Leidenschaftlich, zauberhaft, manchmal ein bisschen lächerlich, überwältigend: Die Oper ist ein Spektakel, wie es kein Zweites gibt.
Oper
Das Opernhaus «La Fenice» in Venedig - Keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Gesang trifft Schauspiel: Opernsängerinnen und -sänger müssen viel können.
  • Chor, Orchester, Bühnenbild, Opernhaus: Keine Kunstform ist so gross wie die Oper.
  • Live im Verkehrshaus: Opernübertragungen auf der grössten Kinoleinwand der Schweiz.

Oper fasziniert. Hat schon immer, wird noch lange. Packende Geschichten, virtuose Sänger, opulente Bühnenbilder: Was gibt es Schöneres?

Wer mehr über diese altehrwürdige Kunstform mit Hochkonjunktur wissen will, kommt mit auf eine Reise durch Raum und Zeit. Wir führen euch zu den Anfängen, schauen beeindruckende Videos an und erzählen schlaue Dinge, die ihr vielleicht noch nicht wisst.

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Sarastros Garten aus Mozarts «Zauberflöte». Bühnenbild von 1816. - Wikimedia Commons

Vorhang auf

Wir beginnen gleich mit einem Beispiel: Luciano Pavarotti singt für uns die Arie «E lucevan le stelle» aus Puccinis Oper «Tosca».

Zur Geschichte: Pavarottis Figur befindet sich im Gefängnis und wartet auf ihre Hinrichtung. Zu Beginn der Arie erinnert er sich an die schönen Stunden mit seiner geliebten Tosca. Dann schlägt sich in Stimme und Gesicht die Erkenntnis nieder, dass diese schönen Erinnerungen definitiv der Vergangenheit angehören.

Drei Minuten mit dem Meister: Mimik und Stimme arbeiten auf einen emotionalen Höhepunkt mit Gänsehautgarantie hin. Perfekt.

Alles Theater

So beeindruckend ihr Gesang auch sein mag, Opernsängerinnen und -sänger sind immer auch Schauspieler. Geht man den Ursprüngen der Gattung nach, ist das sogar ihr eigentliches Kerngeschäft.

Geboren ist die Oper nämlich im Italien der Renaissance. Aus der Überzeugung, dass ein Theater mit Musik beim Zuschauer eine grössere emotionale Wirkung hinterlasse als ein reines Sprechtheater.

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«Io son Medea!»: Maria Callas war berühmt für ihr lebhaftes Spiel und ihren ausgeprägten Sinn für Dramatik. Die Aufnahme zeigt «die Callas» als Medea in Cherubinis gleichnamiger Oper von 1797. - Keystone

Der Clou dabei war, dass Musik nicht mehr nur als Schmuck oder zur Überleitung diente. Vielmehr wurde sie zur Trägerin des ganzen Theaterstücks. Mittel dazu war das sogenannte Rezitativ, eine Art Sprechgesang, der stundenlange Aufführungen ohne ein einziges nicht-gesungenes Wort ermöglichte.

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Berühmt für ihre besonders geschmeidigen Rezitative ist Richard Strauss' romantische Komödie «Der Rosenkavalier» (1911). Sie wird im April live aus New York ins Verkehrshaus Filmtheater in Luzern übertragen. - Verkehrshaus der Schweiz / Pathé Live

Wo bleibt der Realismus?

Während Rezitative die Handlung vorantreiben, kommen Arien dort zum Einsatz, wo die Handlung eine Pause macht. Hier gehen die Figuren in sich, und die Sängerinnen und Sänger lassen ihrer Virtuosität freien Lauf.

Viele der wunderbarsten Opernmomente finden in Arien statt. Doch besteht auch die Gefahr, dass sich in ihnen die Gesangskunst verselbständigt. Damit das Ganze nicht «unrealistisch» wirkte, setzten Komponisten Arien am liebsten dort ein, wo man auch im realen Leben singt.

Kommt vor: Dalila verführt Samson mit ihrem betörenden Gesang und entlockt ihm das Geheimnis seiner Kraft in Saint-Saëns «Samson et Dalila» (1877).

Der männliche Sopran

In den ersten hundert Jahren der Geschichte der Oper machte der Gesang in Italien beeindruckende Fortschritte. Es wurden gesangliche Schwierigkeitsgrade erreicht, welche man in der Musikgeschichte so noch nicht kannte.

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Als erste grosse Opernstadt etablierte sich Venedig. Die Stadt mit ihren exotischen und irrealen Zügen war die perfekte Kulisse für die immer pompöser werdenden Aufführungen. - Pixabay

Beim Publikum am beliebtesten waren die hohen Sopran-Stimmen, und zwar – anders als heute – bei Sängerinnen und Sängern. So konnte genauso gut ein Sänger die weibliche Hauptrolle spielen wie eine Sängerin die männliche.

Für die männlichen Soprane engagierte man Kastraten, die sonst in Kirchenchören zum Einsatz kamen. Sie avancierten zu regelrechten Stars und symbolisierten für Operngegner alles, was ihnen an der Kunstform missfiel.

Ungewohnte Schönheit: Mit Computertechnik wurde im Film «Farinelli» von 1994 versucht, den kräftigen Sopran eines Kastraten nachzubilden.

Andere Länder, andere Sitten

Speziell in Frankreich stiessen im 18. Jahrhundert die als übertrieben empfundenen gesanglichen Schnörkel der Italiener auf wenig Gegenliebe. Hier wurden die Arien bewusst kurz gehalten, dafür waren die Rezitative dank grosser Orchesterbegleitung um einiges kunstvoller als in Italien.

