Gesundheit Aargau: Wenn die anhaltende Hitze aufs Gemüt schlägt
Nach der nächsten Hitzenacht schlägt schnell das Gemüt um. Was gegen die Wärme wirklich hilft, ist simpel und einfach.

Das Wichtigste in Kürze
- Anhaltende Hitze belastet nicht nur den Kreislauf, sondern auch die Stimmung und Psyche.
- Kühle Nächte, ein anderer Tagesrhythmus und genug Flüssigkeit federn das spürbar ab.
- Werden Symptome heftiger, empfiehlt es sich, ärztlichen Rat einzuholen.
Verschwitzte Nächte, träge Tage und eine kurze Zündschnur gehören für viele hierzulande mittlerweile zum Hochsommer dazu. Wer nach der dritten Tropennacht gereizt reagiert, hält das oft für eine persönliche Schwäche.
Dahinter steckt jedoch ein körperlicher Vorgang, der sich erklären und mit einfachen Mitteln abfedern lässt. Bei hohen Temperaturen arbeitet der Kreislauf rund um die Uhr gegen die Erwärmung an.
Die Blutgefässe weiten sich, der Puls steigt, und über die Haut geht laufend Flüssigkeit verloren. Diese Dauerregulation kostet Energie, die dem Körper an anderer Stelle fehlt. Konzentration, Geduld und Antrieb geben deshalb meist als Erstes nach.
Kommt eine kurze, unruhige Nacht dazu, verstärkt sich der Effekt am folgenden Tag spürbar.
Gesundheit Aargau: Fast die Hälfte fühlt sich bei Hitze belastet
Wie verbreitet das Problem ist, zeigt eine Erhebung im Auftrag von Bundesamt für Gesundheit und Bundesamt für Umwelt. Im Sommer 2023 befragte das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut 1800 Personen ab 50 Jahren zu ihrer Hitzekompetenz. Denn: Der Sommer 2023 lag insgesamt 1,6 Grad über der Norm.
Etwa die Hälfte empfand die Hitze als belastend und als Risiko für die eigene Gesundheit. Fast alle Befragten gaben an, sie wüssten sich bei Hitze zu schützen. Genannt wurden dann vor allem «viel trinken» und «kühle Orte aufsuchen».
Ein Drittel der besonders gefährdeten Gruppe – also Menschen über 75 Jahre und solche mit chronischen Erkrankungen – unterschätzte das eigene Gesundheitsrisiko jedoch.

In der Deutschschweiz empfanden 45 Prozent der Befragten die Hitze als sehr oder ziemlich belastend, in der Westschweiz waren es 64 Prozent und im Tessin 65 Prozent. Rund acht Prozent sprachen wegen der Hitze mit einer Gesundheitsfachperson, bei chronisch Kranken lag dieser Anteil bei 16 Prozent.
Der aktuelle Sommer übertrifft laut «MeteoSchweiz» 2023 deutlich. Der Juni 2026 lag 3,5 Grad über der Norm. Der Juli mit 3,2 Grad Abweichung war der wärmste seit Messbeginn 1864.
Auch die Psyche steht unter Druck
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hält in seinem Gefährdungsdossier zur Hitzewelle von 2026 fest, dass sich die Hitzebelastung nicht nur körperlich auswirkt. Hohe Temperaturen stehen laut diesem Dossier im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Spitaleintritte aufgrund psychischer Erkrankungen.

