Von den Anden in Schweizer Kinderzimmer: Wenn Mode Gesichter bekommt

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    Bern,

    Ein Berner Start-up bricht mit der Anonymität der Modeindustrie und bringt indigene Handwerkskunst aus Ecuador direkt zu Schweizer Familien

    Guagua Pichincha
    Guagua Pichincha - zvg

    Wer bei Guagua Pichincha ein Kleidungsstück bestellt, erhält mehr als Stoff und Faden. Auf dem Etikett steht nicht die Waschanleitung, sondern ein Name: María, 42 Jahre, aus Zuleta. Auf der Website lässt sich dieser Name nachschlagen und man gelangt zu ihrem Profil, sieht ihr Gesicht und kann ihr eine persönliche Nachricht schicken. Die Distanz zwischen Konsument und Produzentin? Aufgehoben.

    Heimarbeit statt Fabrikhalle

    Guagua Pichincha
    Guagua Pichincha - zvg

    Paloma del Mar Kilchenmann hat gemeinsam mit ihrem Vater Stefan Kilchenmann das Konzept für Guagua Pichincha entwickelt, ein Ansatz, der in der Schweizer Modelandschaft einzigartig ist. Die Kinderkleidung entsteht nicht in anonymen Produktionsstätten, sondern in den Wohnzimmern indigener Frauen in Zuleta, einer Gemeinde in der ecuadorianischen Provinz Imbabura.

    «Die Frauen arbeiten in ihrem eigenen Rhythmus» erklärt Paloma del Mar Kilchenmann. «Sie können ihre Kinder betreuen, den Haushalt führen und gleichzeitig mit ihren kunstvollen Stickereien zum Familieneinkommen beitragen.» Jedes Stück ist ein Unikat, handgestickt nach jahrhundertealter Tradition.

    Transparenz als Kernversprechen

    Was Guagua Pichincha von anderen Fair-Fashion-Labels unterscheidet, ist die radikale Transparenz. Jedes Kleidungsstück trägt die vollständige Signatur seiner Schöpferin: Name, Wohnort, Geburtsjahr. Über die Website können Kundinnen und Kunden direkt mit «ihrer» Handarbeiterin in Kontakt treten, eine persönliche Verbindung, die in der globalisierten Modeindustrie selten geworden ist.

    Guagua Pichincha
    Guagua Pichincha - zvg

    Aktuell arbeiten 35 Frauen für das Berner Start-up, Tendenz steigend. Die handgestickten Unikate kosten zwischen 24 und 84 Franken. Die Handarbeiterinnen werden für jedes produzierte Stück fair entlöhnt, was ihnen ermöglicht, im eigenen Rhythmus von zu Hause aus zu arbeiten.

    Dieser direkte Draht verändert die Wahrnehmung: Aus einem Konsumgut wird eine Geschichte. Aus Fast Fashion wird eine Beziehung zwischen Menschen.

    Ein Vulkan als Namensgeber

    Der Name ist Programm: «Guagua» bedeutet auf Kichwa «Kind», Pichincha ist der junge, aktive Vulkan über Ecuadors Hauptstadt Quito. Er steht für Energie, Bewegung und Aufbruch, Werte, die das Label verkörpert. Eine indigene Sage erzählt von seiner dramatischen Liebesgeschichte zur Vulkanin Tungurahua, nachzulesen auf der Website des Shops.

    guagua
    guagua - zvg

    Kleine Kleider, grosse Wirkung

    Die Vision hinter Guagua Pichincha geht über schöne Kinderkleidung hinaus. Es geht um finanzielle Unabhängigkeit für Frauen in abgelegenen Regionen Ecuadors, um die Bewahrung kulturellen Erbes und um eine Gemeinschaft, die stolz auf ihre Wurzeln sein kann.

    Guagua Pichincha
    Guagua Pichincha - zvg

    «Jedes Kleidungsstück trägt die Handschrift einer Frau, die mit ihrem Handwerk kulturelles Erbe lebendig hält und sich zugleich eine selbstbestimmte Zukunft aufbaut», sagt Paloma del Mar Kilchenmann. In einer Zeit, in der Mode oft im Sekundentakt produziert wird, lädt Guagua Pichincha zum Innehalten ein.

    Das Versprechen: Mode mit Gesicht. Mode, die eine Brücke baut zwischen alter Tradition und modernem Design, zwischen Ecuador und der Schweiz. Von Mensch zu Mensch.

    Über Guagua Pichincha

    Guagua Pichincha wurde 2025 von Paloma del Mar Kilchenmann und Stefan Kilchenmann in Bern gegründet. Aktuell arbeiten 35 indigene Handarbeiterinnen in Ecuador für das Label, weitere werden laufend ins Netzwerk aufgenommen. Die handgestickten Unikate sind erhältlich unter: https://www.guaguapichincha.com

    Kommentare

    User #5069 (nicht angemeldet)

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