Berner Starkoch Mosimann: Über 50 Briefe von König Charles erhalten

    Redaktion
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    Nidau,

    Er kochte für die Queen, Politiker, Stars und hat Wurzeln in Nidau. Anton Mosimann spricht über harte Lehrjahre, royale Anekdoten und sein neues Herzensprojekt.

    Anton Mosimann Queen
    Anton Mosimann erhebt sein Glas auf Queen Elisabeth II. - zVg//The Mosimann Collection

    Das Wichtigste in Kürze

    • Anton Mosimann ist einer der bekanntesten Köche der Welt.
    • Der gebürtige Nidauer hat für Königinnen, Präsidenten und Premierminister gekocht.
    • Mittlerweile ist der 79-Jährige zurück in der Schweiz und hat ein neues Herzensprojekt.

    BärnerBär: Sie sind in Nidau aufgewachsen – welche Rolle spielt die Region Bern heute noch in Ihrem Leben?

    Anton Mosimann: Ich komme immer sehr gerne zurück. Bern ist meine Heimat, sie hat mich geprägt. Ich verbinde viele schöne Erinnerungen damit und treffe immer wieder Schulkollegen, die die Gegend nie verlassen haben.

    BärnerBär: Gibt es kulinarische Einflüsse aus Ihrer Jugend in der Region Bern, die Ihre Küche bis heute prägen?

    Mosimann: Sehr viele. Ich bin im Restaurant Grütli in Nidau aufgewachsen, einer klassischen Arbeiterbeiz. Ich ging oft mit meinem Vater auf den Markt. Wir haben einfach gekocht, aber genau dort habe ich gelernt, was lokal und saisonal bedeutet. Später in der Lehre in Twann habe ich die Fische aus dem Bielersee kennengelernt – alles frisch, alles aus erster Hand. Das war eine unglaublich wichtige Erfahrung und hat meinen Weg vorgezeichnet. Es sind Werte, die heute von vielen Köchinnen und Köchen wieder stark betont werden und prägend waren für meine eigene «Cuisine naturelle».

    Anton Mosimann Koch
    Anton Mosimanns neuestes Herzensprojekt kann in Le Bouveret besucht werden. - zVg//The Mosimann Collection

    BärnerBär: Wie oft kehren Sie nach Bern zurück, und haben Sie hier Lieblingsorte oder -restaurants?

    Mosimann: Früher bin ich oft in die Harmonie in der Stadt Bern gegangen – für traditionelle Gerichte wie Kutteln oder Kalbskopf. Das war richtig urchig. Und natürlich der Bären in Twann für die Eglifilets, wo ich meine strenge Lehre gemacht habe. Es war hart, aber es hat sich ausbezahlt.

    BärnerBär: Ihr Werdegang ist beeindruckend – Wie ging es nach der Lehre weiter?

    Mosimann: Mein Lehrmeister wollte mich wie alle anderen nach Arosa schicken. Aber ich habe mich mit 17 bewusst anders entschieden und ging ins Palace nach Villars. Das war eine meiner besten Entscheidungen. Danach folgten Stationen in der Schweiz und international, unter anderem an den Weltausstellungen in Montreal und Japan. Japan war auch privat prägend, weil ich im Flugzeug meine Frau Kathrin kennengelernt habe. Später kam ich ins Dorchester Hotel in London, wo ich mit einer Brigade mit über 130 Köchen arbeitete. Queen Mum war regelmässig zu Gast und liess nach meinen Besuchen jeweils meine Rezepte anfordern. Meine leichtere, butterfreie war damals neu für London.

    BärnerBär: Nach Ihrer Zeit im Hotel haben Sie sich selbstständig gemacht. Was war Ihnen dabei wichtig?

    Mosimann: Nach 15 Jahren im Dorchester Hotel hatte ich Angebote aus der ganzen Welt. Ich wollte unabhängiger sein und habe in London meinen eigenen Privat Club in einer Kirche aus dem Jahr 1820 gegründet. Dafür habe ich meine zwei Michelin-Sterne zurückgegeben, konnte aber mehr reisen, in über 80 Städten kochen und meine Philosophie leben. Heute führen meine Söhne den Betrieb weiter.

    Mosimann Princess Diana
    Anton Mosimann begrüsst Prinzessin Diana. - zVg//The Mosimann Collection

    BärnerBär: Sie haben später für das britische Königshaus gekocht – wie unterscheidet sich das vom Alltag in einem Spitzenrestaurant?

    Mosimann: Die Präzision und Diskretion sind noch wichtiger. Es geht nicht nur um das Essen, sondern auch um Protokoll, Timing und das Gesamtbild. Die Qualität bleibt aber immer das Wichtigste.

    BärnerBär: Haben Sie bei offiziellen Anlässen auch Schweizer oder sogar Berner Spezialitäten eingebracht?

    Mosimann: Ja, immer wieder. Ich habe zum Beispiel Rösti serviert, das kam sehr gut an. Auch der Swiss Club in London war regelmässig bei uns. Als Koch nimmt man von all seinen Stationen etwas mit.

    BärnerBär: Gibt es eine besondere Anekdote aus Ihrer Zeit im königlichen Umfeld, die Sie mit uns teilen können?

