Fussball-Talk: Xherdan Shaqiri braucht keine Hilfe aus Lugano

Im Fussball-Talk wird über die Schweizer Nati debattiert. Holen wir morgen gegen Tschechien den wichtigen Punkt? Was passiert mit Shaqiri vor der WM?

Bester Mann: Manuel Akanji beim 2:1-Sieg gegen Spanien. Gegen Tschechien ist er gesperrt. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schweizer Nati gewinnt sensationell mit 2:1 in Spanien.
  • Morgen reicht gegen Tschechien ein Remis, um in der Nations League nicht abzusteigen.
  • Chefredaktor Micha Zbinden und Sportchef Christoph Böhlen im Gespräch.

Nau.ch: Die Nati schlägt Spanien sensationell auswärts. Am Dienstag kann sich die Schweiz mit einem Remis gegen Tschechien in der A-Gruppe der Nations League halten. Schaffen wir das?

Christoph Böhlen: Es wird ein ganz anderes Spiel werden als gegen Spanien. Jetzt muss die Schweiz das Spiel machen. Das Spanien-Spiel hat der Nati aber mächtig Rückenwind gegeben, also holen wir den nötigen Punkt.

Micha Zbinden: Mir ist diese Nations League wirklich total egal. Wichtig sind Siege vor allem, damit die Nati mit möglichst viel Selbstvertrauen und einem motivierten Team an die WM fährt. Wer in der A-Gruppe gegen diese Top-Teams immer nur verliert, beginnt zu grübeln. Zum Glück haben wir Spanien geschlagen. Wir wissen jetzt, dass an der WM alles möglich ist. Diese Nati ist richtig stark und wir haben mit Murat Yakin den richtigen Trainer. Wir sollten aber über Manuel Akanji sprechen.

Micha Zbinden, Publizistischer Leiter bei Nau.ch. - Nau.ch

Böhlen: Ich habe Akanji unrecht getan, als ich geschrieben habe, dass er bei ManCity auf der Bank landet. Und damit seine WM-Form verspielt. Er war gegen Spanien der beste Mann auf dem Platz und strahlte eine unglaubliche Selbstsicherheit aus.

Zbinden: Akanji wusste immer, dass er sehr gut ist. Bei Pep hat er aber gesehen, dass er sogar mit den weltbesten Spielern mithalten kann. So hat er gespielt, so dominant ist er gegen Spanien aufgetreten. Für mich ist Akanji der beste Nati-Verteidiger aller Zeiten.

Nau.ch: Gegen Tschechien ist Akanji nun aber in St. Gallen gesperrt...

Böhlen: Seine Gelbe Karte war unnötig. Er sollte da cleverer sein. Wer mit dem Ball in der Hand zwanzig Meter läuft, um beim Schiri etwas nachzufragen, der kriegt halt Gelb. Stell Dir vor, das wäre an der WM passiert.

Zbinden: Ich finde, Du bist da viel zu streng. Die Gelbe Karte in Spanien war ein Witz. Akanji hat im TV-Interview erklärt, dass er den Schiri nur gefragt habe, ob es ein Foul war. Er ist authentisch, ehrlich und nimmt kein Blatt vor den Mund. Solche Spieler gefallen mir. Übrigens: Ich finde die Sperre von Goalie Jonas Omlin viel unnötiger. Er hat gar nicht gespielt und zweimal von der Bank aus reklamiert.

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Nau.ch: Bei Xherdan Shaqiri gibt es das Problem, dass die Saison bei den Chicago Fire bereits im Oktober aufhört. Ihm fehlt dann wichtige Spielpraxis vor der WM.

Böhlen: Es ist ja denkbar, dass sich Shaq dann im Chicago-Partnerteam in Lugano fithält. Das ist aus meiner Sicht unwichtig. Viel wichtiger ist doch, dass Shaq ausgeruht und vor allem unverletzt an die WM in Katar reist. Bei einem Spieler mit dieser Qualität ist die Spielpraxis zweitrangig. Das sagt auch Yakin.

Mit Chicago ist die Saison gelaufen: Wie bringt sich Xherdan Shaqiri in WM-Form? - Keystone

Nau.ch: Habt ihr gegen Spanien auch etwas Negatives gesehen?

Zbinden: Zakaria fehlt offensichtlich die Spielpraxis, dass kann sich aber sehr schnell ändern. Renato Steffen reicht so in der Nati nicht mehr. Er hat das Bundesliga-Niveau schon verloren und sich zu schnell der Super League angepasst. Es geht meistens zu schnell. Das ist, wie wenn ein Amateurkicker von der 3. Liga zu den Senioren wechselt. Da brilliert er zwar im ersten Spiel, gleicht sich dann dem Niveau an.

Böhlen: Halt. So schlecht ist die Super League dann auch wieder nicht. Wir haben in der Nati schlicht zu wenig Aussenverteidiger. Silvan Widmer und Ricardo Rodriguez sind gut, dann klafft aber ein Loch. Dieses Problem muss Murat Yakin vor der WM noch lösen – und Alternativen finden.

Christoph Böhlen ist Sportchef bei Nau.ch. - Nau.ch

Nau.ch: Themawechsel: Für das Serbien-Spiel an der WM hat Nati-Direktor Pierluigi Tami den Doppeladler verboten. Die richtige Entscheidung?

Böhlen: Ich kann das verstehen. Der Verband will kein solches Chaos mehr wie an der WM 2018. Mir selber ist das egal: Wenn die Nati die Gruppenphase in Katar übersteht, dürfen die Profis meinetwegen so jubeln, wie es ihnen passt...

Zbinden: Die andere Frage ist, ob es auch durchsetzbar ist. Es kommt immer darauf an, wie fest und ob die Nati-Spieler gegen die Serben wieder derart provoziert werden. Es hat im letzten Serbien-Spiel ja schon einiges gebraucht, dass sogar Stephan Lichtsteiner den Adler gezeigt hat (lacht).