Zusätzlich steige die Zahl der Verkehrs- und Arbeitsunfälle, weil die grosse Hitze Konzentration und Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Bestehende Beschwerden wie Depressionen oder Angststörungen können sich während einer langen Hitzeperiode verstärken.
Auch Medikamente spielen eine Rolle, denn gewisse Wirkstoffe stören die Temperaturregulation des Körpers. Wer im August also dünnhäutiger reagiert als im Frühling, befindet sich in sehr grosser Gesellschaft. Die gute Nachricht lautet, dass sich ein grosser Teil dieser Belastung mit Verhalten und Tagesplanung beeinflussen lässt.
In der Nacht besser schlafen
Zum Einschlafen senkt der Körper seine Kerntemperatur um etwa ein halbes bis ein ganzes Grad ab. Bleibt das Schlafzimmer zu warm, gelingt diese Absenkung nur teilweise, und der Tiefschlaf verkürzt sich messbar.
Deshalb lohnt sich Konsequenz beim Lüften: tagsüber Fenster und Läden schliessen, dafür nachts oder früh am Morgen kräftig durchlüften. Genau diese Kombination nannten in der erwähnten Befragung nur wenige Personen, obwohl sie im Alltag wenig Aufwand bedeutet.

Leichte Baumwolle statt schwerer Duvets, ein kühles Fussbad vor dem Zubettgehen und ein feuchtes Tuch im Zimmer helfen zusätzlich. Elektronische Geräte im Schlafzimmer geben Wärme ab und gehören für diese Wochen an einen anderen Ort.
Wer schlecht schläft, sollte den nächsten Tag bewusst entlasten statt ihn mit Koffein zu überbrücken.
Den Tag anders takten und richtig trinken
Anspruchsvolle Aufgaben gehören in die Morgenstunden, denn zwischen elf und 16 Uhr fällt konzentriertes Arbeiten den meisten Menschen ohnehin schwer. Routinearbeiten passen deutlich besser in diese heissen Stunden, und Sport verschiebt man am besten auf den frühen Morgen oder den späten Abend.

Termine, die sich verschieben lassen, dürfen im Hochsommer auch einmal warten. Zwei bis drei Liter Wasser oder ungesüsster Tee pro Tag sind bei anhaltender Hitze keine Übertreibung. Alkohol und stark gezuckerte Getränke belasten den Kreislauf zusätzlich und verschlechtern die ohnehin knappe Nachtruhe.
Leichte Mahlzeiten mit Gemüse, Früchten und etwas Salz sind sinnvoller als ein schwerer Teller am Mittag. Wer regelmässig Medikamente einnimmt, klärt die Dosierung während der heissen Wochen am besten mit der Ärztin oder dem Apotheker ab.
Kühle Orte, weniger Reize, mehr Aufmerksamkeit
Nicht jede Wohnung lässt sich herunterkühlen, umso wichtiger sind planbare Ausweichorte im Alltag. Wald, Uferwege, Kirchen, Bibliotheken, Museen oder ein Einkaufszentrum senken die Körpertemperatur und heben die Stimmung oft mehr als jeder gute Vorsatz.

Hitze macht ausserdem empfindlich für alles, was zusätzlich reizt: Lärm, volle Züge, Bildschirme am späten Abend und einen dichten Terminkalender. Eine bewusste Pause ohne Handy bringt an solchen Tagen mehr als eine weitere Folge einer Serie.
Wer Ferien plant, wählt im Hochsommer besser eine kühlere Höhenlage als ein Ziel im Süden. Und schliesslich lohnt sich der Blick auf andere, denn alleinlebende ältere Menschen melden sich selten von sich aus. Ein kurzer Anruf am Abend oder ein Besuch mit einer Flasche Wasser kostet wenig und wirkt viel.
Wann mehr dahinterstecken kann
Gereiztheit und Müdigkeit verschwinden bei den meisten Menschen, sobald die Temperaturen wieder sinken und der Schlaf besser wird. Halten Niedergeschlagenheit, Schlaflosigkeit oder Angst dagegen über Wochen an, handelt es sich um ein anderes Thema.

Dann lohnt sich ein Gespräch mit der Hausärztin oder mit einer psychologischen Fachperson. Hitze kann bestehende Beschwerden verstärken, sie erklärt aber nicht jede Verstimmung und ersetzt keine Abklärung. Diese Unterscheidung ernst zu nehmen, ist am Ende vielleicht der wichtigste Tipp von allen.








