vor dem Gerichtsgebäude grosser Jubel aus. Es herrschte regelrechte Volksfeststimmung. Anwesende skandierten unter anderem «Black Lives Matter» und «Wer hat gewonnen? Wir haben gewonnen» – und sie riefen George Floyds Namen.

Fast ein Jahr nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd ist nun also klar: Derek Chauvin ist für dessen Tod verantwortlich. Der Ex-Polizist wurde in allen drei Anklagepunkten – Mordes zweiten Grades, Mordes dritten Grades und Totschlags zweiten Grades – schuldig gesprochen.

Derek Chauvin George Floyd
Derek Chauvin wird nach der Urteilsverkündung in Handschellen abgeführt. - Keystone

Chauvin nun eine lange Haftstrafe. Wie der zuständige Richter Peter Cahill am Dienstag (Ortszeit) verkündete, soll genaue Strafmass in acht Wochen festgelegt werden. Auf Bildern war zu sehen, wie Chauvin im Gerichtssaal in Handschellen abgeführt wurde.

Bruder von George Floyd: «Heute können wir wieder atmen»

Das Urteil löste in den USA viele Reaktionen aus. Die Familie von George Floyd zeigte sich erleichtert. «Gerechtigkeit für George bedeutet Freiheit für alle. Heute können wir wieder atmen», sagte etwa Philonise Floyd in Anspielung auf die letzten Worte seines Bruders. Philonise betonte, der Kampf gegen Ungerechtigkeit gehe weiter. Er hoffe nach dem Schuldspruch, dass er nun wieder schlafen könne.

Der Anwalt von Floyds Familie, Ben Crump, bezeichnete den Schuldspruch als «Wendepunkt in der Geschichte». «SCHULDIG!», schrieb Crump auf Twitter. «Endlich ist schmerzlich verdiente Gerechtigkeit für George Floyds Familie eingetroffen.»

George Floyd
Der Anwalt der Familie von George Floyd freut sich auf Twitter über das Urteil. - Twitter

Das Urteil sende eine klare Botschaft, dass auch die Strafverfolgung zur Rechenschaft verpflichtet sei. Crump schrieb weiter: «Gerechtigkeit für das schwarze Amerika ist Gerechtigkeit für ganz Amerika!»

Joe Biden: «Habe Gianna gesagt: Papa hat die Welt verändert»

Joe Biden hatte nach der Urteilsverkündung mit Mitgliedern der Familie Floyds gesprochen – etwa auch mit der jungen Tochter von Floyd. Bei einer kurzfristig anberaumten Ansprache im Weissen Haus sagte der US-Präsident: «Ich habe Gianna gesagt: Papa hat die Welt verändert.» Floyd hinterlasse ein Vermächtnis des Friedens, der Gerechtigkeit und des friedlichen Protests, sagte Biden.

Biden sagte, er begrüsse den Schuldspruch, rief aber zugleich zu weiterem Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt auf. Struktureller Rassismus sei «ein Schandfleck auf der Seele unserer Nation», so Biden.

Präsident Biden mit Vizepräsidentin Harris
Präsident Biden mit Vizepräsidentin Harris - AFP

Mit Blick auf Floyds Familie betonte er: «Nichts kann jemals ihren Bruder, ihren Vater zurückbringen. Aber dies kann ein riesiger Schritt vorwärts auf dem Marsch zur Gerechtigkeit in Amerika sein.» Nötig dafür seien allerdings echter Wandel und echte Reformen.

Biden erinnerte an Floyds letzte Worte «I can't breathe» («ich kann nicht atmen») und sagte: «Wir können diese Worte nicht mit ihm sterben lassen.» US-Vizepräsidentin Kamala Harris - welche die erste Schwarze in dem Amt ist und am Dienstag unmittelbar vor Biden sprach - nannte Rassismus «ein Problem für jeden Amerikaner».

Barack Obama: «Es braucht ein tiefgreifendes Umdenken»

Barack Obama forderte nach dem Schuldspruch ein tiefgreifendes Umdenken und Reformen. «Wahre Gerechtigkeit erfordert, dass wir die Tatsache einsehen, dass schwarze Amerikaner anders behandelt werden, jeden Tag», erklärte der frühere US-Präsident auch im Namen seiner Frau Michelle.

«Wir müssen anerkennen, dass Millionen unserer Freunde, Familienangehörigen und Mitbürger in Angst leben, dass ihre nächste Begegnung mit der Polizei ihre letzte sein könnte.»

Es brauche konkrete Reformen, um die Ungleichbehandlung im Strafrechtssystem verringern und letztendlich ganz beseitigen. «Das heutige Urteil mag zwar ein notwendiger Schritt auf dem Weg zu Fortschritt gewesen sein, aber bei weitem kein ausreichender.» Bei wahrer Gerechtigkeit gehe es um viel mehr als um ein einzelnes Urteil in einem einzelnen Prozess.

Maria Carey: «Halleluja!»

Auch dutzende US-Stars aus der Film- und Musikszene meldeten sich nach der Urteilsverkündung zu Wort. Popstar Mariah Carey schrieb nur Minuten nach dem Schuldspruch auf Twitter: «Halleluja! Ein Anfang...ein kleines Körnchen Hoffnung für unsere Zukunft.»

George Floyd
Mariah Carey freute sich auf Twitter über den Schuldspruch im Prozess gegen George Floyd. - Twitter

Jamie Fox spricht von «bittersüssem Moment»

Schauspieler Jamie Foxx sprach von einem «bittersüssen Moment», denn Floyd komme dadurch nicht zurück. Dies sei ein kleiner Schritt, um den Afroamerikaner «und Tausende, wie dich, deren Leben sinnlos genommen wurde» zu ehren, schrieb Foxx auf Instagram.

George Floyd
Jamie Foxx sprach auf Instagram von einem «bittersüssen Moment». - Instagram

Justin Timberlake: «Arbeit ist noch lange nicht getan»

Die Arbeit sei damit lange noch nicht getan, erklärte Sänger Justin Timberlake auf Twitter. Viele Familien würden noch auf Gerechtigkeit warten, schrieb er zu dem Hashtag #PoliceReformNOW für eine sofortige Reform in den Reihen der Polizei.

George Floyd
Justin Timberlake fordert nach dem Urteil gegen Derek Chauvin Polizeireformen. - Twitter

Oprah Winfrey vergoss Tränen

Star-Moderatorin Oprah Winfrey schrieb auf Twitter zu einem Foto von Floyd, sie sei «erleichtert - und emotional auf eine Weise, wie ich es nicht erwartet habe». Sie habe bei jedem Urteilsspruch Freudentränen vergossen.

Oprah Winfrey George Floyd
Oprah Winfrey teilte bei ihrem Statement ein Foto von George Floyd. - Twitter

Katy Perry: «Ruhe in Gerechtigkeit George Floyd»

«Ruhe in Gerechtigkeit George Floyd», schrieb Sängerin Katy Perry auf Twitter und versah ihre Botschaft mit einem roten Herz-Emoji. Schauspielerin Elizabeth Banks dankte den Juroren. «Schuldig! Wie es sein sollte!», schrieb Oscar-Preisträgerin Viola Davis auf Twitter. «Nun...Ruhe in Frieden George Floyd.» «Viele Kämpfe liegen noch vor uns», mahnte Schauspielerin Kerry Washington.

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«Ruhe in Gerechtigkeit George Floyd», schrieb Katy Perry nach der Urteilsverkündung auf Twitter. - Twitter

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