Wieso gewinnt GC das «Impotenz-Spiel», Olaf Janssen?
GC trifft am Samstagabend auf Schlusslicht Lausanne. Der Trainerwechsel im Waadtland mache die Vorbereitung schwieriger, sagt Trainer Olaf Janssen im Interview.

Das Wichtigste in Kürze
- GC-Trainer Olaf Janssen blickt im Nau.ch-Interview einigermassen zufrieden auf das 2:2 gegen Vaduz zurück.
- Im Hinblick auf das Kellerduell gegen Lausanne verrät der Deutsche, auf was es bei den Hoppers ankommt.
- Janssen ist zudem optimistisch, dass Samuel Krasniqi künftig noch mehr Tore für die Grasshoppers schiesst.
Vor dem zweiten Kellerduell innert einer Woche nimmt sich GC-Trainer Olaf Janssen Zeit für Nau.ch-Fussball-Chefreporter Mischi Wettstein. Im Interview blickt der Trainer auf das 2:2 gegen Vaduz und auf das bevorstehende Duell mit Lausanne am Samstagabend.

Mischi Wettstein: Wie hast du das letzte Wochenende verdaut? Eigentlich erwarteten alle einen Sieg gegen Vaduz.
Olaf Janssen: Ich hoffe, dass das alle erwartet haben – so sollte man ja auch ins Spiel gehen. Hier hatten alle das erste Duell noch im Kopf, das noch hätte deutlicher ausfallen können (Vaduz gewann im August 5:2, Anm.d.Red.).
Wenn man die Leistungen von Vaduz in dieser Saison sieht, weiss man, dass das ein sehr spezieller Gegner ist. Sie kennen ihre Sachen und haben sie automatisiert. Ihren Gegnern haben sie mit knappen Ergebnissen immer extrem viel Schwierigkeiten bereitet. Von daher wusste ich, was auf uns zukommt.
Wettstein: Welche positiven Punkte zieht man bei GC aus diesem Spiel?
Janssen: Am Ende des Tages hatten wir einen höheren «Expected Goals»-Wert. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir ein Tor schiessen, war also höher als bei ihnen. Das ist gegen diese Mannschaften nicht einfach. Von daher war ich damit zufrieden.
Wir hatten auch eine ordentliche Kompaktheit gegen den Ball. Von den beiden Gegentoren war eines ein Standard und einmal hatten wir es einfach schlecht gemacht. Ansonsten hatte Vaduz aber nur eine oder zwei Tormöglichkeiten und nicht viel mehr.

Gerade nach der Halbzeit haben wir uns dann drei, vier oder fünf sehr gute Möglichkeiten herausgespielt. Die Standards waren überragend, was nicht selbstverständlich ist, wenn man erst für so kurze Zeit zusammen ist.
Wettstein: Werden die Standards jetzt zur neuen GC-Waffe?
Janssen: Bei der Umsetzung haben die Jungs wirklich grosse Schritte gemacht. Wenn wir einen Standard haben, kann dieser zur Torchance für uns werden. Das ist für mich ganz wichtig, da rund dreissig Prozent der Tore durch Standards fallen. Wenn wir die halt liegen lassen, haben wir ein Problem. Das haben die Jungs verstanden.
Zudem sind wir zweimal in Rückstand geraten, was in unserer momentanen Situation auch nicht gerade einfach ist. Ich fand gut, dass man gesehen hat, dass die Jungs trotzdem weiter dran glauben.
Unter dem Strich fehlen uns zwei Punkte, die wir gerne gehabt hätten. Wenn ich aber sehe, wo die Mannschaft war und wo wir hinwollen, muss ich sagen: Das Spiel war völlig in Ordnung. Nach zwei Rückschlägen zurückzukommen, ist ein extrem positives Zeichen.
Wettstein: Aus meiner Sicht war das Spiel gegen Basel (0:0) für GC einfacher, weil der FCB die Automatismen noch sucht und bei Vaduz jeder weiss, was er zu tun hat. Man erkennt ein System, das so schwieriger zu knacken ist.
Janssen: Das kann ich so 1:1 unterschreiben – das hast du perfekt analysiert. Natürlich ist die individuelle Qualität in Basel, gerade in der Offensive, nochmal höher. Aber das allein heisst ja nichts – es geht darum, was eine Mannschaft daraus macht.
Da ist Vaduz weiter als Basel, weil die eben genau wissen, was sie tun. Im Vorfeld war das für mich nicht so einfach. Aber es ist auch schön, die Mannschaft genau darauf vorzubereiten.

