Volkswagen

    VW-Krise: Gründe für das Versagen

    Maia Schmied
    Maia Schmied

    Bern,

    Das Ende des günstigen Neuwagens? Wie Management-Versagen und regulatorischer Druck den Automarkt radikal verändern.

    Golf 7
    Technik-Overkill treibt Preise: Moderne Fahrzeuge werden für den Durchschnittsbürger immer mehr zum unerschwinglichen Luxusgut. - M 93 (Wikipedia)

    Der Traum vom familiären Neuwagen mutiert zur gnadenlosen Finanzierungsfalle für den Normalbürger. Digitales Cockpit, unzählige Prozessoren, komplexe Assistenzsysteme – dieser enorme technologische Aufwand treibt die Entwicklungskosten unweigerlich in astronomische Höhen.

    Der einst bodenständige VW Golf steht sinnbildlich für diesen völlig aus den Fugen geratenen Schweizer Automarkt. Früher motorisierte dieses Modell ganze Generationen, doch heute schockiert der Wagen mit elitären Preisschildern.

    Preisexplosion frisst den Nettolohn

    Im Jahr 2016 rollte ein fabrikneuer VW Golf in der Basisversion für knapp 22'000 Franken zum Schweizer Händler. Heute müssen Käufer für das günstigste Einstiegsmodell beim Garagisten mindestens 32'800 Franken budgetieren.

    Bis 2023 wurde der Golf alleine in der Schweiz 673’177 mal verkauft.
    Bis 2023 wurde der Golf alleine in der Schweiz 673’177 mal verkauft. - Volkswagen

    Dieser brutale Preisanstieg von beinahe fünfzig Prozent schlägt sofort tiefe Löcher in die privaten Haushaltskassen. Gleichzeitig stagnierte das reale Netto-Medianeinkommen der hart arbeitenden Bevölkerung im exakt selben Zeitraum nahezu komplett.

    Ständig explodierende Krankenkassenprämien und hohe Lebenshaltungskosten fressen ohnehin jeden kleinen monetären Lohnzuwachs restlos auf. Ein normaler Facharbeiter kann sich den einstigen Volkswagen für die Massen schlichtweg nicht mehr leisten.

    Bürokratie und Software treiben Kosten

    Die gnadenlosen Vorgaben aus Brüssel zwingen die europäischen Autobauer permanent zu extrem teuren Massnahmen. Strikte Abgasnormen und verpflichtende Assistenzsysteme erfordern komplexe Sensortechnik direkt im Kühlergrill.

    VW Golf R
    Volkswagen Golf R: Top-Leistung zu einem Einstiegspreis von 62'000 CHF. - Volkswagen

    Hochauflösende Kameras überwachen permanent die Fahrspur und sensible Radargeräte messen blitzschnell den Abstand zum Vordermann. All diese zwingend vorgeschriebenen elektronischen Bauteile belasten die interne Kostenstruktur jedes produzierten Fahrzeugs enorm.

    Zusätzlich versenkte der Volkswagen-Konzern Milliardensummen in der katastrophalen Entwicklung der hauseigenen Software-Sparte Cariad. Die treuen Kunden bezahlen dieses historische Managementversagen nun indirekt mit überzogenen Listenpreisen beim Neuwagenkauf.

    Manager zerstören den eigenen Mythos

    Die hochbezahlte Chefetage im fernen Wolfsburg trägt die unbestreitbare Hauptschuld an dieser tiefen Absatzkrise. Vorstände fokussierten sich jahrelang blindlings auf Luxusmodelle mit extrem hohen Gewinnmargen.

    Symbolbild: Volkswagen Touareg
    2005 Volkswagen Touareg V6 Sport Automatic 3.2: Der Versuch, in die Oberklasse einzusteigen. - Par Vauxford

    Dabei vernachlässigten sie das Kernsegment der bezahlbaren Kompaktklasse. Anstatt deutlich effizienter zu produzieren, baute der gesamte Konzern einen teuren und schwerfälligen Verwaltungsapparat auf.

    Diese «Arroganz» der Führungskräfte rächt sich nun durch dramatisch einbrechende Verkaufszahlen beim einstigen Bestseller. Der Vorstand manövrierte die wichtige Kernmarke in eine existenzielle Sackgasse.

    Dacia bietet die rettende Alternative

    Clevere Konkurrenten wie der rumänische Autobauer Dacia nutzen diese Schwäche der Deutschen momentan gnadenlos aus. Der geräumige Dacia Jogger deklassiert den teuren Golf als praktischer Familienkombi in Sachen Preis-Leistung.

    Dacia Jogger
    Dacia Jogger: Mit seinem robusten Fahrwerk und der erhöhten Bodenfreiheit meistert er auch Schotterpisten und Feldwege. - Dacia

    Dieses durchdachte Fahrzeug bietet den Insassen massig Platz und startet in der Schweiz bereits bei 21'000 Franken. Dacia verbaut konsequent intelligente und bewährte Technik ohne unnötigen Elektronik-Schnickschnack an Bord.

    Die aufstrebende Marke beweist eindrucksvoll die Machbarkeit eines bezahlbaren Autos im aktuellen strengen Regulierungsumfeld. Volkswagen muss diese schmerzhafte Lektion schnellstens verinnerlichen, um nicht endgültig in der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit zu versinken.

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    Kommentare

    User #3296 (nicht angemeldet)

    Ich habe mich zuerst gefeut, dass VW endlich mit dem ID.Polo und dem ID.Cross kommt. Doch nachdem ich verglichen habe, was man für die 'Ab'-Preise der beiden Modelle bekommt, ist mir die Vorfreude sehr schnell wieder vergangen. Sorry VW, aber der Nachfolger meines E-Up wird nun leider ein Modell aus China.

    User #3892 (nicht angemeldet)

    Es ist der Sozialismus mit Lohnnebenkosten von 50%

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