Alfa Romeo

Gegen die sterile Perfektion: Alfa Romeo Giulia

Daniel Huber
Daniel Huber

Bern,

Die Alfa Romeo Giulia setzt auf pure Emotionen und geniale Fahrdynamik. Doch reicht das, um gegen die etablierte Premium-Konkurrenz zu bestehen?

Alfa Romeo Guila
Dank des konsequenten Einsatzes von Aluminium und Kohlefaser erreicht die Limousine eine perfekte Gewichtsverteilung von genau 50:50. - Alfa Romeo

Der typische Schweizer Automobilist investiert sein Geld bevorzugt in den marktbeherrschenden BMW 3er. Diese meist rationale Kaufentscheidung verbannt jedoch auch einiges an emotionaler Begeisterung von unseren heimischen Strassen.

Dagegen beweist die aktuelle Alfa Romeo Giulia echten italienischen Charakter mit Garantie für Fahrspass. Die Ingenieure setzen konsequent auf eine perfekt ausbalancierte Gewichtsverteilung von exakt fünfzig zu fünfzig Prozent.

Alfa Romeo Guila
Für ihre skulpturale und typisch italienische Linienführung wurde die Giulia mit dem renommierten Designpreis Compasso d’Oro ausgezeichnet. - Alfa Romeo

Das jüngste Facelift beschert der sportlichen Limousine hochmoderne Matrix-LED-Scheinwerfer und ein volldigitales Kombiinstrument im klassischen Cannocchiale-Design. Mit diesen handfesten Argumenten greift die traditionsreiche Marke aus Arese das etablierte Premium-Segment an.

Fahrspass gegen Infotainment-Frust

Auf den anspruchsvollen Kehren Schweizer Alpenpässe deklassiert die italienische Limousine die versammelte deutsche Konkurrenz mit spielerischer Leichtigkeit. Die extrem direkt übersetzte Lenkung vermittelt dem Fahrer jederzeit ein unverfälschtes Gefühl für die Fahrbahn.

Alfa Romeo Guila
Während viele Konkurrenten Fake-Blenden nutzen, zeigt die Giulia stolz ihre echten, tief in die Schürze integrierten Endrohre. - Alfa Romeo

Der temperamentvolle Vierzylinder-Turbomotor treibt das Fahrzeug druckvoll und agil aus jeder noch so engen Kurve. Leider enttäuscht der eher diskrete Klang der Abgasanlage die hohen Erwartungen enthusiastischer Sportwagen-Liebhaber.

Massive Kritik verdient ausserdem das veraltete Infotainment-System mit seinem trägen und winzigen Zentralbildschirm. In diesem wichtigen Bereich bieten Audi und Mercedes eine spürbar modernere Benutzeroberfläche sowie eine flüssigere Bedienung.

Die Legende des magischen Kleeblatts

Das weltberühmte grüne Quadrifoglio-Wappen verkörpert seit über einhundert Jahren die glorreiche Rennsport-Historie der italienischen Traditionsmarke. Die aktuelle Modellgeneration transportiert diese tief verwurzelte Leidenschaft der Konstrukteure erfolgreich in die automobile Neuzeit.

Alfa Romeo Giulia
Der markante Startknopf für den Motor sitzt wie bei einem Formel-1-Boliden direkt auf dem sportlichen Drei-Speichen-Lenkrad. - Alfa Romeo

Unter der Haube des Topmodells schlummert ein faszinierender V6-Biturbomotor mit stolzen 520 Pferdestärken und Ferrari-Know-how. Das reaktionsschnelle Achtstufen-Automatikgetriebe von ZF leitet diese gewaltige Kraft ohne spürbare Verzögerung an die Hinterräder weiter.

Trotz dieser brachialen Fahrleistungen überrascht das adaptive Fahrwerk auf der Autobahn mit einem unerwartet hohen Langstreckenkomfort. Dieses Meisterwerk der Fahrwerkstechnik begeistert anspruchsvolle Ästheten und leistungsorientierte Puristen gleichermassen.

Harte Kompromisse im Schweizer Alltag

Im alltäglichen Gebrauch verlangt die bildschöne Limousine allerdings einige spürbare Zugeständnisse von ihren stolzen Besitzern. Der enge Fond bietet erwachsenen Passagieren auf längeren Reisen nur eine sehr eingeschränkte Beinfreiheit.

Alfa Romeo Giulia
Alfa Romeo verzichtet bewusst auf reinen Touch-Overkill und setzt für die Klimabedienung weiterhin auf klassische, blind bedienbare Drehregler. - Alfa Romeo

Zudem fallen die überdurchschnittlich hohen Wartungskosten der Vertragshändler negativ auf. Auch die werksseitigen Garantieleistungen hinken dem aktuellen Marktstandard der asiatischen Konkurrenz deutlich hinterher.

Wer jedoch pure automobile Emotionen sucht, verzeiht der eleganten Italienerin diese Schwächen gerne.

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Kommentare

User #5671 (nicht angemeldet)

Reicht dass? Ja, aber halt für einen immer schneller schrumpfenden Verbrenner-Markt.

Strom

Ich weiss ja nicht, aber für diesen stolzen Preis (über 100T) ein Auto kaufen, welches nicht mal ein vernünftiges Infotainment System hat, zudem einen Verbrauch von nur 10L (WLTP) verbrauchen soll, dann frage ich mich schon, ist das noch Zeitgemäss? Als Vergleich, ein moderner E-Sattelzug LKW verbraucht weniger an Energie, als diese Limousine. Die wiegen über 10 Tonnen und sind dagegen noch zusätzlich ein riesen Wandschrank im Fahrwind. Dass sowas wie dieser Alfa, dazu noch mit den immer steigenden Spritpreisen, kein reissender Absatz mehr generieren kann, ist mir schon klar. Liebe Alfa Ingenieure, vergesst einfach den Verbrenner. Sobald der scheinbar "Spass" machen soll, kommt das den Käufer sehr, sehr teuer zu stehen. Positiv bewerte ich, dass Alfa die Giftgasentsorgungsrohre nicht noch künstlich mit noch mehr Lärm ausgestattet hat.

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