Eine weitere Spezialität der Franzosen waren in die Oper eingebaute Ballette. Sie gaben dem Publikum eine Verschnaufpause von dem vielen Singen und erfüllten auch die Funktion von «eye candy»: Sie waren ganz einfach schön anzusehen.

1:45:30–1:55:00 findet ihr das berühmte Verführungsballett der toten Nonnen aus Meyerbeers Grand opéra «Robert le Diable» (1831).

Volle Konzentration auf die Bühne

Dass man still auf seinem Sessel sitzt und die Show geniesst, ist in der Oper ein Phänomen der Neuzeit. Früher spielte man im Publikum Schach oder Karten, ass oder sprach lautstark miteinander.

Mit der Erfindung des elektrischen Lichts am Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich das. Opernsäle liessen sich jetzt vollständig abdunkeln, während die Bühne schön beleuchtet war. Das brachte den Opern-Magier Wagner seinem Wunsch einen entscheidenden Schritt näher, das Publikum komplett in einer Kunstwelt versinken zu lassen.

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Eine Szene aus Giuseppe Verdis Oper «Falstaff», die am 1. April live im Verkehrshaus Filmtheater gezeigt wird. Genau wie Richard Wagner entschied Verdi, Teile des Orchesters in den Boden zu versetzen, damit die Musiker die Illusion der Zuschauer nicht zerstörten. - Verkehrshaus der Schweiz / Pathé Live

Die Tenöre erobern die Oper

Gegen Ende der 1820er Jahre wurde der damals berühmteste Kastrat Giovanni Battista Velluti in London auf der Bühne lautstark verhöhnt. Vor Kurzem noch gefeierte Stars, waren die Kastraten plötzlich als Monstrositäten verschrien.

Ihre Rollen übernahmen zunächst Sängerinnen, doch Frauen in Heldenrollen waren dem Publikum auch nicht mehr geheuer. Die Zeit der Tenöre mit ihren männlichen Bruststimmen war gekommen; und die Heldenrollen unterschieden sich nun deutlich nach Geschlechtern.

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Eine Paraderolle für jeden Tenor: Graf Ipanoff in Umberto Giordanos «Fedora» (1898). - Verkehrshaus der Schweiz / Pathé Live

Sinfonien

Die italienischen Opern waren für ihre Gesangsnummern berühmt und die französischen für die «Grandeur» von raffinierten Orchestern, Chören und Balletten.

Viele deutsche und österreichische Komponisten hingegen kamen von der Instrumentalmusik her. Dank ihrer Erfahrungen aus der Sinfonie und dem klassischen Concerto konnten sie die bezaubernde Wirkung schöner Gesangsstimmen musikalisch noch erhöhen.

Oper trifft Film in diesem Animationsfilm von Lotte Reiniger von 1935 mit Motiven aus Mozarts «Zauberflöte». Richtig herzig wird es ab Minute 08:35.

Mozart beispielsweise beherrschte es perfekt, das Bühnengeschehen mit musikalischen Mitteln zu spiegeln und zu begleiten. Mit ihren einfallsreichen Orchestrierungen schlagen seine Opern das Publikum noch heute voll in ihren Bann.

Moderne Schocker

Ebenfalls von der Instrumentalmusik kam Richard Strauss, dem mit «Salome» anfangs des 20. Jahrhunderts ein echter Schocker gelang. Die dekadente Mischung von Erotik und Tod ist typisch für die Zeit der Jahrhundertwende.

Von Johannes dem Täufer verschmäht, hat sich Salome mit einem erotischen Tanz beim König dessen Kopf verdient. Verstörend, nichts für zart Besaitete.

Strauss' extrem komplexe Musik beeinflusste Komponisten wie Alban Berg, der mit freitonaler, dissonanter Musik experimentierte. Damit war eine musikalische Sprache gefunden, welche die Zerstörung und das Chaos in Europa nach dem Ersten Weltkrieg darstellen konnte.

Weil Zerstörung und Chaos nicht jedermanns Sache sind, komponierte Richard Strauss bald darauf den «Rosenkavalier». Notabene die beliebteste deutsche Oper des 20. Jahrhunderts – und mit ihren Walzermelodien genau das Richtige für einen gemütlichen Opernabend.

So viel Oper wie nie, live in Luzern

Das Repertoire an Opern, die heute in der ganzen Welt aufgeführt werden, ist so gross wie nie in der Geschichte. Von Barockopern, italienischem Belcanto und Grand-Opéra-Bombast über Mozart-Leichtigkeit und Wagners Fantasiewelten bis zur Oper des 20. Jahrhunderts: Die Auswahl ist riesig.

Live im Verkehrshaus Filmtheater in Luzern: das abwechslungsreiche Programm der New York «Metropolitan Opera».

Damit auch ihr in den Genuss internationaler Top-Produktionen kommt, überträgt das Verkehrshaus Filmtheater live ausgewählte Opern aus New York. 4K Bildqualität und einmalige Akustik machen aus dem Kinobesuch in Luzern ernsthafte Konkurrenz für einen richtigen Opernabend.

Ihr möchtet Wagners Schwanenritter Lohengrin aus nächster Nähe sehen? Beim Rosenkavalier mitschunkeln, Don Giovannis Höllenfahrt in 4K erleben oder mit Papageno auf Brautschau gehen? Dann klickt hier und erfahrt alles über die Live-Opern im Filmtheater des Verkehrshauses der Schweiz in Luzern.