Herbstzeit ist Wanderzeit. Deswegen haben wir für euch 5 Wanderungen zusammengestellt, die für bleibende Erinnerungen sorgen.
Wandertipps
Unsere Wandertipps bringen euch bis ins Piemont. - BLS

Das Wichtigste in Kürze

  • Emmentaler Wanderung für Schleckmäuler und Panoramablick vom Gurten
  • Gletschertöpfe und Schluchtenwandern in Baceno
  • Geologische Erkundungen im Val Grande und auf Stockalpers Spuren nach Domodossola wandern

Der Herbst ist vielen Wanderfreunden die liebste Zeit: goldene Wälder, liebliches Wetter und von rötlichem Licht veredelte Szenerien.

Mit seinen stetig kürzer werdenden Tagen mahnt er uns aber auch daran, die schönen Tage gut zu nutzen. Deshalb präsentieren wir euch hier fünf fixfertige Tipps. Allesamt mit dem ÖV erreichbar, damit ihr nicht zu viel Zeit verliert beim Fahrplanstudieren und Ausflugplanen.

Emmentaler Familienwanderung für Schleckmäuler

Diese gemütliche Wanderung hält einen krönenden Abschluss mit dem Besuch im Kambly Erlebnis in Trubschachen bereit. Die knapp dreistündige Wanderung startet in Eggiwil im oberen Emmental. Herrlich sind die grünen Hügel, die heimeligen Bauernhäuser und Gasthöfe sowie der Blick auf die wild zerklüftete Schrattenfluh.

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Familienwanderung mit genussvollem Ausklang von Eggiwil über Blapbach nach Trubschachen. - BLS

Gleich zu Beginn der Wanderung überquert ihr die Emme, die gerade die Räbloch-Schlucht passiert hat. Weiter geht es über satte Wiesen und durch schattige Wälder, während ihr rasch an Höhe gewinnt. Schliesslich erreicht ihr das auf über 1120 Metern gelegene Blapbach. Hier solltet ihr unbedingt eine Rast einlegen und den Rundblick auf die Berner Alpen geniessen.

Wem der Sinn jetzt schon nach etwas Süssem steht, der gönnt sich im Restaurant Blapbach einen Berg «Ämmitaler Merängge». Aber aufgepasst – die überdimensionalen Portionen sind nichts für kleine Mägen. Hinab über Längegg führt euer Weg weiter durch den «Chrümpelgrabe» bis nach Trubschachen.

Endlich am Ziel angelangt, haben sich die Schleckmäuler ein Getränk und etwas Süsses dazu im Café im Kambly Erlebnis verdient (Eintritt ins Kambly Erlebnis ist kostenlos). Oder man gönnt sich einen Sack Biscuits für die Heimreise und ein Mitbringsel für seine Liebsten.

Informationen zur Anreise per ÖV und die Möglichkeit, aus dem Ausflug eine Zweitagestour zu machen, findet ihr hier.

Wanderparadies Gurten – für Gemütliche und Ambitionierte

Der Gurten ist mehr als das berühmte Gurtenfestival, das jährlich mit seinen Klängen den Boden des Berner Hausbergs erzittern lässt. Nur wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt, bietet er den Bernern einen sonnigen Rückzugsort. Auf über 858 Metern eröffnet sich ein traumhafter Ausblick aufs Bundeshaus, die Altstadt und die beschneiten Bergspitzen.

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Wanderer und Spaziergänger finden auf dem autofreien Gurten ein vielfältiges Routenangebot. - BLS

Die hier vorgestellten Wanderrouten eignen sich für die unterschiedlichsten Bedürfnisse und starten alle bei der Bergstation Gurtenbahn. Für Familien empfiehlt sich der als «Grosser Rundweg» markierte einstündige Spazierweg. Ein Aussichtsturm, eine Spielwiese sowie Kinderspiel- und Grillplätze sorgen hier für Abwechslung und Unterhaltung.

Wer die bunten Herbstblätter bestaunen möchte, sollte den Abstieg durch die Wälder nach Blinzern in Betracht ziehen. Habt ihr es hingegen lieber richtig sonnig, dann wählt ihr den Gurten-Klassiker, die Talwanderung über sattgrüne Wiesen Richtung Wabern. Einen Ausblick auf die Berner Alpen bietet schliesslich die Talwanderung auf der Ostseite hinunter nach Kehrsatz.

Mit der Gurten-Tour hat der Gurten auch eine anspruchsvollere Wanderung im Angebot. Sie führt über das Jennershus und das idyllische Köniztal via Kehrsatz nach Wabern. Der Abstieg im Grüenebodewald sollte allerdings bei nasser Witterung vermieden werden, denn dann droht auf dem Sandstein Sturzgefahr.

Informationen zur Gurtenbahn, zur Anreise mit dem ÖV und alle Wanderdetails findet ihr hier.

Jahrtausendealtes Spektakel – die Uriezzo-Schluchten

Wer gerne Zug fährt, weiss, dass sich das Schweizer ÖV-Netz über unsere Landesgrenzen hinaus erstreckt. Domodossola im Piemont zum Beispiel liegt immer noch im Einzugsgebiet von GA und Halbtax. Das Städtchen ist innert gut zwei Stunden von Bern aus erreicht und bei Schweizer Wochenendbesuchern berühmt für seinen Samstagsmarkt.

