Wyler: «Beim FC Aarau habe ich hoffentlich eine lange Reise vor mir»
Über zwei Jahrzehnte lang begleitete Gianni Wyler den Fussball als Journalist. Seit März arbeitet der 45-Jährige beim FC Aarau.

Das Wichtigste in Kürze
- Gianni Wyler wechselte im Frühling nach zwölf Jahren bei blue Sport zum FC Aarau.
- Im Brügglifeld leitet der 45-Jährige die Abteilung Kommunikation.
- Im Gespräch redet Wyler über den turbulenten Start und den Wechsel vom Scheinwerferlicht weg.
Acht Monate ist es her, dass Gianni Wyler den Posten als Leiter Kommunikation bei den Aarauern übernommen hat. Zu sagen, dass sich seit dem 1. März dieses Jahres viel getan hätte, wäre wohl eine Untertreibung.
Da wäre das Sportliche etwa: Wyler stiess bei Arbeitsantritt auf einen FC Aarau zwischen den Welten. Im Aufstiegsrennen auf Platz zwei war die Super League zum Greifen nahe.
Es lag an Wyler, die nicht fruchtenden Aufstiegsbemühungen nach der verspielten Führung gegen Yverdon und der Barrage-Pleite gegen GC der Öffentlichkeit zu kommunizieren.

Dazu kam abseits des Platzes der Fall des ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Markus Mahler, der sich im April aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt zurückziehen musste. Zeit zum Verschnaufen blieb keine. Neben dem Tagesgeschäft stand auch ein ereignisreicher Transfersommer an.
Ein Start ohne Welpenschutz
«Es war ein steiler Start», bilanziert auch Wyler. Doch unglücklich sei er darüber kaum gewesen. Über fehlenden «Welpenschutz» beschwert er sich nicht. Im Gegenteil: «Ich war froh, keine grosse Eingewöhnungszeit zu durchlaufen, sondern gleich mitten in die Arbeit geworfen zu werden.»
Das familiäre, ehrliche Aussenimage des Klubs, das auch in den nationalen Medien gerne bedient wird, sei «zu 1000 Prozent bestätigt» worden. Von Tag eins an habe der Verein seinen Einschätzungen und Entscheiden höchstes Vertrauen entgegengebracht.
«Das hat mir den Einstieg ungemein vereinfacht und dafür bin ich dem Verein auch enorm dankbar», sagt der 45-Jährige rückblickend.
Vom Scheinwerferlicht in den Maschinenraum
Ein Blick in die Vita Wylers lässt jedoch Fragen offen.
Warum den prestigeträchtigen Moderatorenjob im Scheinwerferlicht bei blue Sport hinter sich lassen? Warum das Privileg aufgeben, mit verdienten Fussballexperten vor der Kamera zu fachsimpeln und in den Stadien der Schweiz die grossen Namen des Fussballs vor dem Mikrofon zu befragen?
«Ich hatte einen sehr guten Job», weiss auch er und bekräftigt zugleich, dass er nie das Gefühl gehabt habe, er müsse oder wolle aktiv etwas anderes suchen.
Auch wenn im Leben Gianni Wylers vieles hinter dem Fussball zurückstehen muss, hat für den gebürtigen Zürcher die Familie erste Priorität. «Primär habe ich mir einen anderen Arbeitsrhythmus gewünscht», erzählt er.
Freie Wochenenden abseits des Fussballstadions oder TV-Studios seien eine Seltenheit geworden. Seine Frau und die drei Kinder hätten nicht die Rolle in seinem Leben gespielt, die er sich gewünscht habe.

Parallel dazu kam 2024 ein nebenberufliches Kommunikationsmandat bei der U21-Nati. Dort habe er Blut geleckt, beruflich die Seite zu wechseln – vom Scheinwerferlicht in den Maschinenraum der Fussball-Kommunikation.
Zur «Hochzeit» von Wyler und dem FCA kam es, als der ehemalige Aarau-Goalie Swen König (Goalietrainer der U-21-Nationalmannschaft, a. d. R.) den Kontakt zum heutigen Geschäftsführenden Präsidenten Sandro Burki herstellte. Ideen und Visionen überschnitten sich und machten den Transfer schliesslich perfekt.
Der Journalist hinter den Kulissen
Die Erfahrung aus rund zwei Dekaden Journalismus, davon zwölf Jahre vor der Kamera bei blue Sport, kommt Wyler auch hinter den Kulissen zugute.
Das beginne schon auf dem Rasen: «Aus eigener Erfahrung weiss ich ungefähr, welche Fragen nach Spielschluss den Spielern oder dem Trainer gestellt werden. Das hilft mir, die Protagonisten auf das Interview vorzubereiten», sagt Wyler.

