Gegen die sterile Perfektion: Alfa Romeo Giulia
Die Alfa Romeo Giulia setzt auf pure Emotionen und geniale Fahrdynamik. Doch reicht das, um gegen die etablierte Premium-Konkurrenz zu bestehen?

Der typische Schweizer Automobilist investiert sein Geld bevorzugt in den marktbeherrschenden BMW 3er. Diese meist rationale Kaufentscheidung verbannt jedoch auch einiges an emotionaler Begeisterung von unseren heimischen Strassen.
Dagegen beweist die aktuelle Alfa Romeo Giulia echten italienischen Charakter mit Garantie für Fahrspass. Die Ingenieure setzen konsequent auf eine perfekt ausbalancierte Gewichtsverteilung von exakt fünfzig zu fünfzig Prozent.

Das jüngste Facelift beschert der sportlichen Limousine hochmoderne Matrix-LED-Scheinwerfer und ein volldigitales Kombiinstrument im klassischen Cannocchiale-Design. Mit diesen handfesten Argumenten greift die traditionsreiche Marke aus Arese das etablierte Premium-Segment an.
Fahrspass gegen Infotainment-Frust
Auf den anspruchsvollen Kehren Schweizer Alpenpässe deklassiert die italienische Limousine die versammelte deutsche Konkurrenz mit spielerischer Leichtigkeit. Die extrem direkt übersetzte Lenkung vermittelt dem Fahrer jederzeit ein unverfälschtes Gefühl für die Fahrbahn.

Der temperamentvolle Vierzylinder-Turbomotor treibt das Fahrzeug druckvoll und agil aus jeder noch so engen Kurve. Leider enttäuscht der eher diskrete Klang der Abgasanlage die hohen Erwartungen enthusiastischer Sportwagen-Liebhaber.
Massive Kritik verdient ausserdem das veraltete Infotainment-System mit seinem trägen und winzigen Zentralbildschirm. In diesem wichtigen Bereich bieten Audi und Mercedes eine spürbar modernere Benutzeroberfläche sowie eine flüssigere Bedienung.
Die Legende des magischen Kleeblatts
Das weltberühmte grüne Quadrifoglio-Wappen verkörpert seit über einhundert Jahren die glorreiche Rennsport-Historie der italienischen Traditionsmarke. Die aktuelle Modellgeneration transportiert diese tief verwurzelte Leidenschaft der Konstrukteure erfolgreich in die automobile Neuzeit.

Unter der Haube des Topmodells schlummert ein faszinierender V6-Biturbomotor mit stolzen 520 Pferdestärken und Ferrari-Know-how. Das reaktionsschnelle Achtstufen-Automatikgetriebe von ZF leitet diese gewaltige Kraft ohne spürbare Verzögerung an die Hinterräder weiter.
Trotz dieser brachialen Fahrleistungen überrascht das adaptive Fahrwerk auf der Autobahn mit einem unerwartet hohen Langstreckenkomfort. Dieses Meisterwerk der Fahrwerkstechnik begeistert anspruchsvolle Ästheten und leistungsorientierte Puristen gleichermassen.
Harte Kompromisse im Schweizer Alltag
Im alltäglichen Gebrauch verlangt die bildschöne Limousine allerdings einige spürbare Zugeständnisse von ihren stolzen Besitzern. Der enge Fond bietet erwachsenen Passagieren auf längeren Reisen nur eine sehr eingeschränkte Beinfreiheit.

Zudem fallen die überdurchschnittlich hohen Wartungskosten der Vertragshändler negativ auf. Auch die werksseitigen Garantieleistungen hinken dem aktuellen Marktstandard der asiatischen Konkurrenz deutlich hinterher.
Wer jedoch pure automobile Emotionen sucht, verzeiht der eleganten Italienerin diese Schwächen gerne.











