Immer mehr junge Tennis-Profis kämpfen mit psychischen Problemen. Roger Federer, 20-facher Grand-Slam-Sieger, fordert deshalb «eine Revolution».
Roger Federer
Roger Federer im Einsatz beim Turnier in Wimbledon. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Roger Federer fordert mehr Unterstützung für die nächste Tennis-Generation.
  • Der «Maestro» äussert sich in einem Interview zu mentalen Problemen einiger Spielerinnen.
  • Der Schweizer fordert deshalb ein Umdenken der Medien im Umgang mit den Profis.

Seit über 20 Jahren ist Roger Federer auf der ATP-Tour unterwegs. Derzeit erholt sich der Basler von einer Knie-Verletzung. Und bereitet sich auf sein erneutes Comeback vor.

Als 20-facher Grand-Slam-Sieger ist sich Roger Federer sowohl den sportlichen wie auch den medialen Druck gewohnt.

Junge Tennis-Spielerinnen kämpfen mit psychischen Problemen

Für junge Athleten und Athletinnen ist dieses Unterfangen allerdings nicht einfach. So hat sich Naomi Osaka (23) Anfang des Jahres von den French Open zurückgezogen. Grund: Sie hatte erklärt, dass sie keine Pressekonferenzen geben möchte, um ihre psychische Gesundheit zu schützen.

Und auch US-Open-Siegerin Emma Raducanu (18) wurde nach ihrem Auftritt in Wimbledon scharf kritisiert. Nach dem Achtelfinal musste die junge Britin wegen Atemproblemen aufgeben.

Osaka
Naomi Osaka hat sich Anfang Jahr von den French Open zurückgezogen.
Osaka
Die 23-Jährige wollte damit ihre psychische Gesundheit schützen.
Raducanu
Emma Raducanu gewinnt kürzlich sensationell die US Open.
Raducanu
Allerdings hatte auch die junge Britin in letzter Zeit mit dem Druck zu kämpfen.

In einem Interview mit dem Magazin «GQ» hat sich Federer nun zu dieser Thematik geäussert. «Wir dürfen nicht vergessen, dass Tennisspieler Sportler und Profis sind, aber wir sind auch Menschen», so der Superstar.

Soziale Medien als grosser Faktor

Er habe Raducanus Lauf in Wimbledon und auch Naomi Osaka in den letzten Jahren verfolgt. «Es war erstaunlich, was sie beide erlebt haben. Aber es tut weh, wenn man sieht, was passiert und wenn es ihnen nicht gut geht. Der Stress ist so gross», so Federer.

Laut dem 40-Jährigen spielen die sozialen Medien dabei eine grosse Rolle. Damit hatte der «Maestro» zu Beginn seiner Karriere noch nichts zu tun.

Roger Federer
Roger Federer spricht im Interview mit «GQ» über die psychischen Probleme von jungen Profis. - keystone

«Ich habe keine Ahnung, wie ich das geschafft hätte. Auf zehn nette Kommentare kommt immer ein negativer Kommentar.» Und auf diesen konzentriere man sich dann natürlich. «Das ist eine furchtbare Situation», bekräftigt der Schweizer.

«Wir brauchen eine Revolution»

Gibt es dafür eine Lösung? «Ich denke, die Spieler, die Turniere, die Journalisten, wir müssen uns in einem Raum zusammensetzen.» Danach solle hinterfragt werden, «was für euch funktionieren würde und was für uns».

Roger Federer fordert eine Tennis-Revolution – zurecht?

Klar ist: Federer fordert ein Umdenken. «Wir brauchen eine Revolution. Oder zumindest eine Weiterentwicklung dessen, wo wir heute stehen.» Und weiter: «Wir müssen der jüngeren Generation mehr helfen, sie besser coachen und anleiten.»

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