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Polen,

Breslau ist bunt, lebendig und überraschend grün – als Städtereiseziel wird die Stadt aber noch immer unterschätzt.

Am Abend zeigt sich Breslau von seiner besonders stimmungsvollen Seite und lockt die Menschen in die Gassen.
Am Abend zeigt sich Breslau von seiner besonders stimmungsvollen Seite und lockt die Menschen in die Gassen. - TN

Polen? Für viele Reisende vielleicht nicht gerade das erste Reiseziel auf ihrer Liste. Doch genau darin liegt ein Teil seines Reizes.

Zwischen alten Vorurteilen und falschen Vorstellungen wird das Land als Reiseziel noch immer unterschätzt. Wer bei Polen noch an graue Städte und alte Klischees denkt, dürfte ziemlich überrascht sein.

Vorurteile halten sich hartnäckig und haben, wie so oft, erstaunlich wenig mit der Realität gemein. Ich habe ein Wochenende in Breslau verbracht. Und eine Stadt kennengelernt, die mit einer farbenfrohen Altstadt, einer lebendigen Atmosphäre und einer spannenden Geschichte überrascht.

Dass ich bereits eine komfortable Anreise mit Wizz Air hatte, haben Sie vergangene Woche auf Travelnews gelesen. Nun möchte ich Ihnen noch meine Eindrücke von der Stadt Breslau schildern – ein absolutes Bijou, wenn Sie mich fragen.

Nach dem Flug nehme ich den Bus in die Stadt. Die Fahrt dauert je nach Verkehrsaufkommen etwa 40 Minuten.

Zuvorderst im E-Car geht es in Richtung Dominsel.
Zuvorderst im E-Car geht es in Richtung Dominsel. - TN

Es gibt auch preiswerte Taxis, sowie Uber und Bolt. Es ist meiner Meinung nach immer besonders spannend, zu sehen, wie die öffentlichen Verkehrsmittel in anderen Ländern organisiert sind.

Für den lokalen Stadtverkehr gibt es Tickets nach Zeit: 15 Minuten, 30 Minuten oder 60 Minuten. Ich kaufe mir am Automaten an der Bushaltestelle ein 60-Minuten-Billett für 5,20 polnische Zloty, rund 1,15 Franken. Und fahre damit ins Zentrum.

Breslau liegt rund 300 Kilometer südwestlich von Warschau und hat eine wechselhafte und reiche Geschichte hinter sich. Im Laufe der Jahrhunderte gehörte die Stadt unter anderem zu Böhmen, zum Habsburgerreich, zu Preussen. Und ab 1871 zum Deutschen Reich.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Breslau mit rund 600'000 Einwohnern eine der grössten Städte des Deutschen Reiches. Die wechselhafte Vergangenheit ist bis heute noch an vielen Ecken der Stadt sichtbar. Und dies, obwohl sie während des Zweiten Weltkriegs zwischen 60 und 70 Prozent zerstört wurde.

Bei diesen «Pączki», den polnischen Berlinern, kann man fast nicht Nein sagen.
Bei diesen «Pączki», den polnischen Berlinern, kann man fast nicht Nein sagen. - TN

Nach dem Krieg wurde die Stadt polnisch, hiess fortan Wrocław und wurde umfangreich wiederaufgebaut, insbesondere die wunderschöne, historische Altstadt.

Zwischen Zwergen und Bier

Schlendert man durch die Stadt, sind die kleinen Zwerge aus Bronze, kaum zu übersehen. Die in Sie sind in der ganzen Stadt verteilt sind. Mittlerweile dürften es über 1000 sein, offiziell registriert sind sie nicht – und es kommen immer mehr dazu.

Entstanden sind die Zwerge aus der politischen Bewegung «Orange Alternative» in den 80er-Jahren: Diese protestierte mit absurden Aktionen gegen die kommunistische Regierung. Heute sind die Zwerge eine charmante Touristenattraktion, insbesondere für Kinder.

Würdest du Breslau gerne einmal besuchen?

Mit Karten und speziellen Apps können Besuchende die Figuren suchen, wie bei einer Art Schnitzeljagd, während sie die Stadt kennenlernen. Und sich mit anderen Touristen darin messen, wer die meisten Figuren findet.

Das Zentrum der historischen Altstadt ist grösstenteils verkehrsfrei und übersichtlich. Breslau ist ideal, um sich einfach zu Fuss durch die Stadt treiben zu lassen. Der Kern der Altstadt ist der Rynek, der historische Marktplatz.

Er gehört zu den grössten mittelalterlichen Marktplätzen Europas und ist umgeben von den bunten Häusern und dem beeindruckenden gotischen Rathaus. Dessen Ursprünge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück.

