Felix Blumer: So war mein Jahr als Wetterbotschafter auf dem Säntis
Felix Blumer beschäftigt sich mit Wetter und Klima und ist als Referent und Reiseleiter unterwegs. Seit gut einem Jahr ist er Wetterbotschafter auf dem Säntis.

Das Wichtigste in Kürze
- Der 2502 Meter hohe Säntis ist aufgrund seiner Lage der ultimative Wetterberg in der Ostschweiz.
- Bereits seit 1882 wird das Wetter auf dem Säntis beobachtet und aufgezeichnet.
- Die Säntis-Schwebebahn AG hat Felix Blumer als Wetterbotschafter angestellt.
- Blumer arbeitete von 2005 bis 2025 als Meteorologe bei «SRF Meteo».
In der Schweiz wird seit 1864 das Wetter systematisch beobachtet und aufgezeichnet. Allerdings fehlten zunächst noch Bergstationen.
Das änderte sich 1882, als die Wetterbeobachtung auf dem Säntis begann. Das war damals mit Abenteuer verbunden. Denn: Es gab bis 1935 noch gar keine Säntisbahn.
Einsamer Job, aber beliebt
Für den Wetterbeobachter hatte dies zur Folge, dass er auf dem Berg wohnen musste und nur alle paar Tage einmal ins Tal kam. Dazwischen wurde er durch Träger versorgt. Die Daten wurden damals mit einer Telegraphenleitung ins Tal übermittelt.
Trotz Einsamkeit war der Job sehr beliebt. So beliebt, dass es am 21. Februar 1922 zum Doppelmord auf dem Säntis kam, als ein abgelehnter Beobachterkandidat das Beobachterpaar auf dem Gipfel umbrachte.
In den letzten Jahrzehnten verlor allerdings die Wetterbeobachtung auf dem Säntis mehr und mehr von ihrer wilden Romantik. 1969 verliess der letzte Wetterbeobachter den Berg.
Von da an übernahmen Angestellte der PTT, später der Swisscom, die Arbeit. 2017 ging die Arbeit an die Mitarbeiter der Säntisbahn über. Das ist auch heute noch so, auch wenn der Grossteil der Wetterbeobachtung vollautomatisiert verläuft.
Alle zehn Minuten wird ein vollständiger Datensatz zum staatlichen Wetterdienst (MeteoSchweiz) an den Flughafen Zürich übermittelt.
Wetter hat nichts von seiner Faszination verloren
Wetter ist und bleibt aber ein spannendes Thema. Kein Stammtisch kommt am aktuellen Wettergeschehen vorbei. Und bei SRF ist die Meteosendung nach wie vor die meist gesehene tägliche Sendung, noch vor der Hauptausgabe der Tagesschau.
Der Bedeutung des Themas Wetter war man sich auch bei der Säntisbahn voll bewusst. So suchte Geschäftsführer Jakob Gülünay nach einem Wetterbotschafter. Fündig wurde er am Leutschenbach.
Auf das Datum meiner ordentlichen Pensionierung bei SRF im Jahre 2025 wurde ich neuer Wetterbotschafter. Damit bekam das Wetter auf dem Säntis ein Gesicht und noch viel mehr eine bekannte Stimme.
Was macht ein Wetterbotschafter?
Als Wetterbotschafter sitze ich nicht jeden Tag in der alten Wetterhütte auf dem Säntis. Es geht vielmehr darum, aktuelle Wetterthemen in der Ostschweiz aufzunehmen, darüber zu schreiben und in Referaten auf dem Säntis oder – aktuell während dem Umbau der Säntisbahn – auf der Schwägalp, einem interessierten Publikum näher zu bringen.

Darüber hinaus steht ich als Wetterbotschafter auch dem Seminarhotel für Referate und Wetterführungen zur Verfügung.
Von Blutmond bis Schneerekord
Die Wetterthemen auf dem Säntis sind vielfältig. Der Wetterbotschafter macht jeweils zum frühesten Sonnenaufgang und zum frühesten Sonnenuntergang eine Führung mit einem Fachreferat. Im Frühling, wenn die Schneedecke auf dem Säntis am mächtigsten ist, geht es um Schnee und Niederschlag auf dem Säntis.
Auch astronomische Ereignisse sind äusserst beliebt: Am 7. September 2025, als in der Schweiz eine totale Mondfinsternis zu bewundern war, erlebte der Säntis einen Rekordandrang. Selbstverständlich gab es auch bei diesem Ereignis wissenschaftliche Erläuterungen.

Schon jetzt in der Planung sind die nächste Sonnenfinsternis am 2. August und vor allem die nächste totale Mondfinsternis am 31. Dezember 2028. Das wird am frühen Silvesterabend der grosse Apéro-Event.
Wetterthemen auch mit Partnern
Am 9. Oktober war im Säntis-Wetter-Talk Fernsehwetter das Thema. Zusammen mit meiner langjährigen SRF-Meteo-Kollegin Sandra Boner erklärte ich, wie das Fernsehwetter entsteht.
Sandra Boner erklärte die Hintergründe zum Arbeitsablauf, sowohl bezüglich der Vorbereitung als auch der Moderation auf dem Dach. Mein Teil war, wie heute eine moderne Prognose entsteht – und weshalb das Wetter auf der App nicht mehr als ein Hilfsmittel für das Publikum sein kann.
Das Publikumsinteresse war so gross, dass wir das Referat in diesem Winter sicher noch einmal wiederholen werden.
Dann aber auf dem Gipfel des Säntis, wenn die neue Bahn in Betrieb sein wird. Alle Informationen zu Referat und zur Wiederaufnahme des Betriebes der Säntisbahn gibt es zu gegebener Zeit auf saentisbahn.ch.

Zum Autor
Felix Blumer ist Klimatologe. 1994 promovierte er an der ETH Zürich mit dem Thema «Höhenabhängigkeit des Niederschlages im Alpenraum». Von 2005 bis 2025 arbeitete er bei SRF METEO. Seit 2005 führt er seine eigene Firma, die Blumer Communication & Consulting GmbH.












