Wo Menschen zusammenkommen entstehen Unstimmigkeiten – auch im Job. Worauf Sie bei offenen und passiv aggressiven Konflikten am Arbeitsplatz achten müssen.
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Wenn's im Job zu Spannungen kommt. Kollegen und Vorgesetzte machen einem das Leben schwer. - iStock

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei der Arbeit kommt es immer wieder zu Konflikten mit schwierigen Chefs und Kollegen.
  • Der Leidensdruck kann hoch sein und die Gesundheit beeinträchtigen.
  • Beachten Sie ein paar wichtige Grundsätze, um die Situation in Griff zu bekommen.

Leiden Sie unter einem manipulativen Chef? Werden Sie von einer Kollegin ständig übergangen? Ihre Wut kocht hoch?

Sie sind nicht allein. Der Arbeitsplatz ist dafür prädestiniert, Interessenskonflikte hervorzubringen. Auch wenn vordergründig alle am selben Ziel arbeiten, verfolgt manch einer seine eigene Agenda.

Immer wieder werden vielversprechende Karrieren frühzeitig beendet, weil das Arbeitsklima schlecht ist. Zwischenmenschliche Spannungen müssen jedoch nicht immer mit der Kündigung enden. Auch ist es möglich, die Situation in Griff zu bekommen.

In diesem Artikel finden Sie ein paar wichtige Grundsätze und Handlungsstrategien, wenn Sie sich gerade in einer ähnlichen Situation befinden.

«Wer sich enerviert, verliert»

Dies sollte Ihr Leitsatz sein, wenn bei Ihnen an der Arbeit die Fetzen fliegen. Bewahren Sie Contenance – koste es was es wolle.

Bleiben Sie äusserlich cool, auch wenn es in Ihnen brodelt. Beissen Sie sich lieber einmal mehr auf die Zunge oder verlassen Sie den Raum.

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Bewahren Sie stoische Ruhe. Zeigen Sie Ihr unerschütterlichstes Äusseres. - Pexels

Emotionale (Über-)Reaktionen sind nahezu immer unnötig und führen nicht zum gewünschten Ziel – auch wenn sie grundsätzlich berechtigt wären.

Im Gegenteil: Schnell wird Ihnen Ihr Aufbrausen als Peinlichkeit oder Schwäche ausgelegt.

Bleiben Sie daher stets professionell und fokussieren Sie sich bei Ihren Äusserungen auf die Sache. Den Kindergarten überlassen Sie den Hitzköpfen.

Werden Sie zum «Zuschauer»

Apropos Kindergarten: Werden Konflikte offen ausgetragen oder auf die persönliche Ebene gezogen, werden Sie zum «Zuschauer».

Überlassen Sie die Bühne den Streithähnen und geniessen Sie das Spektakel in der vordersten Reihe – mit Popcorn.

Auf keinen Fall lassen Sie sich auf die Bühne ziehen. Auf keinen Fall lassen Sie sich ein, auf das «naive Spiel».

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Geniessen Sie das «Kasperlitheater» aus der ersten Reihe. Die Bühne überlassen Sie den andern. - Pexels

Sollten Sie direkt angesprochen werden, bleiben Sie sachlich. Sprechen Sie ruhig, gerne auch etwas langsamer. Bestimmt und in kurzen Sätzen. Das hilft.

Aggressionen ins Leere schlagen lassen

Erwidern Sie Aggression nicht mit Aggression. Auch wenn es verlockend wäre, auch wenn Sie denken, dass Ihnen diese Reaktion zusteht.

Seien Sie die Person im Raum, die Stil bewahrt. Lassen Sie die Zornes-Attacken ihres cholerischen Arbeitskollegen wirkungslos ins Leere schlagen.

So macht dieser die Lernerfahrung, dass sein aufbrausendes Verhalten zu nichts führt – immer und immer wieder.

Bewahren Sie Augenkontakt. Lassen Sie das Ihnen an den Kopf Geworfene einen Moment in der Luft stehen, bevor Sie wiederum sachlich und ruhig antworten.

Bleiben Sie anständig. Das hat nichts mit Arschkriecherei zu tun. Sie spielen nur in einer anderen Liga.

Contenance Job Bewahren
Sie spielen in einer anderen Liga. Professionell, sachbezogen, lösungsorientiert. - Pexels

Sind Anwesende im Raum können Sie sich der Bewunderung Ihrer Kollegen gewiss sein: «Wow, wie du in dieser Situation kühlen Kopf bewahrt hast! Das hätte ich so niemals geschafft.»

Richtig, Sie verschaffen sich Respekt.

Bei Grenzüberschreitungen unter der Gürtellinie sowie persönlichen Beleidigungen müssen Sie klare Grenzen setzen.

Sagen Sie mit glasklarer Stimme und für alle hörbar: «Hey! Was Sie gerade gesagt haben missfällt mir zutiefst. Tun Sie das nie wieder.»

Gesundheit geht vor

Suchen Sie professionelle Hilfe auf, wenn die Situation so belastend ist, dass Sie körperliche Symptome bei sich wahrnehmen.

Wenn Sie merken, dass Ihr Schlaf, Ihre Verdauung oder Ihre Stimmung gestört sind, besteht dringender Handlungsbedarf. Niemandem ist geholfen, wenn Sie zusammenbrechen.

Kündigen Sie, bevor es zu spät ist oder planen Sie Ihre Kündigung mittelfristig.

Ihre Meinung ist gefragt!

Was sind Ihre Erfahrungen zum Thema? Wie gehen Sie mit schwierigen Vorgesetzten und zwischenmenschlichem Stress im Job um? Teilen Sie Ihre Tipps und Eindrücke in den Kommentaren.

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Artikel verfasst von Lucas Zehnder

Bewerbungsschreiben Lucas Zehnder
Lucas Zehnder ist Personalberater und Sozialpsychologe - zVg

Lucas Zehnder (38) vermittelt und coacht seit 2012 Fach- und Führungskräften jeder Stufe und blickt hinter die Kulissen der Job-Welt.

Seit 2019 unterhält er seinen Youtube-Kanal «Lucas Training» rund um Bewerbung, Job und Karriere mit bereits über 150 Videos.

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