Bärenpark: Jetzt gibts Kondensmilch und Gemüse für die Bären

Redaktion
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Bern,

Nach Monaten in der Höhle tummeln sich die Bären wieder im Berner Bärenpark. Was hinter den Kulissen passiert, verrät Revierleiter Stefan Steuri im Interview.

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Die Bären im Bärenpark sind aus der Winterruhe erwacht – und klettern schon auf Bäumen. - BärnerBär-Leserreporter

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bärenpark-Bären sind früher aus der Winterruhe erwacht als letztes Jahr.
  • Hinter den Kulissen des Bärenparks passiert nun einiges.
  • Wildtierpfleger Stefan Steuri gibt Auskunft.

BärnerBär: Herr Steuri, der Frühling hält dieses Jahr sehr früh Einzug: Hat das die Bären im Bärenpark nun verfrüht aus ihrer gerissen Winterruhe?

Stefan Steuri: Tatsächlich sind die Bären bereits aktiv. Das Männchen «Finn» hat seine Winterruhe eine Woche früher beendet als im letzten Jahr. Oft sind sonst die Weibchen diejenigen, welche «ehnder» ab und zu aus ihren Höhlen kommen.

Bereiten dir die Bären vom Bärenpark Freude?

BärnerBär: Was bedeutet das etwas frühere Erwachen für den Tierpark?

Stefan Steuri: Da die Bären individuell und von Jahr zu Jahr unterschiedlich aufwachen, sind die Tierpflegerinnen und Tierpfleger jeweils gegen Ende Februar darauf vorbereitet. Es ist ja auch nicht so, dass die Bären von einer Stunde zur nächsten erwachen und sofort munter und hungrig sind…

BärnerBär: Sondern?

Stefan Steuri: Das Erwachen geschieht ganz allmählich, die Bären sind Anfangs noch recht träge. Denn zuerst muss der Metabolismus wieder hochgefahren werden. Dazu ernähren sie sich in den ersten Tagen und Wochen von dem, was im Park wächst: Knospen, Gras und so weiter. Erst danach werden sie von uns der Saison entsprechend mit Gemüse und etwas Fleisch gefüttert.

Bären im BärenPark
Was für ein schönes Bild: Die Bären im Bärenpark sind aus der Winterruhe erwacht. - Leserbild BärnerBär

BärnerBär: Die Bären fressen saisongerecht?

Stefan Steuri: Sie erhalten saisonal abgestimmtes Futter, wie sie es auch in freier Wildbahn finden würden. Wir sind stets bemüht, unsere Tiere im Tierpark (zu dem auch der Bärenpark gehört, Anm. der Redaktion) so naturnah wie möglich zu halten. Im Frühling gibt es für die Bären nur Gemüse und wenig Fleisch. Im Sommer ergänzen wir das Futter mit Früchten und im Herbst füttern wir grössere Mengen an fetthaltiger Nahrung wie Nüsse und Fische.

BärnerBär: Fressen sich «unsere» Bären auf den Winter hin auch einen so dicken Bauch an wie die im Internet bekannten «fetten» Bären aus Alaska?

Stefan Steuri: Im Herbst reichen wir den Bären eben vermehrt fetthaltige Nahrung, damit sie sich genügend Fettreserven für die Winterruhe anfressen können. Zusammen mit den kürzer werdenden Tagen und anderen inneren und äusseren Faktoren bewirkt das, dass sich die Tiere dann im November in die Winterruhe begeben.

Der massige Braunbär Nummer 747 mit dem Spitznamen «Jumbo Jet» im Katmai-Nationalpark in Alaska.
So viel futtern die Bären in Bern nicht an: Der massige Braunbär Nummer 747 mit dem Spitznamen «Jumbo Jet» im Katmai-Nationalpark in Alaska. - L.Law/Katmai National Park and Preserve/dpa

BärnerBär: Die Bären halten nur Winterruhe – bei der sie sogar zwischendurch die Höhle verlassen – nicht Winterschlaf. Wie oft zeigen sich Besucherinnen und Besuchern darüber überrascht?

Stefan Steuri: Im Winter führen wir diese Unterhaltung relativ oft. Wir freuen uns immer, wenn wir unseren Gästen den Unterschied zwischen Winterruhe und Winterschlaf erklären können und sie somit etwas über die Bären, aber auch die Winterschläfer lernen. Dass die Bären die kalte Jahreszeit «durchschlafen» können und dann im Frühling mit einer «Badifigur» erwachen, finden die Leute immer wieder eindrücklich – und auch etwas beneidenswert.

