Plus-Size-Model: «...dann bin ich die Zicke vom Dienst»

    Stella Kizildag
    Stella Kizildag

    Zürich,

    Unsere Kolumnistin und Plus-Size-Model-Stella schreibt heute über kurvige Frauen in Führungsetagen. Und weshalb sie das Wörtchen «Sympathisch» nicht mehr mag.

    Stella
    Unsere Kolumnistin arbeitet erfolgreich im Marketing-Bereich. - zvg

    Das Wichtigste in Kürze

    • Stella Kizildag (30) ist ein Curvy-Model. Sie schreibt Kolumnen über Body Positivity.
    • Heute schreibt Stella über Nachteile im Job, wenn man Kurven hat.

    In Marketing-Meetings versuche ich, Strategien zu erklären. Ich argumentiere dabei mit Zahlen, ziehe klare Linien zwischen Vision und Umsetzung.

    Es kommt oftmals kein fachlicher Einwand oder keine kritische Nachfrage zurück. Sondern ein Lächeln. «Du bringst das immer so sympathisch rüber», heisst es.

    Stella
    Nebst der Tätigkeit als Curvy Model ist Stella Senior-Marketing-Managerin im Modebereich und macht gerade ihren Bachelor-Abschluss in Wirtschaft. - zvg

    Sympathie statt Beförderung

    «Sympathisch». Ein Wort, das wohlwollend daherkommt – und sich dennoch wie eine Begrenzung anfühlt.

    Zwischen den Zeilen schwingt oft mehr mit: Warm statt durchsetzungsfähig, angenehm statt bestimmend, nahbar statt führungsstark.

    Meine kurvige Figur wird selten direkt thematisiert. Und doch scheint sie unausgesprochen stets mitzudenken.

    Stella
    Sie werde aufgrund ihres «Körpertyps» im Berufsalltag nicht ernst genommen, sagt Stella. - zvg

    Kurven gelten kaum für Macht

    Seien wir mal ehrlich. Noch bevor ich mich vorstelle, haben sich die meisten längst ein Bild über mich gemacht. Kurven gelten kaum als Symbol für Macht – vielmehr stehen sie für Weichheit, Emotionalität und Fürsorglichkeit.

    Das sind ohne Zweifel wertvolle Eigenschaften. Doch im Berufsalltag werden sie schnell instrumentalisiert – und nicht selten gegen meine fachliche Kompetenz ins Feld geführt. Schlank bedeutet diszipliniert. Diszipliniert bedeutet erfolgreich. Erfolgreich bedeutet führungsstark. Diese gedankliche Abkürzung sitzt tief.

    Und ich? Ich störe dieses Vorurteil allein durch meine Silhouette.

    Das System ist begrenzt

    Daher meine Frage an euch: Wann habt ihr zuletzt bewusst eine kurvige Frau in einer Führungsposition gesehen? Nicht als «Body-Positivity-Symbol», sondern ganz selbstverständlich als CEO, Geschäftsführerin oder Parteivorsitzende?

    Statt mich kleiner zu machen, habe ich begonnen, diese Situation auszuhalten, wieder einmal meine lang ersehnte Beförderung nicht zu bekommen. Denn sie zeigt meiner Meinung nach nicht die eigene Unsicherheit, sondern die Begrenztheit des Systems.

    Die Zicke vom Dienst

    Selbstverständlich habe ich versucht, an meiner Wirkung zu arbeiten. Und auch jahrelang an meinen Führungskompetenzen und der Personalführung.

    Wir vergessen dabei oft, dass viele Konzepte von Männern kommen. Wenn ich diese umsetze, dabei klar und autoritär werde, ja dann werde ich sofort als die «Zicke vom Dienst» abgestempelt.

    Es geht dabei nicht nur um meine Körpersprache. Es geht um die Projektionen der anderen. Warum muss ich doppelt souverän sein, um halb so selbstverständlich akzeptiert zu werden?

    Stella
    Stella bei einem Shooting als Curvy Model. - Lorena La Spada

    Zwischen Sympathie und Strategie

    Mit der Zeit habe ich aufgehört, mich als Ausnahme zu betrachten. Ich bin kein «trotzdem erfolgreich». Ich bin erfolgreich. Punkt. Und ich habe Kurven. Auch Punkt.

    Vielleicht liegt die eigentliche Provokation nicht darin, dass ich Raum einnehme. Sondern darin, dass ich es selbstverständlich tue.

    Stella
    Stella: «Frauen müssen noch immer stärker im Berufsalltag kämpfen, um in der Führungsetage ihren Platz zu finden.» - Lorena La Spada

    Erfolg hat viele Silhouetten

    Wenn wir wirklich an «Body Positivity» glauben, dann endet sie nicht bei Selfies und Strandbildern. Sie beginnt dort, wo wir Macht, Führung und Kompetenz neu definieren. Und wenn wir aufhören, Körper mit Leistungsfähigkeit zu verwechseln!

    Erfolg hat keine einheitliche Silhouette. Autorität hat keine Kleidergrösse. Und Kompetenz braucht keine Taille, die ins Ideal passt.

    Wenn jemand meine Stärke noch immer unterschätzt, dann liegt das nicht an meiner Figur. Sondern an der begrenzten Vorstellungskraft anderer.

    Stella
    Stella Kizildag. - zvg

    Zur Person

    Stella Kizildag (30) ist Plus-Size-Model und Body-Positivity-Kolumnistin aus der Schweiz. Auf Instagram als @stellakizildag teilt sie ihren Alltag zwischen Fashion, Selbstakzeptanz und klaren Grenzen – immer mit Witz, Haltung und einer guten Portion Mut.

    Kommentare

    User #3066 (nicht angemeldet)

    Ich weiss nicht, was mit diesem Blog erreicht werden soll. Ich finde diese Frau sehr attraktiv 🩷

    User #2303 (nicht angemeldet)

    Das Empörium schlägt zurück!

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