Kreuzfahrt-Profis: Das sind die schönsten Hafenstädte der Welt

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Zürich,

Welche Hafenstädte begeistern Kreuzfahrt-Profis? Fünf Expertinnen und Experten verraten ihre Favoriten und Geheimtipps.

Kreuzfahrt
Kreuzfahrt-Profis äussern sich zu ihren Lieblingshäfen und verraten Geheimtipps, von links: Sven Hetzler, Sascha List, Marlise Eijking, Joel Lendenmann und Dario Cremona. - Adobe Stock / zVg

Reisende, die mit dem Kreuzfahrtschiff unterwegs sind, erleben Städte aus einer ganz besonderen Perspektive. Manchmal beginnt das Spektakel schon Stunden vor dem Anlegen: Wenn sich das Schiff durch Inselwelten schlängelt oder langsam einer weltberühmten Skyline nähert.

Aber: Welche Hafenstädte hinterlassen bei ausgewiesenen Kreuzfahrt-Profis den stärksten Eindruck? Und welche Ziele sind unterschätzt? Travelnews hat fünf Schweizer Kreuzfahrt-Experten nach ihren Favoriten gefragt.

Fünf Profis, fünf Traumhäfen

Bei Sascha List, Geschäftsführer von Cruisetour, liegt die Antwort auf die Frage nach der schönsten Hafenstadt auf der Hand: Hamburg. Als gebürtiger Hamburger sei er natürlich vorbelastet, räumt er ein. Seine Wahl begründet er aber nicht nur mit Heimatgefühlen.

«Das gesamte Stadtbild ist geprägt durch den Hafen», sagt List. Besonders fasziniert ihn die Verbindung von Wasser und urbanem Leben. Kanäle, Fleete, Alsterarme und Brücken seien allgegenwärtig. Dazu kämen Wahrzeichen wie die Speicherstadt, die Elbphilharmonie und die Landungsbrücken.

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«Gerade diese besondere Kombination aus hanseatischer Tradition, internationalem Flair und der ständigen Nähe zum Wasser: Sie macht Hamburg für mich zur schönsten Hafenstadt der Welt», so List.

Ganz in den Norden zieht es Joel Lendenmann, Gründer und Inhaber des Reisebüros Cruise Expert. Er tut sich zwar schwer damit, eine einzige schönste Hafenstadt zu küren.

Bei gutem Wetter gehörten die norwegischen Hafenstädte aber klar zu seinen Favoriten. Nicht zuletzt, weil die Schiffe häufig mitten im Ort anlegen und man alles bequem zu Fuss erkunden kann.

«Wenn ich mich für ein Highlight entscheiden müsste, wäre es Arendal», sagt Lendenmann. Kleinere Kreuzfahrtschiffe können direkt im Herzen der südnorwegischen Stadt festmachen.

Besonders angetan hat es dem Reisebüro-Inhaber die Bootsfahrt auf die autofreie Insel Merdø mit ihren Küstenwegen, historischen Holzhäusern und Sandstränden. «Für mich ein perfekter Ausflug, um die wunderschöne Atmosphäre Südnorwegens zu spüren.»

Fjordkulisse
Spektakuläre Fjordkulisse inklusive: Für MSC-Schweiz-Chef Sven Hetzler gehört Geiranger zu den eindrücklichsten Kreuzfahrtzielen. - Sven Hetzler

Norwegen ist auch bei Sven Hetzler, Commercial & Office Director Switzerland von MSC Cruises, erste Wahl. Sein Favorit heisst Geiranger. «Ich war erst kürzlich auf der MSC Euribia dort, es war eine Sensation», sagt er.

Die Einfahrt durch den zum Unesco-Weltnaturerbe gehörenden Geirangerfjord macht für Hetzler den besonderen Reiz aus: Vorbei an Wasserfällen wie den «Sieben Schwestern» und dem «Freier».

Dario Cremona, Gründer und Inhaber von Cremona Cruises, zieht es dagegen über den Atlantik. Für ihn ist New York die schönste Hafenstadt, die er bisher besucht hat. Neben der Vielseitigkeit, der Gastronomie und der Freundlichkeit der Menschen begeistert ihn insbesondere die Perspektive vom Wasser.

«Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, von einem Kreuzfahrtschiff aus eine der grössten Städte der Welt zu betrachten», so Cremona. Die Fahrt entlang der Skyline von Manhattan und der Freiheitsstatue ist für ihn ein Erlebnis für sich.

Einen europäischen Klassiker nennt Marlise Eijking, Head of Sales Switzerland bei Ponant: Venedig gehört für sie noch immer zu den absoluten Highlights. Eine besondere Erwähnung bekommt zudem London. Zwar keine klassische Hafenstadt, aber die Fahrt auf der Themse und unter der Tower Bridge hindurch sei einzigartig.

Einen bleibenden Eindruck hat bei ihr auch eine Fahrt in Westgrönland hinterlassen: Die Einfahrt nach Kullorsuaq, einem winzigen Dorf weit im Norden. «Es ist keine Hafenstadt im klassischen Sinn, aber eine Passage, die ihr besonders in Erinnerung geblieben ist», so Eijking.

Die unterschätzten Perlen der Experten

Mindestens ebenso spannend wie die bekannten Favoriten sind jene Städte, die nach Ansicht der Profis viel zu wenig Beachtung finden. Sascha List nennt Triest. Während Venedig, Dubrovnik oder Barcelona regelmässig im Rampenlicht stünden, werde die norditalienische Hafenstadt oft nur am Rande wahrgenommen.

