Kilchberger Schwinget: Alle gegen Fabian Staudenmann!
Am Samstag steigt mit dem Kilchberger Schwinget das Saisonhighlight. Ganz oben auf der Favoritenliste steht Fabian Staudenmann.

Das Wichtigste in Kürze
- Das grosse Highlight der Schwing-Saison steigt am Samstag: Der Kilchberger Schwinget steht an.
- Grosser Favorit ist der Berner Überflieger Fabian Staudenmann.
Es ist das Ereignis, das die Schwingerwelt alle sechs Jahre elektrisiert. Was das ESAF im letzten Sommer war, ist der Kilchberger in diesem Jahr: Der Gipfel der Schwingsaison.

Doch während auf den Festwiesen sonst Hunderte Böse zusammenschlagen, verlangt Kilchberg nach der kompromisslosen Elite. Nur die 60 stärksten Athleten der Schweiz erhalten auf den Meldeblättern Platz.
Wer hier siegen will, braucht keine Eichenlaub-Taktik auf Verwalten – denn Kränze gibt es keine. Es zählt einzig und allein der Festsieg und der Eintrag in die Geschichtsbücher.
Der Gejagte im Sägemehl
Die Ausgangslage vor dem Spektakel ist so klar wie selten zuvor: Die Schwingwelt blickt auf Fabian Staudenmann. Der Berner aus Guggisberg reist mit der Empfehlung von fünf Kranzfestsiegen in Serie an – darunter die Triumphe auf den legendären Bergfesten Rigi, Brünig und Schwägalp.

Staudenmann ist das Mass aller Dinge, Der dominierende Mann des Sommers. Wer den Muni «Ultimo» mit nach Hause nehmen will, muss an ihm vorbei.
Doch die Verfolger scharren bereits mit den Füssen. Allen voran die Nordostschweizer Phalanx um den bärenstarken Toggenburger Werner Schlegel und Schwingerkönig Armon Orlik.

Hinter Titelverteidiger Samuel Giger steht dagegen trotz bestätigter Teilnahme ein grosses Fragezeichen: Der Thurgauer hat seit Ende Mai keinen Ernstkampf mehr bestritten. Wenn Giger nach seiner Schulterverletzung aber rechtzeitig zu 100 Prozent fit ist, wird das Sägemehl brennen.
Bern gegen Nordostschweiz
Das Duell der beiden erfolgreichsten Teilverbände ist fast schon ein Naturgesetz – besonders am linken Zürichseeufer. Kilchberg war über Jahrzehnte Schauplatz dieses Duells: Hier die Berner mit ihrer schwingerischen Wucht, dort die Nordostschweizer mit dem Anspruch, dass auch sie richtig zulangen können.
Die Siegerliste liest sich wie ein Gipfeltreffen der Giganten: Ernst Schläpfer, Jörg Abderhalden, Christian Stucki, Matthias Sempach – und seit 2021 auch Samuel Giger und Damian Ott.

Doch einer sprengt jede Statistik: Karl Meli. Der Winterthurer gewann 1967 und 1973 als bisher Einziger zweimal und verschaffte sich so einen Platz in den Geschichtsbüchern für die freundeidgenössische Ewigkeit.
Zürcher Strippenzieher im Hintergrund
Dass dieses Spektakel überhaupt in dieser Exklusivität stattfindet, ist ausgerechnet einem städtischen Schwergewicht zu verdanken: Dem Schwingklub Zürich. Aus seinem traditionsreichen Klubhaus am Zürcher Rigiblick – der Heimat des ältesten Schwingklubs der Welt, gegründet 1887 – prägt der Verein den Kilchberger seit Jahrzehnten mit.

Rund 60'000 Ticketanfragen gehen für die begehrten 10'000 Plätze jeweils ein. Kaufen kann man die Billette bekanntlich nicht: Sie werden nur vergeben.
So ist der Massstab gesetzt: Wenn am Samstag auf dem Gutshof «Uf Stocken» die Zwilchhosen hochgezogen werden und die Sägemehlspäne fliegen, geht es um weit mehr als Formstände.
Es geht um den Mythos. Und um die eine Frage: Schafft Fabian Staudenmann die Krönung einer perfekten Saison? Schliesst er mit seinem zweiten Erfolg zu Karl Meli auf? Oder findet die Konkurrenz doch noch das Rezept gegen den Berner Dominator?
Der Schönschwingerpreis
Denn am Ende wird nicht der Favorit gekrönt. Sondern derjenige, der als Letzter noch steht. Apropos Krönung: Am Kilchberger ist ein Schönschwingerpreis ausgesetzt – für den Kämpfer mit der grössten (schwingerischen) Ästhetik. Auch dies ist eine Einmaligkeit in der Welt der Sägemehlgladiatoren.








