Die Ikone starker Frauenrollen: Faye Dunaway wird 85
Als Gangsterbraut in «Bonnie und Clyde» schoss die junge Faye Dunaway an der Seite von Warren Beatty in Hollywood nach oben. Am 14. Januar kann sie ihren 85. Geburtstag feiern.

Seit über einem halben Jahrhundert steht Faye Dunaway vor den Filmkameras, meist als Hollywoods coole Powerfrau. Mit 76 Jahren liess sich die Schauspielerin auf eine Rolle im Thriller «Tödliches Verlangen» (2017) ein. Darin mimte sie die misstrauische Mutter eines Familienvaters, der von Nicolas Cage verkörpert wurde.
Für den italienischen Schauspieler und Regisseur Franco Nero trat sie 2022 gemeinsam mit Kevin Spacey für den unabhängigen Film «L'uomo che disegnò Dio» («Der Mann, der Gott gezeichnet hat») vor die Kamera. Am 14. Januar wird Dunaway 85 Jahre alt.
Über Jahrzehnte hinweg nahm es die Schauspielerin mit den stärksten Männern auf und zwang sie lässig in die Knie. Als eiskalte Gangsterbraut in «Bonnie und Clyde» (1967) lernte sie Warren Beatty das Fürchten. In «Thomas Crown ist nicht zu fassen» (1968) war sie ebenso kaltblütig wie ihr Leinwandpartner Steve McQueen.
Als kühle undurchsichtige Blondine brachte sie in «Chinatown» (1974) Jack Nicholson aus der Fassung. Robert Redford bot sie in dem Agententhriller «Die drei Tage des Condor» (1975) die Stirn.
In der schwarzen Komödie «Network» (1976) schlug Dunaway als berechnende Karrierefrau zu – und erhielt dafür ihren bisher einzigen Oscar. Zuvor war sie zweimal für den begehrten Filmpreis nominiert worden («Bonnie und Clyde», «Chinatown»).
Die Hollywoodschönheit mit den auffällig grünen Augen und hohen Wangenknochen holte 2013 beim Internationalen Filmfestival Locarno den «Leopard Club Award». «Ich durfte oft starke, eigensinnige Frauen verkörpern. Dadurch habe ich verstanden, wie wichtig es ist, dass Frauen für ihre Rechte einstehen, für das, woran sie glauben, kämpfen», sagte sie damals rückblickend auf ihre lange Karriere. «Zum Glück gab es Regisseure, die mich gefordert und dadurch gefördert haben.»
In der 2024 veröffentlichten Dokumentation «Faye» spricht sie offen über Hochs und Tiefs in ihrem Leben – mit bipolaren Depressionen, einer schwierigen Kindheit und ihrer Flucht in die Schauspielerei. Sie sei oft sehr launisch und depressiv gewesen, räumt der Star ein. Aber diese Gefühle hätten sie auch zu einer starken Person gemacht.
Sie hatte den Ruf, eigenwillig zu sein. Bei den Dreharbeiten für «Chinatown» kam es zwischen Regisseur Roman Polanski und der Hauptdarstellerin angeblich zu heftigen Wutausbrüchen. Schlagzeilen machte damals auch ihre Affäre mit Marcello Mastroianni.
In ihren Memoiren («Looking for Gatsby», 1995) schrieb Dunaway, dass sie bereits mit fünf Jahren Schauspielerin werden wollte. Ihr Handwerk lernte sie unter anderem am New Yorker Lincoln Center unter Anleitung des legendären Elia Kazan. Mit dem Einpersonenstück «Tea at Five» kehrte sie 2019 zu ihren Anfängen als Schauspielerin zurück. Auf der Theaterbühne in Boston verwandelte sich Dunaway in die Filmlegende Katharine Hepburn.
«Ohne das Handwerk vom Theater und ohne das Wissen, eine lebendige und echte Darbietung zu geben, hätte ich keine Filme drehen können», sagte Dunaway 2019 der Zeitung «The Boston Globe».
Nach ihrem Oscar-Sieg 1977 brach Dunaways Karriere in Hollywood zunächst ein. Sie zog nach England, wo sie den Fotografen Terry O'Neill heiratete, 1980 kam ihr Adoptivsohn Liam zur Welt.
Nach dem Scheitern ihrer zweiten Ehe – in den 1970er Jahren war sie mit dem Rockmusiker Peter Wolf verheiratet – kehrte Dunaway nach Hollywood zurück. Mit dem Porträt einer Trinkerin in dem Bukowski-Film «Barfly» (1987) an der Seite von Mickey Rourke feierte sie ein Comeback. «Hollywood ist eine schwierige Stadt zum Überleben», vertraute sie 1999 dem US-Magazin «Esquire» an.
«Bonnie Parker war meine erste Rolle, sie ist mir in vieler Hinsicht am ähnlichsten», resümierte die Schauspielerin in «Esquire» über ihr Debüt als junge Gangsterbraut in «Bonnie und Clyde». «Sie war ein Mädchen aus einer Kleinstadt im Süden, sie kam aus dem Nichts, hungrig und zielstrebig. Sie wollte etwas Bedeutsames tun und Erfolg haben. Sie hatte eine gewisse Poesie in ihrer Seele.»
Mit ihrem damaligen Co-Star Warren Beatty katapultierte sich Dunaway bei der Oscar-Verleihung 2017 unfreiwillig ins Rampenlicht. Das inzwischen ergraute «Bonnie und Clyde»-Paar sollte am Ende der Show den Gewinner der Spitzentrophäe als bester Film verkünden.
Doch in dem vermeintlichen Sieger-Umschlag steckte die falsche Karte – Dunaway liest laut «La La Land» vor. Erst nach Schreckensminuten wird korrigiert: «Moonlight» ist der Gewinner. Schuld hatten die Helfer hinter der Bühne, doch Dunaway und Beatty bekamen die erste Kritik ab.
Ein kleiner Trost: Bei der folgenden Oscar-Gala 2018 konnten Dunaway und Beatty den Patzer wiedergutmachen. Sie präsentierten erneut den besten Film, fehlerfrei für «Shape of Water – Das Flüstern des Wassers».










