Zukunftsfähige Schulen brauchen keine kleineren Klassen

Clarita Kunz
Clarita Kunz

Zürich,

Ein grosser Teil der Schwierigkeiten würden von den Schulen selbst erzeugt, findet unsere Kolumnistin Clarita Kunz.

Clarita Kunz
Clarita Kunz schreibt regelmässig Kolumnen auf Nau.ch. - zvg

Das Wichtigste in Kürze

  • Clarita Kunz ist Lehrerin, Sonderpädagogin, Inklusionsexpertin und Autorin.
  • Auf Nau.ch schreibt sie regelmässig Kolumnen.

Die Zunahme schwerwiegender Lernstörungen stellt Schulen weltweit vor ein Rätsel. Ein Teil der Konzentrationsstörungen lässt sich eindeutig auf übermässigen Medienkonsum zurückführen.

Eine Analyse des heutigen Unterrichts ergibt aber, dass ein grosser Teil der Schwierigkeiten von den Schulen selbst erzeugt wird. Besonders der Gleichtakt-Unterricht wirkt sich negativ auf die Leistungsbereitschaft der Lernenden aus.

«Im Kern hat sich wenig verändert»

Obwohl oft behauptet wird, der Unterricht sei heute ganz anders als früher, zeigt eine genaue Betrachtung: Im Kern hat sich wenig verändert. Lehrpersonen bestimmen weiterhin, was zu welchem Zeitpunkt gelernt werden muss und wann zu welchem Thema eine Prüfung geschrieben wird.

Gerade in den für den beruflichen Weg entscheidenden beiden Fächern Deutsch und Mathematik sind die Auswirkungen dieses überholten Vorgehens fatal.

Schüler übt Handschrift
Übung macht den Meister - auch in der Schule. - keystone

Dass in Geografie Flüsse und Kantonshauptstädte auswendig gelernt werden müssen oder Lernende dazu gezwungen werden, Vorträge über die kulturelle Bedeutung des «Chalandamarz» zu hören, ist unproblematisch.

Doch wenn sie in Mathematik Prüfungen zu Themen schreiben müssen, zu denen ihnen das notwendige Vorwissen fehlt, entstehen schwerwiegende Nachteile.

Sonderpädagogische Massnahmen greifen nicht

Ein Beispiel: Die Lehrerin kündigt in einer dritten Klasse eine Prüfung zum Thema «Division im Zahlenraum von 0 bis 1000» an. Schon bei der Bekanntgabe ist klar, dass jene Kinder, die das Einmaleins noch nicht automatisiert haben, viele Fehler machen werden.

Schulische Heilpädagog:innnen werden herbeigezogen, um diesen Kindern zu helfen. Doch sie müssen ernüchtert feststellen, dass dieselben Kinder bei der nächsten Prüfung erneut versagen.

Machen kleinere Klassen in Schulen Sinn?

Es müsste endlich eingestanden werden: Die sonderpädagogischen Massnahmen, die die Probleme lösen sollen, greifen nicht. Auch der enorme finanzielle Aufwand und das Heer von zusätzlichem Betreuungspersonal ändern wenig an dieser Tatsache.

Auch kleinere Klassen würden die Probleme nicht lösen, solange der Gleichschritt-Unterricht beibehalten wird.

Drei Herausforderungen

Schulen stehen aktuell vor drei Herausforderungen:

Erstens vor der zunehmenden Heterogenität der Kompetenzen.

Zweitens vor der Tatsache, dass Lernende zu wenig leisten.

Und drittens vor unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen.

Schulen haben ein doppeltes Erkenntnisproblem

Schulen erkennen zwar das Ausmass der Probleme, verstehen aber weder, wie sie zustande kommen, noch weshalb diese trotz einer Flut von Reformen seit Jahrzehnten anhalten.

Interessant ist, dass Montessori-Schulen diese Probleme kaum kennen – und Lernende sehr wenig sonderpädagogische Massnahmen brauchen, auch 25 Kinder in einer Klasse sind.

Sie haben erkannt: Schülerinnen und Schüler sind viel selbständiger, als oft angenommen wird.

Zur Person:

Clarita Kunz ist erfahrene Lehrerin/Sonderpädagogin, Inklusionsexpertin, Referentin und Autorin von «Schule als Leistungsbremse»

Schon Vierjährige spielen und arbeiten ihrem individuellen Tempo entsprechend selbstbestimmt und von ihrem jeweiligen Lernstand aus motivierter, mehr und schneller, als wenn die Lehrperson ihnen dauernd Vorgaben macht.

Damit sind alle im Schulumfeld Beteiligten entlastet. Auch die Lehrpersonen: Sie haben mehr Zeit für einzelne Kinder.

Die Montessori-Methode schafft es, dass Kinder den Bildungshunger nicht verlieren und solche, die ihn verloren haben, wieder zum Lernen zu motivieren. Da sie – im Unterschied zu den «Rudolf Steiner»- oder Waldorf-Schulen – keinerlei Dogma unterliegen, könnten staatliche Schulen dieses Unterrichtsmodell schon morgen übernehmen.

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Kommentare

User #4995 (nicht angemeldet)

Wir waren in der 2 Klasse 43 Kinder und wir gehorchten....

User #3922 (nicht angemeldet)

Das sage ich die > 25 vergangenen Jahre, warnte eindeutig. Und, wenn ich dann, heute, das, sehe, mittlerweile v. weit aussen: k.K.

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