BärnerBär: Sie gehen ihrer Arbeit mit den Berner Bären seit fast einem Vierteljahrhundert nach. Wie sehr hat sie sich verändert?

Stefan Steuri: Besonders viel verändert hat sich mit der Eröffnung des Bärenparks im Jarh 2009. Als ich vor 24 Jahren als Wildtierpfleger im Tierpark Bern angefangen habe, lebten die Bären noch in den zwei Graben. Damals haben wir auch noch Futtertüten abgefüllt und am Fenster verkauft. Besucherinnen und Besucher konnten damit die Bären füttern. Diese waren deshalb auch immer am Betteln.

BärnerBär: Das kann man sich heute kaum noch vorstellen!

Stefan Steuri: Nein. Heute bekommen die Bären kein Futter mehr von den Gästen. Ausserdem streuen wir das Futter im ganzen Gelände herum, sodass sie den ganzen Tag mit Futtersuchen beschäftigt sind. Auch sonst verhalten sich die Bären naturnaher und wir können sie in der neuen Anlage viel natürlicher beschäftigen und artgerechter füttern. Es gibt übrigens heute noch Gäste, die sie in den alten Graben suchen. Wenn sie die Bären danach in der rund 6000m2 grossen Anlage an der Aare entdecken, sind sie durchwegs begeistert.

BärnerBär: Früher sprach man noch von «Bärenwärtern». Sie selbst wurden von Emil Hänni, dem letzten Bärenwärter am Bären Graben, eingearbeitet. Wie sehr unterscheidet sich Ihre Arbeit von der Ihrer Vorgänger?

Stefan Steuri: Der Bärenwärter hat früher die Bären noch mit der Flasche aufgezogen, ist mit ihnen an der Aare spazieren gegangen oder hat mit ihnen Anlässe in der Stadt besucht. Heute ist das gar nicht mehr denkbar. Die Philosophie des Tierparks besteht darin, den Tieren in grosszügigen Anlagen ein so natürliches Leben wie möglich zu ermöglichen. Alle unsere Tierpflegerinnen und Tierpfleger sind ausgebildete Wildtierpflegende.

BärnerBär: Verändern sich die Haltung von und der Umgang mit den Bären auch weiterhin? Etwa indem neue wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt werden?

Stefan Steuri: Die Haltung von Bären hat sich in den Zoos allgemein sehr stark geändert. Die Anlagen bieten deutlich mehr Möglichkeiten zur Beschäftigung und entsprechen viel mehr dem natürlichen Lebensraum von Braunbären. Der Tierpark ist stets bestrebt, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Tieren in seiner Obhut umzusetzen.

Dazu hinterfragen wir unsere Haltung regelmässig. Im letzten Jahr haben wir zum Beispiel die Entwicklung eines neuen Schwimmfutters speziell für Bären initiiert, das länger an der Wasseroberfläche bleibt. Damit können wir unsere Tiere noch abwechslungsreicher und besser beschäftigen.

Stefan Steuri Bärenpark
Stefan Steuri, Wildtierpfleger und Revierleiter Bärenpark, Tierpark Bern. - zVg

BärnerBär: Was machen der Revierleiter Bärenpark und seine Kolleginnen und Kollegen eigentlich im Winter, wenn die Bären schlummern?

Stefan Steuri: Im Gegensatz zu den Bären haben wir keine Ruhezeit, denn es gibt immer Arbeiten, die im Sommer aus verschiedenen Gründen nicht erledigt werden können. Gemeinsam mit den Rangern sind wir als Ansprechpersonen sowie zur Sicherheit vor Ort. Und wir überwachen die Bären mittels Kameras und Babyphone in den Höhlen.

BärnerBär: Worauf freuen Sie sich zum Ende der Winterruhe persönlich am meisten?

Stefan Steuri: Ich freue mich natürlich, die Bären wieder live zu sehen und nicht mehr nur durch die Kameras. Jetzt gilt es ihr aktuelles Gewicht zu bestimmen. Dazu müssen alle drei auf die Waage. Das ist gar nicht so einfach. Damit sie gut mitmachen und die Waage nicht nur in typischer Bärenmanier «untersuchen», sondern auch draufstehen, locken wir sie mit Kondensmilch.

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Kommentare

User #9833 (nicht angemeldet)

ich liebe Bären

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