    Mosimann: Ich habe über 40 Jahre für insgesamt vier Generationen der britischen Königsfamilie gekocht – für Queen Mum, Elizabeth II, Charles III und viele Staatsgäste, zuletzt noch an der Hochzeit von Prinz William und Kate. Besonders eindrücklich war die persönliche Wertschätzung – ich habe über 50 Briefe von König Charles erhalten, viele handgeschrieben. Charles hat aus meiner Sicht enorm viel gearbeitet und wurde oft unterschätzt.

    Mosimann Charles Hurley
    Anton Mosimann mit König Charles (damals noch Prinz) und der Schauspielerin Liz Hurley. - zVg//The Mosimann Collection

    BärnerBär: Welche Ereignisse sind Ihnen sonst noch in Erinnerung geblieben?

    Mosimann: Es sind viele kleine Momente. Ich habe sieben britische Premierminister bekocht und unzählige Staatsoberhäupter. In der Downing Street durfte ich erstmals kochen, als Margaret Thatcher François Mitterrand empfing. Ihr Kommentar nach dem Dinner war ganz ihrem Ruf entsprechend: «very good – but very expensive».

    Thatcher Anton Mosimann
    Immer aufs Budget bedacht: Margaret Thatcher. - zVg/The Mosimann Collection

    BärnerBär: Als Sie sich aus England verabschiedeten, war zu lesen, dass der letzte «Gentleman-Chef» Adieu sagt. Was war damit gemeint?

    Mosimann: Ich war immer positiv und motiviert und habe nie geflucht in der Küche. Für mich gehörte das nie zum Beruf. Im Dorchester Hotel hatte ich es als junger «Auswärtiger» anfangs beispielsweise schwer. Ich habe deshalb jedem der 130 Köche täglich die Hand gegeben, nach ihrem Wohlbefinden gefragt und mit denen einen Kaffee getrunken, die nicht zurückgegrüsst haben. Ich habe in dieser Zeit viel Kaffee getrunken, wurde danach aber akzeptiert und respektiert.

    BärnerBär: In England hat man Sie noch nicht vergessen. Sie wurden Anfang April als «Swiss British Legend» ausgezeichnet – was bedeutet Ihnen das?

    Mosimann: Das ist eine grosse Ehre für mich. Zumal ich im gleichen Atemzug mit César Ritz genannt wurde – eine der ganz grossen Persönlichkeiten der Schweizer Hotellerie.

    BärnerBär: Mosimann’s Club haben Sie zwar an ihre Söhne übergeben, von Ruhestand kann aber keine Rede sein. Ihr neues Herzensprojekt ist Ihre Sammlung in Le Bouveret, die Ihr Lebenswerk zeigt. Warum war es Ihnen wichtig, diese öffentlich zugänglich zu machen?

    Mosimann: Ich kenne das Wort Ruhestand tatsächlich nicht. Ich reise heute etwas mehr zum Vergnügen, zuletzt nach Costa Rica, möchte aber vor allem meine Erfahrungen weitergeben. In der Sammlung steckt mein ganzes Leben – Geschichten, Erinnerungen und Inspiration für die nächste Generation.

    BärnerBär: Ist die «Mosimann Collection» in der Ritz-Hotelfachschule eher Museum, Archiv oder Inspirationsort?

    Mosimann: Ganz klar ein Ort der Inspiration. Ich habe meine 50 Goldmedaillen gewonnen und ausgestellt, dazu rund 6000 Kochbücher – einige über 500 Jahre alt – und etwa 30'000 Menüs, darunter eines von 1737. Ich arbeite dort auch mit Studierenden, koche mit ihnen und erzähle aus meinem Leben.

    The Mosimann Collection
    Anton Mosimann führt durch The Mosimann Collection in Le Bouveret. - zVg/travelistas.info

    BärnerBär: Wie wichtig ist Ihnen die Arbeit mit jungen Talenten?

    Mosimann: Sehr wichtig. Ich möchte motivieren und zeigen, wie schön dieser Beruf ist. Die Sonne scheint nicht immer, aber man muss dranbleiben.

    BärnerBär: Was sollen Besucher konkret aus der Mosimann Collection mitnehmen?

    Mosimann: Die Sammlung ist einzigartig. Sie zeigt die Geschichte der Kulinarik und auch viele Stationen meines Lebens. Mir ist wichtig, dass die Besucher nicht nur Wissen fürs Gastgewerbe mitnehmen, sondern auch ein Verständnis für die Bedeutung der Kulinarik.

    BärnerBär: Sie sind mittlerweile 79, haben aber immer noch einen vollen Terminkalender. Was motiviert Sie nach so vielen Jahren im Geschäft immer noch?

    Mosimann: Ich hatte noch nie einen schlechten Tag in meinem Leben. Ich bin immer positiv geblieben und liebe, was ich tue.

    Kommentare

    User #1462 (nicht angemeldet)

    50 Briefe ? Schade um Papier und Tinte

    User #2109 (nicht angemeldet)

    Das ist eine glatte Lüge! Zu jener Zeit, als Charles noch diesen Auftrag zu erfüllen hatte, da war er immer noch Prinz! NICHT KÖNIG! Das wurde er erst Jaahre später! Also vollkommen falscher Titel.

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