Auch im Umgang mit Medienschaffenden ist er breit vernetzt und mehr als geübt. Oft spricht er unter vier Augen mit ihnen und gibt eine Information mehr preis, damit in den Medien Klarheit statt Spekulation herrscht.
Kein Heimweh nach dem Studio
Dem Beruf des Moderators, so tönt es aus den Gassen, wird ein gewisses Aufmerksamkeitsbedürfnis nachgesagt. Ob Wyler die Kamera und das Scheinwerferlicht vermisst?
«Null», antwortet er kurz und bündig. Er sei zwar extrem dankbar für die Chance und die Zeit im TV, nun sei dieses spannende Kapitel im Buch des Lebens aber nach zwölf Jahren bei blue Sport auserzählt.
Mit der Zeit habe sich eine gewisse Repetition in die Vorbereitungen auf die Sendungen eingeschlichen. Verbunden mit dem Anspruch, die vorherige Sendung immer übertrumpfen zu wollen, sorge das für ein Ungleichgewicht und eine Mischung, die so nicht mehr aufgegangen sei.
«Meinen Ehrgeiz habe ich auch andere spüren lassen. Es war nicht immer einfach, mit mir zusammenzuarbeiten», resümiert der in Bonstetten wohnhafte 45-Jährige.
Umso froher sei er nun, selbige Energie auf den FC Aarau zu fokussieren, ohne 21 andere Challenge- und Super-League-Vereine auf dem Radar haben zu müssen.
Sich seinen eigenen Namen machen
Der Name Wyler hat im Schweizer Fussball Gewicht. Gianni ist der Sohn von Kommentatorenlegende Dani Wyler, dem nach Beni Thurnheer dienstältesten Kommentator der SRF-Geschichte.
Doch Gianni schlug keinen vom Vater geebneten Weg ein. Fussball spielte eine grosse Rolle, jedoch nur in seiner Freizeit als Goalie beim FC Zürich und dem FC Bremgarten oder auf der Tribüne, übrigens auch hier und da im Brügglifeld.
«Ich versuchte mich in allen Berufsrichtungen», sagt Wyler schmunzelnd. Er arbeitete als medizinischer Masseur, absolvierte ein Praktikum in der Sozialpädagogik und probierte Weiteres aus.
Aber der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm. Durch ein Praktikum beim «Blick» trat er in den Fussballjournalismus ein und blickte bis zum März dieses Jahres nicht zurück.

In den ersten Jahren sah sich Gianni oft mit dem Vorurteil konfrontiert, von den Lorbeeren seines Vaters zu leben. «Es gab schon dieses gewisse ‹Ah, du bisch de Sohn vom…›», bestätigt er. «Doch nach ein paar Jahren kam der Punkt, wo ich mich als Gianni Wyler beweisen und meinen eigenen Weg gehen konnte.»
Zwölf Jahre bei blue Sport sprechen da eine klare Sprache. Darauf sei niemand stolzer als Papa Wyler selbst.
Erst der Anfang von etwas Grossem?
Und was steht für Aarau noch in den Büchern? Als Abteilungsleiter im Bereich Kommunikation möchte er unter anderem zusammen mit seinem Team die Fans auf diversen Kanälen noch näher an das Fanionteam bringen, den Verein in der Aussenwahrnehmung stärken und klar: wenn möglich sportliche Erfolge im Stadion Brügglifeld feiern.
Apropos Brügglifeld: Auch das 125-Jahre-Jubiläum des Vereins im nächsten Jahr ist schon rot im Kalender angestrichen. Hochgesteckte Ziele und trotzdem erst ein Anfang, wie er klar konstatiert: «Beim FC Aarau habe ich hoffentlich noch eine lange Reise vor mir.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.
| Challenge League (07.11.2026) | Sp | S | N | U | Tore | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 13 | 9 | 0 | 4 | 28:6 | 31 | |
| 2. | ![]() | 12 | 7 | 2 | 3 | 26:11 | 24 | |
| 3. | ![]() | 12 | 6 | 2 | 4 | 23:14 | 22 | |
| 4. | ![]() | 13 | 5 | 4 | 4 | 22:19 | 19 | |
| 5. | ![]() | 12 | 5 | 6 | 1 | 16:20 | 16 | |
| 6. | ![]() | 13 | 4 | 6 | 3 | 19:24 | 15 | |
| 7. | ![]() | 13 | 3 | 5 | 5 | 21:27 | 14 | |
| 8. | ![]() | 12 | 3 | 5 | 4 | 12:17 | 13 | |
| 9. | ![]() | 13 | 3 | 8 | 2 | 18:26 | 11 | |
| 10. | ![]() | 13 | 2 | 9 | 2 | 13:34 | 8 | |
| Challenge League (07.11.2026) | Sp | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 13 | 31 | |
| 2. | ![]() | 12 | 24 | |
| 3. | ![]() | 12 | 22 | |
| 4. | ![]() | 13 | 19 | |
| 5. | ![]() | 12 | 16 | |
| 6. | ![]() | 13 | 15 | |
| 7. | ![]() | 13 | 14 | |
| 8. | ![]() | 12 | 13 | |
| 9. | ![]() | 13 | 11 | |
| 10. | ![]() | 13 | 8 | |