Die Gassen sind voller Leben. Die Aussenterrassen der Cafés und Restaurants laden zu einer kleinen Pause ein und dazu, das bunte Treiben zu beobachten.

Die Piroggen mit Kartoffel-Quark-Füllung konnten mich nicht ganz überzeugen.
Die Piroggen mit Kartoffel-Quark-Füllung konnten mich nicht ganz überzeugen. - TN

Bei den vielen Bäckereien, die ihre Waren im Schaufenster zur Schau stellen, kann man auch kaum widerstehen. Bei einem Berliner mit Himbeer-Füllung und einem Mantel aus weisser Schokolade kann ich nicht mehr nein sagen.

Etwas, das für mich auf einer Städtereise niemals fehlen darf, ist eine Stadtrundfahrt. Da es in Breslau keine Hop-On-Hop-Off-Bustouren gibt, buche ich eine einstündige Rundfahrt mit einem E-Car für umgerechnet 12 Franken.

Da ich allein unterwegs bin, komme ich in den Genuss, zuvorderst neben dem Fahrer sitzen zu dürfen und vollen Ausblick zu haben. Die Tour ist in verschiedenen Sprachen buchbar. Und für alle Durstigen für ein paar Batzen mehr auch mit unbegrenztem Bier!

Die Fahrt startet in der Altstadt und führt zur Metzgergasse, zur Universität, zur Dominsel und zur Sandinsel und zur Markthalle, bevor es wieder zurück in die Altstadt geht.

Angehalten für ein Foto und eine kurze Entdeckungsrunde wird unter anderem beim Breslauer Dom und der Jesuitenkirche. Letztere ist besonders für ihre barocken Fresken bekannt. Ein perfekter Einstieg, um die wichtigsten Ecken der Stadt kennenzulernen.

Heimelig und grün

Was mir an Wroclaw besonders aufgefallen ist, sind die vielen Parks, Pflanzen und begrünten Restaurants und Läden. Egal wohin man geht, fühlt man sich heimelig wohl zwischen den alten Mauern und dem vielen Grün.

Selbst die Terrassen auf den Gassen sind mit Blumen behangen. Gleichzeitig ist die Stadt enorm sauber und gepflegt.

Um Breslau noch aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, unternehme ich eine 45-minütige Schifffahrt auf der Oder. Von den verwinkelten Kanälen aus wirken die verschiedenen Kathedralen und die Markthalle am Ufer noch deutlich imposanter.

Auf der Oder herrscht ordentlich Verkehr; nicht nur Boote und Schiffe sind unterwegs, auch Kajak-Fahrende bahnen sich ihren Weg durch das Wasser. Ufer ist gesäumt mit begrünten Cafés, die Ferienstimmung versprühen.

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Bevor ich die allabendliche Fontänen-Show von Wroclaw besuche, probiere ich mich im Restaurant «Wroclawska» an der lokalen Küche. Bei den traditionellen Piroggen mit Kartoffel-Quark-Füllung habe ich mich dann aber ein wenig vergriffen. Es wartet also eine Attraktion, auf die die Stadt besonders stolz ist.

Der Multimedia-Brunnen Wroclaw ist der grösste in Polen und einer der grössten Europas. Er liegt in einem grossen Park an der Oder, gleich neben der eindrucksvollen Jahrhunderthalle, dem japanischen Garten und dem Breslauer Zoo. Ab 18 Uhr wird dabei stündlich eine Wassershow mit Klassik- oder Pop-Musik begleitet.

Wer ein wenig mehr Zeit mitbringt, kann ab Wroclaw interessante Tagesausflüge unternehmen. In rund einer Stunde erreicht man die Friedenskirche in Swidnica (Schweidnitz). Die berühmte Holzkirche gehört zum Unesco-Weltkulturerbe.

Rund zwei Autostunden entfernt liegt eine Gegend, die zwar in Tschechien liegt, aber besonders aus den Chroniken von Narnia bekannt ist: Die Felsenstadt Adersbach. Breslau begeistert mit seiner bunten Vielfalt, lebendigen Atmosphäre, überraschend vielen Grünflächen und einer reichen Geschichte.

Die Stadt lässt sich wunderbar zu Fuss entdecken, bietet durchaus leckeres Essen, (abgesehen von den Kartoffel-Quark-Piroggen) und genügend Sehenswürdigkeiten für ein abwechslungsreiches Wochenende.

Das hübsche Städtchen an der Oder hat einmal mehr gezeigt, wie sehr sich eine Reise abseits der üblichen Städtereise-Klassiker lohnen kann. Ich bin ganz ohne Erwartungen angereist und begeistert wieder gegangen. Das dürfte nicht meine letzte Reise nach Polen gewesen sein.

Hinweis: Dieser Artikel wurde zuerst auf «Travelnews.ch» publiziert.

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