Gesundheit Aargau: Verschwitzt in den kühlen Zug - Risiko?
Kalter Schweiss, kühle Klimaanlage, kratzender Hals. Wer im Sommer in den öffentlichen Verkehr steigt, fürchtet den Infekt. Doch ist das wirklich so?

Das Wichtigste in Kürze
- In den kühlen Zug, Bus oder die Tram zu steigen, ist nicht so schlimm, wie man vermutet.
- Nicht die Zugluft, sondern Viren sorgen dafür, dass man krank wird.
- Zu wenig Abstand führt meistens zur Erkältung.
Der Sprint zum Perron, dann die Türe, dann ein Schwall kühler Luft aus der Klimaanlage. Wer im Sommer verschwitzt in Bus, Tram oder Zug steigt, kennt dieses plötzliche Frösteln im Nacken. Das nasse Shirt klebt am Rücken, die Haut kühlt rasch aus und nach zwei Stationen fühlt man sich völlig ausgelaugt.
Die Angst vor einer Erkältung ist gross. Ob dieser Zusammenhang wirklich besteht, ist medizinisch allerdings weniger eindeutig.
Warum der kalte Schweiss so unangenehm ist
Schweiss kühlt den Körper, indem er auf der Haut verdunstet und dabei Wärme abführt. In einem klimatisierten Wagen läuft dieser Vorgang einfach weiter, obwohl die Umgebung längst kühl genug wäre.

Die Verdunstung entzieht dem Körper deshalb mehr Wärme als nötig, besonders wenn kalte Luft direkt aus einer Lüftungsdüse auf den Rücken trifft. Wir frösteln schnell und ein verspannter Nacken kann die Folge sein.
Die Kälte muss aber nicht zwangsläufig krank machen. Für den Körper ist es in jedem Fall unangenehm, von der heissen Temperatur direkt ins Kühle zu kommen.
Kälte allein löst keine Erkältung aus
Eine Erkältung entsteht durch Viren, meist durch Rhinoviren, die über Tröpfchen oder über die Hände auf die Schleimhäute von Nase und Rachen gelangen.
Ohne diese Erreger gibt es keinen Infekt, ganz unabhängig davon, wie kühl die Klimaanlage im Fahrzeug eingestellt ist. Kälte kann jedoch die Abwehr im Nasen- und Rachenraum kurzfristig schwächen.

Sinkt die Temperatur der Schleimhaut, arbeiten die Flimmerhärchen langsamer und die Durchblutung des Gewebes nimmt ab.
Viren finden dann etwas günstigere Bedingungen vor, sofern sie im Fahrzeug überhaupt vorhanden sind. Der verschwitzte Rücken im kühlen Wagen ist also niemals der alleinige Auslöser einer Erkältung.
Heisse Sommer, kühle Verkehrsmittel
Das Thema gewinnt an Bedeutung, weil die Temperatursprünge zwischen Strasse und Fahrzeug im Sommer immer öfter auftreten. Wie das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz 2025 in Klimaszenarien festhält, wird die Hitze hierzulande messbar extremer.

An den Messstationen Zürich, Genf, Basel und Bern stieg die höchste jährliche Tagesmaximumtemperatur zwischen 1901 und 2024 um 3,4 Grad Celsius. Auch die Zahl der Hitzetage hat deutlich zugenommen.
Auch im Sommer sind Viren unterwegs
Atemwegsviren verschwinden in der warmen Jahreszeit nicht, sie zirkulieren lediglich seltener und deutlich weniger auffällig.
Wie das Bundesamt für Gesundheit in seinem Jahresbericht zu den respiratorischen Viren von 2025 ausweist, wurden rund zwei Prozent aller gemeldeten Influenzafälle ausserhalb der Grippesaison registriert.

Den Höhepunkt erreichte die Grippewelle Ende Januar mit 35 Meldungen pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Wer im Juli mit Halsweh im Bett liegt, hat sich also nicht am kalten Sitz angesteckt, sondern bei einem anderen Menschen. Ein Sommerschnupfen ist damit weder Einbildung noch eine Strafe für die Fahrt im gekühlten Wagen.
Viele Menschen, wenig Abstand
Im öffentlichen Verkehr treffen täglich sehr viele Personen auf engem Raum aufeinander, und genau darin liegt das eigentliche Risiko.

Wer im Pendlerverkehr steht, teilt sich Haltestangen, Türknöpfe und Armlehnen mit zahlreichen anderen Fahrgästen. Hustet jemand in der Nähe, gelangen Tröpfchen in die Luft und können schnell zur Infektion führen.
Für das Ansteckungsrisiko wiegt dieser enge Kontakt deutlich schwerer als die eingestellte Temperatur der Klimaanlage. Handhygiene kann hier auch noch viel bringen.
Was im Alltag wirklich hilft
Ein trockenes Wechselshirt im Rucksack kann schnell zur Lösung werden. Eine dünne Jacke oder ein leichtes Tuch schützt den Nacken und die Schultern vor der direkten Zugluft.
Wer nach dem Velo oder dem Fussmarsch kurz im Schatten wartet, steigt merklich weniger erhitzt in den Wagen ein.

Wer bereits krank ist, hustet in die Armbeuge und bleibt im Idealfall gleich zu Hause. Der kühle Wagen macht aus einem verschwitzten Rücken also keinen Infekt, auch wenn er den Körper kurzfristig fordert.















