Amis wetten sogar auf Waldbrände – Experten besorgt
Auf Plattformen kann auf Waldbrände gewettet werden. Experten sind besorgt und fürchten Brandstiftung oder verzögerte Löscharbeiten.

Das Wichtigste in Kürze
- In den USA können Zocker selbst auf Waldbrände wetten.
- Experten bezeichnen das als «dystopisch», es berge «beunruhigende Möglichkeiten».
- Die Plattform Polymarket verteidigt sich und betont, sie stelle wichtige Informationen bereit.
19 Menschen starben beim sogenannten Eaton-Fire in Los Angeles im Januar 2025. Tausende weitere verloren ihre Häuser. Während sie vor dem Nichts stehen, profitierten andere von dem verheerenden Waldbrand. Denn verschiedene Plattformen bieten Wetten auf solche Ereignisse an.
Auf «Polymarket» beispielsweise konnten Zocker Geld darauf setzen, wie viele Hektar die Flammen zerstören oder wann sie unter Kontrolle sind.
Die Plattform «WyldFyre» spezialisiert sich genau auf Feuer in Kalifornien. «Du kannst Feuer nicht vorhersagen, aber du kannst damit handeln», steht gross auf der Website. «Das Feuer wartet nicht – und du solltest es auch nicht tun.» Hier kann darauf gewettet werden, wo oder wann ein Brand ausbrechen wird.

Die Klimawissenschaftlerin Kaitlyn Trudeau bezeichnet solche Wetten gegenüber «CNN» als «ziemlich dystopisch». Ihr Grossvater verlor beim Eaton-Fire sein Haus. Leute könnten finanziell davon profitieren, ein Feuer zu legen, gibt sie zu bedenken. Zudem könne es dafür sorgen, dass Ereignisse des echten Lebens eher wie ein Videospiel wahrgenommen würden.
Ed Nordskog ermittelte vor seiner Pensionierung für die Polizei in Los Angeles zu Brandstiftung. Er betont, dass jeder einen Waldbrand legen könne. Er sah während seiner Arbeit einen Zusammenhang zwischen Glücksspiel und Brandstiftung: «Eine überraschend hohe Zahl von Brandstiftern legt die Feuer in der Nähe von Casinos, die sie täglich besuchen.»
Noch gebe es kaum Daten zum Thema Brandstiftung und Glücksspiel. Nordskog sagt dennoch: «Es birgt einige beunruhigende Möglichkeiten.»
Die Sorgen der Experten betreffen nicht nur mögliche Brandstifter, sondern auch Feuerwehrleute. So besteht die Gefahr, dass ein Feuerwehrmann auf einen Brand wettet und die Löscharbeiten in der Folge leicht verzögert.
Ann Skeet, Ethikprofessorin an der Santa Clara University, wirft ethische Fragen auf: «Auf das Leben oder mögliche Leiden von jemandem zu wetten, wertet das menschliche Leben ab.» Es könne auch dazu führen, dass Waldbrände als weniger tragisch wahrgenommen werden. Und das birge die Gefahr, dass die Bemühungen der Gemeinschaft zur Eindämmung untergraben werden.
Polymarket sieht sich als Informationsdienstleister
Polymarket betont stets, dass keine Wetten, sondern der «Handel mit Ergebnissen zukünftiger Events» ermöglicht werde. So kann Geld darauf gesetzt werden, ob ein gewisses Ereignis eintritt oder nicht. Beispielsweise auf Wahlen, auf Stürze diktatorischer Regime oder ob Donald Trump bei einer Rede ein spezifisches Thema anspricht.
Die Zocker spielen dabei nicht gegen die Plattform, sondern gegen andere Zocker. Für spezifische Ereignisse können sie Aktien kaufen, die zwischen 0 und 1 Dollar kosten. Wird die «Ja»-Aktie für 65 Cents gehandelt, geht der Markt davon aus, dass das Ereignis zu 65 Prozent eintritt.
Die Plattform verteidigt die teils umstrittenen Wetten und sieht sich als Informationsdienstleister: Die Leute kämen, um Informationen zu erhalten. Eine Sprecherin sagt: «Die Märkte zu entfernen, verhindert nicht die Tragödien, sondern macht präzise Informationen weniger verfügbar.»

















