Neue EU-Regeln: Billig-E-Autos gegen China-Druck

    Daniel Huber
    Daniel Huber

    Bern,

    Europas Antwort auf China: Mit neuen EU-Regeln und Mini-Stromern unter 15'000 € will Brüssel die Autoindustrie retten. Weniger Bürokratie für mehr Mobilität.

    BYD Racco
    Günstige E-Autos aus China machen etablierten europäischen Herstellern zu schaffen. - BYD (screenshot)

    In ganz Europa wächst der Wunsch nach erschwinglicher Elektromobilität für die Stadt spürbar. Die europäische Autoindustrie reagiert nun mit dem Plan für eine völlig neue Fahrzeugkategorie.

    Kompakte Stromer für den urbanen Raum

    Die EU-Kommission plant derzeit eine spezielle Kategorie für besonders kleine und leichte Elektrofahrzeuge. Inspiriert wird dieses Konzept massgeblich von den japanischen Kei-Cars, die dort seit Jahrzehnten äusserst erfolgreich sind.

    Demnach sollen Kleinstwagen moderne Batterietechnik mit einem minimalen Platzbedarf kombinieren. Dadurch sollen sie die entscheidende Antwort auf die immer stärkere Konkurrenz aus dem asiatischen Raum werden.

    Honda N-Box
    Kei-Car - Namensbedeutung: Der Begriff leitet sich von «Keijidōsha» ab, was übersetzt schlicht «leichtes Automobil» bedeutet. - Project kei

    Ziel dieser Initiative ist es, die Einstiegspreise für neue Elektroautos auf unter 15'000 Euro zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen die regulatorischen Hürden für solche Modelle deutlich reduziert werden.

    Effizienz durch Gewichtsreduktion

    Ein reduziertes Gewicht ermöglicht zudem den Einsatz von kleineren und damit kostengünstigeren Batterien. Damit reagiert Europa auf das steigende Durchschnittsalter der Fahrzeugflotten und den dringenden Wunsch nach urbaner Mobilität.

    Grosse Konzerne wie Volkswagen oder Stellantis leiden aktuell unter einer massiven Absatzflaute bei ihren teuren E-Modellen. Hohe Energiepreise und komplexe Lieferketten machen die Produktion am Standort Europa immer kostspieliger.

    2024 Fiat Pandina, Seitenansicht
    Kleinstwagen aus dem Stellantis-Werk «Giambattista Vico in Pomigliano d’Arco (Italien): Der Fiat Pandina behauptet sich seit Jahren als eines der meistverkauften Kleinstwagen in Europa. - Fiat

    Zudem binden übermässige bürokratische Vorschriften wertvolle Ressourcen in der technischen Entwicklung. Viele Kunden können sich die aktuellen Premium-Stromer im heutigen Marktumfeld schlichtweg nicht mehr leisten.

    Die Krise der europäischen Hersteller

    Das führt zu einer gefährlichen Unterauslastung der Fabriken in vielen europäischen Ländern. Ohne neue Impulse droht der Verlust von zehntausenden Arbeitsplätzen in der gesamten Zulieferindustrie.

    Chinesische Marken wie BYD kontrollieren die gesamte Wertschöpfungskette der Batterieherstellung komplett selbst. Durch diese vertikale Integration erzielen sie enorme Kostenvorteile, die für Europäer kaum einholbar scheinen.

    Dacia Spring
    Erfolgreicher Dacia Spring: Der kompakte Stromer läuft im chinesischen Shiyan bei eGT New Energy Automotive vom Band, ist also kein «echter» Europäer mehr. - Dacia

    Auch massive staatliche Subventionen haben den Aufbau einer gigantischen Infrastruktur in Fernost erheblich beschleunigt. Während hiesige Autobauer oft auf Tradition setzen, fokussiert sich China radikal auf Software und Vernetzung.

    Der Wettbewerbsdruck aus Fernost

    Neue Modelle kommen dort oft in der Hälfte der üblichen Zeit auf den globalen Markt. Zudem bieten sie bereits jetzt kompakte Autos an, die technisch voll ausgestattet und überraschend preiswert sind.

    BYD Doplphin Mini
    Angstgegner: Der BYD Dolphin Mini zielt mit einem Basispreis von unter 20'000 Euro direkt auf das Segment des Dacia Spring. - BYD

    Die neue Kleinwagenklasse soll die Produktion in Westeuropa endlich wieder profitabel und wettbewerbsfähig machen. Standardisierte Bauteile über verschiedene Marken hinweg sollen die Skaleneffekte bei der Fertigung deutlich erhöhen.

    Hersteller wie Renault oder Fiat setzen bereits auf charmante Retro-Designs, um emotionale Kaufanreize im Kleinstwagensegment zu generieren. Klar ist zudem: Für den Erfolg neuer Modelle geht es nicht allein um maximale Reichweite, sondern vor allem um höchste Effizienz im urbanen Umfeld.

    Kommentare

    User #689 (nicht angemeldet)

    ————————————————————— Es muss schon einen Grund haben dass E-Fahrer öfters wieder zurück auf einen bewährten Verbrenner wechseln. Schaut euch hierzu doch einfach mal die riesige Occasionenliste der E-Autos an, diese fahren im Vergleich zu den Verbrennern ja erst seit paar wenigen Jahren herum, und trotzdem werden sie oft schon mit nur wenigen Kilometern gleich wieder einge- tauscht, das sagt im Prinzip ja schon alles. —————————————————————

    User #1177 (nicht angemeldet)

    In Städten gibt es sowieso nichts was besser passt wie ein reines Elektroauto. Aber eben nicht nur dort, darum würde ich mir vorher einen vollwertiges E-Auto wie den JAC E30X kaufen, der unwesentlich mehr kostet, wie solche Ministromer.

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