Alexander Zverev: So wurde der Deutsche doch noch die Weltnummer 1
Mit 29 Jahren wird Alexander Zverev erstmals den Tennisthron erklimmen. Vorgänger Boris Becker adelt seinen Landsmann.

Das Wichtigste in Kürze
- Alexander Zverev ist spätestens Ende Saison die Weltnummer 1.
- Nach einem heftigen Rückschlag vor viereinhalb Jahren kämpfte sich der Deutsche 2026 aus fast aussichtsloser Position auf den Thron.
- Will der 29-Jährige an der Spitze bleiben, muss er künftig wohl mehr Siege gegen Sinner, Alcaraz und Djokovic feiern.
2022 ist Alexander Zverev bereits sehr nahe am Tennisthron. Der Deutsche liefert sich im Halbfinal der French Open einen grossen Kampf mit Rafael Nadal. Den Sandkönig kann Zverev arg in Bedrängnis bringen.
Nachdem er den ersten Satz verloren hat, befindet sich der zweite in der entscheidenden Phase. Dann kommt der grosse Schock: Zverev knickt mitten im Ballwechsel um.

Der Traum von der Weltnummer 1, den er mit dem Turniersieg in Paris hätte erfüllen können, platzt jäh. Der Hamburger verlässt das Stadion im Rollstuhl und muss wegen mehrerer Bänderrisse lange pausieren.
Sinner-Forfait macht Weg frei
Viereinhalb Jahre später gilt Alexander Zverev als der wohl fitteste Spieler auf der ATP-Tour – und das trotz Typ-1-Diabetes. Während die Konkurrenz vermehrt mit Ausfällen zu kämpfen hat, spielt der 29-Jährige Turnier um Turnier.
Und weil es nach zuvor drei verlorenen Finals auch mit Grand-Slam-Titeln klappt, steigt Zverev ganz sicher zur Weltnummer 1 auf.

Weltnummer 3 Carlos Alcaraz scheitert am Montag in Shanghai überraschend früh und kann Zverev bis Saisonende rechnerisch nicht mehr abfangen. Letzterer seinerseits belegt aktuell noch Rang zwei, hat bis Ende Saison aber deutlich weniger Punkte zu verlieren als Jannik Sinner.
Der Italiener beendete seine Saison zuletzt vorzeitig wegen Kniebeschwerden. Selbst wenn Zverev jedes Spiel verliert – Sinner gibt mehr Punkte ab und fällt zurück.
Grosser Rückstand im Januar
Anfang Jahr war diese Entwicklung nicht zu erwarten. Zverev hatte als Dritter 5110 Punkte auf dem Konto und lag deutlich hinter Sinner (11’500) und Alcaraz (12’050). Die beiden machten zudem den Anschein, auch 2026 die Tenniswelt zu dominieren. Doch Verletzungen setzten sie (zu) lange ausser Gefecht.
Unklar ist aktuell, wann genau Alexander Zverev den Tennisthron besteigen wird. Das frühestmögliche Szenario ist beim ATP-500-Turnier in Wien Anfang November.
Zieht Zverev in Shanghai in den Final ein und kürt sich in Österreich zum Champion, ist er die Eins. Holt er schon in Shanghai den Titel, reicht in Wien der Halbfinaleinzug.

Der designierte Weltranglistenerste äussert sich am Montag natürlich zufrieden. «Es war eine fantastische Saison für mich, ich habe in Paris und New York gewonnen», zitiert die ATP Zverev. «Und zu wissen, dass ich das Jahr an der Spitze der Rangliste beenden werde, ist einfach ein wahr gewordener Traum.»
Besonders nach seiner schweren Knöchelverletzung im Jahr 2022 «wurde so viel Arbeit und Mühe investiert, um dieses Ziel zu erreichen». Nun freue er sich darauf, «die Saison stilvoll zu beenden.»
Becker: «Nummer 1 wird man nicht zufällig»
Nach Boris Becker im Jahr 1991 ist Alexander Zverev der zweite Deutsche, der zur Weltnummer 1 aufsteigt. Von seinem Landsmann gibt es am Montag, noch bevor die Nummer 1 offiziell wird, schon lobende Worte.
Zverev werde «zurecht und hochverdient» der dreissigste Weltranglistenerste der Geschichte, sagt Becker im Podcast «Becker Petkovic» mit Ex-Spielerin Andrea Petkovic. Und stellt klar: «Nummer 1 wird man nicht zufällig.»
Bereits zu Beginn des Jahres, so Becker, habe man erkennen können: «Dieses Jahr spielt ein anderer Sascha Zverev.»

Trotzdem: Blickt man auf Zverevs Weg auf den Thron, sind die monatelangen Ausfälle von Alcaraz und Sinner nur schwer zu ignorieren.
Becker aber relativiert: «Dafür kann er nix, das ist ja nicht sein Fehler. Er kann nur immer die Gegner schlagen, gegen die er auf dem Platz antreten darf. Das hat er besser gemacht als jeder andere.»
Drei Spieler hat Alexander Zverev nicht im Griff
Trotzdem wird sich Zverev gerade im Duell mit den beiden Dominatoren der letzten Jahre noch beweisen müssen. Um an der Spitze zu bleiben, werden Siege gegen Sinner und Alcaraz wahrscheinlich Pflicht. Blickt man auf die vergangenen Duelle zurück, hat Zverev viel Arbeit vor sich.
Gegen Sinner verlor Zverev die letzten zehn Duelle, gegen Alcaraz vier der letzten fünf. Auch gegen Novak Djokovic hat die neue Weltnummer 1 noch Luft nach oben: Die letzten beiden Duelle gingen verloren, zuletzt Anfang Oktober in Peking.

Spätestens ab 2027 wird sich zeigen, wie sich Alexander Zverev als Weltranglistenerster gegen die drei schwierigsten Gegner schlägt. Bis dahin kann der zweifache Grand-Slam-Champion seinen Aufstieg zur Weltnummer 1 geniessen.
