Daneben ist es auch idealer Ausganspunkt für Ausflüge in das vielseitige Ossolatal. Zum Beispiel nach Baceno für eine Rundwanderung zu den berühmten Uriezzo-Schluchten. Diese wurden in der letzten Eiszeit vor über 10'000 Jahren von Bächen unter der dicken Eisschicht in den Fels gegraben. Dabei entstanden von Gletschertöpfen über Kessel, Mühlen, Nischen und Rillen die aberwitzigsten Formen.

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Durch eine der Uriezzo-Schluchten fliesst bis heute der Fluss Toce.
Marmitte dei Giganti
In den «Kochtöpfen der Riesen» sprudelt es gehörig.

Drei der Uriezzo-Schluchten liegen heute abseits vom fliessenden Wasser und können begangen werden. Faszinierend ist neben der Geologie die Pflanzenwelt. Wenig Licht, glatte Wände und hohe Luftfeuchtigkeit bilden einen idealen Lebensraum für anpassungsfähige Moose und Farne.

Wenn ihr euch für einen Ausflug zu den Schluchten interessiert, findet ihr hier weitere Informationen. Darunter auch den Zug- und Busfahrplan und einen kurzen Film über die Faszination der Uriezzo-Schluchten.

Die Themenwege des Nationalparks Val Grande

Wir bleiben mit unseren Tipps gleich im Ossolatal, fahren dieses Mal aber von Domodossola der Toce entlang Richtung Süden. Eine kurze Bus- oder Zugfahrt bringt uns ins mittelalterliche Städtchen Vogogna, wo der Themenweg «Il respiro della storia» wartet.

Der Weg führt euch anhand von Texten, Bildern und Zeichnungen durch die Geschichte der Gemeinde. Seinen Ausgang nimmt er beim Palazzo Pretorio mit seinen Spitzbögen und Säulen aus dem vierzehnten Jahrhundert. Von hier spaziert ihr durch die mittelalterlichen Gassen hinauf zum auffällig gut erhaltenen Castello Visconteo.

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Vogogna liegt mitten im Nationalpark Val Grande mit seinen üppigen Kastanien- und Buchenwäldern. - Claudio Venturini Delsolaro

Unser zweiter Tipp in Vogogna ist ein geologischer Erkundungsweg, der seinen Anfang oberhalb des Castellos hat. Informationstafeln verschaffen Laien hier einen Eindruck von der Gesteinsvielfalt in der Region. Zu sehen gibt es uralte Gesteinsformationen, deren Zusammentreffen vor 30 bis 50 Millionen Jahren die Alpen formte. Und von tektonischen Vorgängen an die Oberfläche befördertes Gestein des Erdmantels, der eigentlich erst in 30 bis 35 Kilometern Tiefe beginnt.

Als Ergänzung zum Bildungsprogramm findet ihr in Vogogna zahlreiche Attraktionen für den Gaumen: Ossolanischer Honig, regionaler Ziegenkäse, Waldbeeren in Sirup sowie Honig-Haselnüsse sind ideale Mitbringsel und werten jedes Picknick auf.

Haben wir euer Interesse geweckt? Hinweise zur Anreise mit dem ÖV und eine Karte der Region findet ihr hier.

Wanderung ViaStockalper Val Divedro

Die ViaStockalper ist ein Wanderweg, der von Brig über den Simplonpass nach Domodossola führt. Seinen Namen hat er vom Briger Handelsherr Kaspar Stockalper, der im siebzehnten Jahrhundert den Saumpfad über den Simplon ausbaute. So konnte er den europäischen Machthabern ringsum während des 30-jährigen Kriegs eine sichere Handelsverbindung über die Alpen anbieten. Und wurde dank seiner Monopolstellung innert Kürze zum schwerreichen «König vom Simplon».

Wenn euch Abfahrt- und Zielpunkt stutzig gemacht haben, habt ihr recht: Natürlich lassen wir euch nicht die ganzen 60 Kilometer abwandern, sondern nur das Stück im italienischen Teil des Val Divedro. Durch dieses Tal verläuft auch die Bahnstrecke Brig-Domodossola. Je nachdem, wo ihr aus dem Zug aussteigt, könnt ihr aus der Wanderung entsprechend eine ein- oder zweitägigen Ausflug machen.

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Wer einen zweitägigen Ausflug plant, kann in Varzo wunderbar übernachten und die piemontesische Küche geniessen. - BLS

Dabei führt euch eure Wanderung an Talflanken und dem Fluss Diveria entlang. Historische Saumwege, hübsche Weiler, grandiose Panoramen und herrliche Alpweiden prägen euren Weg im Val Divedro. Naturschönheit pur.

Highlights sind der Hängesteg beim Ponte dell'Orco und die Bogenbrücke Ponte Nuovo, das historische Wahrzeichen des Wanderwegs. Das «neu»im Namen trägt der perfekte Rundbogen aus Stein übrigens schon seit über 300 Jahren. Weil ihre Vorgängerin noch aus der Zeit des Kaiser Augustus stammte, ist der Name der Brücke aber nicht unberechtigt. Philosophisch veranlagte Naturen überlegen mit Blick ins Val di Varzo, wer alles schon vor ihnen hier die Diveria überquerte.

Detaillierte Wanderkarten und den Zugfahrplan findet ihr hier. Dazu gibt es viele Infos und Tipps, was es in Varzo und Domodossola zu sehen und zu tun gibt.