«Dabei vereint die Stadt auf einzigartige Weise italienisches Lebensgefühl mit mitteleuropäischer Eleganz und einer reichen maritimen Geschichte», erklärt List. Die Vergangenheit als wichtiger Hafen der Habsburgermonarchie sei in den Palazzi und grosszügigen Plätzen bis heute sichtbar.

«Genau diese Mischung macht Triest zu einem echten Geheimtipp unter den grossen Hafenstädten Europas.» Joel Lendenmann setzt Kotor in Montenegro auf seine Liste der unterschätzten Ziele.

Schon die Anfahrt sei spektakulär: «Die Bucht erinnert mit ihrer Landschaft stark an einen norwegischen Fjord.» Das Schiff fährt tief in die Bucht hinein. Nach dem Anlegen sind es nur wenige Schritte bis in die historische Altstadt.

Kotor
Schon die Einfahrt durch die fjordähnliche Bucht macht Kotor zum Erlebnis. Für Cruise-Expert-Gründer Joel Lendenmann ist die montenegrinische Hafenstadt unterschätzt. - Adobe Stock

Bei Sven Hetzler landet Stockholm auf Platz eins der unterschätzten Hafenstädte. Dabei beginnt das Erlebnis lange vor dem Landgang. Die Fahrt durch die Schärenlandschaft gleicht einer Slalomfahrt in traumhafter Landschaft.

Sein Tipp für Kreuzfahrtgäste ist entsprechend klar: Früh aufstehen und die Einfahrt keinesfalls verschlafen. Dario Cremona bricht derweil eine Lanze für Mallorca. Die Insel werde noch immer stark mit Massentourismus und Ballermann verbunden.

Dass sie ganz andere Seiten hat, erlebte er bei einem Landausflug. «Mit der alten Eisenbahn sind wir gediegen nach Sóller gefahren und anschliessend mit der Strassenbahn nach Puerto Sóller. Beides wunderbare Städtchen mit einer sehr entspannten Atmosphäre.»

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Marlise Eijking wiederum hält Oslo für unterschätzt. Sie schwärmt von der Fjordeinfahrt und der zentralen Lage der Schiffe. Ponant liege dort häufig direkt mit Blick auf die Oper. «Auch unabhängig vom Hafen ist Oslo im Sommer für mich schlicht eine coole Stadt», so Eijking.

Wenn der Ruf nicht zur Realität passt

Bei der Frage nach enttäuschenden Hafenstädten gehen die Meinungen stärker auseinander. Und teilweise drehen die Kreuzfahrt-Profis die Fragestellung kurzerhand um.

Sascha List nennt Marseille als Stadt, bei der viel von den Erwartungen abhängt. Wer eine perfekte Postkartenkulisse suche, könne enttäuscht werden. Wer dagegen authentisches Hafenleben, Geschichte und kulturelle Vielfalt schätze, entdecke einen ganz eigenen Charme.

Auch Dario Cremona findet, dass Marseille besser ist als sein Ruf. Er verweist unter anderem auf aufstrebende Viertel wie Le Panier.

Dasselbe gelte für Genua mit seiner Altstadt und den kulinarischen Erlebnissen. Sowie für Le Havre, das sich als Ausgangspunkt für Ausflüge nach Étretat oder Honfleur anbietet. «Oft gerät in Vergessenheit, wie unglaublich vielseitig diese Hafenstädte eigentlich sind.»

Sven Hetzler nutzt die Frage ebenfalls, um mit einem schlechten Ruf aufzuräumen. Neapel habe diesen aus seiner Sicht keineswegs verdient. Zwar seien die Strassen voller Motorroller und hupender Autos.

«Aber hier kann man Italien ganz aufsaugen. Mit den wunderschönen verzweigten Gassen, dem fantastischen Essen und der authentischen Atmosphäre», so Hetzler. Auch den Ruf, Neapel sei besonders dreckig, könne er nicht bestätigen.

Dazu kommen für den Schweiz-Chef von MSC Cruises die Ausflugsmöglichkeiten nach Pompeji, zum Vesuv, nach Herculaneum, Sorrent, Capri oder Ischia. Und die Tatsache, dass Kreuzfahrtgäste vom Anleger in wenigen Schritten mitten in der Stadt stehen.

Le Havre
Le Havre steht bei Kreuzfahrtgästen nicht immer ganz oben auf der Wunschliste. Dario Cremona verweist jedoch auf die Vielseitigkeit und attraktive Ausflugsziele wie Étretat und Honfleur. - Adobe Stock

Eine echte Enttäuschung nennt Joel Lendenmann: Civitavecchia. Das Problem sei weniger der Ort selbst als seine Funktion als Kreuzfahrthafen für Rom. Der Transfer in die italienische Hauptstadt sei während der oft kurzen Liegezeiten aufwendig.

Civitavecchia selbst bietet aus seiner Sicht vergleichsweise wenig. «Besonders wenn man wie ich schon gefühlt 50 Mal da war», sagt Lendenmann.

Bei Marlise Eijking fällt der Blick auf Barcelona. Die katalanische Metropole sei nach wie vor eine Reise wert, sagt sie, allerdings müsse man mit den enormen Besucherzahlen leben.

Die Antworten der fünf Kreuzfahrt-Profis zeigen: Die perfekte Hafenstadt gibt es nicht. Für die einen zählt eine spektakuläre Naturkulisse. Für andere eine weltberühmte Skyline, die zentrale Lage des Hafens oder die Atmosphäre in den Gassen unmittelbar nach dem Landgang.

Hinweis: Dieser Artikel wurde zuerst auf «Travelnews.ch» publiziert.

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