Stillstand statt Vollgas: Formel 1 im Garagenmodus

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    Australien,

    Die Formel 1 steht still. Die Coronavirus-Krise hat den einst üppigsten Rennkalender der Geschichte eingedampft. Wie geht es in der Formel 1 jetzt weiter?

    Aufbruch: Nach der Absage des Grossen Preis von Australien bereiten die Teams in der Boxengasse ihre Abreise aus Melbourne vor. Foto: Michael Dodge/AAP/dpa
    Aufbruch: Nach der Absage des Grossen Preis von Australien bereiten die Teams in der Boxengasse ihre Abreise aus Melbourne vor. Foto: Michael Dodge/AAP/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Letztmals vor mehr als 50 Jahren startete die Formel 1 erst im Mai in ihre Saison.

    Am 22. Mai 1966 heulten die Motoren in Monaco auf, Jackie Stewart feierte damals den Auftaktsieg.

    54 Jahre später steuert die von der Coronavirus-Krise ausgebremste Königsklasse des Motorsports erneuert auf ein so spätes Datum hin. «Ich glaube nicht, das jemand so eine Situation schon einmal erlebt hat», meinte Formel-1-Sportchef Ross Brawn zu der Konfusion, mit der sich wie viele andere Sportarten auch die über den ganzen Globus tourende PS-Protzklasse auseinandersetzen muss.

    Australien? Abgesagt. Bahrain? Verschoben. Vietnam? Verschoben. China? Verschoben. Der einst auf 22 Grand Prix angewachsene Rennkalender ist angesichts der Pandemie eingegangen. Gerade mal 18 Events umfasst die Welttournee noch. Weniger Rennen wurden zuletzt nur 2009 gefahren, als 17 Etappen eingeplant waren. Nach derzeitigem Stand soll die Saison auch erst Ende Mai beginnen. Das bedeutet, dass die Rennen in den Niederlanden am 3. Mai und Spanien am 10. Mai wackeln. Kein Wunder, werden doch Sperrzonen in Europa eingerichtet und Massenveranstaltungen zur Vorbeugung verboten.

    Die Organisatoren in Zandvoort schrieben daher schon mal, dass sie mit dem Motorsport-Weltverband FIA und der Formel-1-Führung im Austausch über «mögliche Konsequenzen» für ihren Grand Prix stünden. Im Fall einer Verlegung würden die Tickets ihre Gültigkeit behalten, versuchten die Niederländer die Fans schon mal zu beruhigen.

    «Es ist ziemlich schwierig, die Situation wirklich vorherzusagen», meinte Formel-1-Boss Chase Carey über die vielen Neuigkeiten aus Politik und Medizin, die massgeblich seien, wenn man über die Absage eines Grand Prix entscheiden muss. Es geht dabei nicht zuletzt auch um Haftungsfragen und damit ums Geld. Spricht sich - wie in China - die Regierung gegen einen Grossen Preis aus, muss der Veranstalter nicht das üppige Antrittsgeld an die Formel 1 entrichten.

    In Melbourne gaben Formel 1, FIA und lokaler Organisator das Aus gemeinsam bekannt. Der Veranstalter wird auf jeden Fall die Kosten für die Tickets zurückerstatten. Carey & Co. hatten aber auch erst auf massiven Druck der Teams reagiert. Liberty Media, der US-Besitzer der Motorsport-Königsklasse, wird sein Premiumprodukt nun erst wieder frühestens Ende Mai präsentieren.

    Der Grand Prix von Monaco ist für den 24. Mai angesetzt. Es könnte aber sogar sein, dass erst der Grosse Preis von Aserbaidschan am 7. Juni in Baku den Startschuss markiert. Angesichts der langen Unterbrechung könnten die Teams ihre Sommerpause vorverlegen, die eigentlich zwischen Ungarn am 2. August und Belgien am 30. August vorgesehen war. In diese Phase könnten die verschobenen Grand Prix gelegt werden.

    «Der Schutz der Menschen steht an erster Stelle», verkündete FIA-Boss Jean Todt erst am Freitagnachmittag. Der ehemalige Teamchef von Michael Schumacher bei Ferrari hatte wie so viele andere Verantwortliche zu den sich überschlagenden Meldungen zur drohenden Rennabsage fast schon trotzig geschwiegen.

    Lewis Hamilton hatte da schon längst klare Worte gefunden. Wie kein anderer Formel-1-Protagonist hatte sich der sechsmalige Weltmeister öffentlich in Melbourne positioniert und sein Unverständnis über die geplante Rennfreigabe geäussert. «Schockierend» war eines der Worte, das der Mercedes-Pilot auf der Pressekonferenz benutzte. «Niemand kennt die Ausmasse dessen, mit dem wir uns gerade beschäftigen», bemerkte Hamilton nach dem Aus auf dem Albert Park Circuit. «Wir sollten aber alle Vorsichtsmassnahmen treffen, um so viele Menschen wie möglich so sicher wie möglich zu haben.»

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