Natürlich wollten wir unbedingt in der Super League unseren ersten Sieg unter meiner Regie. Aber auf der anderen Seite steht ein Gegner, der genau das Gegenteil erreichen will.
Wettstein: Jetzt wartet Lausanne-Sport auf GC. Die Waadtländer haben einen Trainerwechsel hinter sich. Wie stufst du die Mannschaft ein?
Janssen: Das muss man auf jeden Fall zweiteilen. Sie hatten einen schwierigen Start und transferierten einige Spieler spät, was einer Mannschaft am Ende des Tages nicht so gut tut.
Dann muss man natürlich das letzte Wochenende mit ins Kalkül ziehen. In einer solchen Drucksituation gegen den amtierenden Meister Thun bis zur 70. Minute 4:1 zu führen, ist ja eigentlich Wahnsinn.
Da dachte man: Boah, jetzt haben sie den Bock umgestossen. So ein Spiel dann 5:4 zu verlieren – das ist wie ein Weltuntergang. Das kann sich nicht anders anfühlen.

Diese Woche haben sich die Vorzeichen verändert durch den Trainerwechsel, der aus sportlichen Gründen irgendwie auch nachvollziehbar ist. Damit haben wir aber natürlich gar nicht gerechnet.
Dass Ludovic Magnin an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt, wo er einen sehr erfolgreichen Weg bestritten hat, ist aus meiner Sicht der entscheidende Faktor.
Wettstein: Was bedeutet der Trainerwechsel für die Spielvorbereitung?
Janssen: Für uns heisst das: Alles, was wir vorher gesehen haben, können wir eigentlich in die Mülltonne klopfen – oder sollten wir auf jeden Fall. Es ist klar, dass der Trainerwechsel – gerade, weil es Magnin ist – in der Mannschaft etwas auslösen wird. Nach dem Motto: Wir können jetzt eigentlich nur noch gewinnen.
Schlimmer hätte es ja aber auch nicht mehr kommen können. Ein solches Spiel wie gegen Thun wünscht man keiner Mannschaft. Auch ich als gegnerischer Trainer nicht, weil ich nachfühlen kann, was das bedeutet.

Wir sollten uns also darauf einstellen, dass wir auf eine Mannschaft treffen, die jetzt nichts mehr zu verlieren hat. Magnin wird die heiss machen und sagen: Jungs, wir sitzen zwar ganz zuunterst in der Tabelle, aber am Ende des Tages ist das nicht entscheidend. Entscheidend ist, was jetzt kommt.
Wettstein: Rechnest du mit taktischen Anpassungen unter Ludo Magnin?
Janssen: Was die Vorbereitung weiter verkompliziert, ist der Umstand, dass Lausanne im Laufe der Saison das System von Vierer- auf Fünferkette geändert hat. Magnin hingegen hatte in den letzten Jahren als Trainer eigentlich einen ganz anderen Plan. Da können wir davon ausgehen, dass sie das System und die Einstellung ändern werden.
Es wird wichtig sein, dass wir uns nicht massgeblich vom Tabellenstand oder diesen Umständen beeinflussen lassen. Wir können nicht beeinflussen, mit welcher Einstellung, welchem Mut, welcher Überzeugung oder welchem Spielsystem der Gegner auf dem Platz sein wird.
Wir versuchen stattdessen, unseren Jungs Eventualitäten aufzuzeigen. Am Ende wird es darum gehen, wie wenig uns das innerlich interessiert und wie sehr wir auf uns fokussiert sind.
Wettstein: Ein Lösungsansatz in der Offensive wäre, dass Samuel Krasniqi seine zahlreichen Chancen nutzt. Legt er Zusatzeinheiten ein?
Janssen: Samuel macht mir richtig Spass. Und ja, er hat einen unglaublichen Abschluss mit links und rechts. Ich bin mir relativ sicher, dass er die Schritte gehen wird und die totale Überzeugung hat, dass der Torwart gegen seinen Abschluss nichts machen kann.

Das kriegt er hin, da mache ich mir keine grösseren Sorgen. Man darf nicht vergessen, wie jung der Spieler noch ist – und wie weit trotzdem schon.
Wettstein: Lausanne hat bislang elf Törchen geschossen, GC deren 15. Meine Frage deshalb: Wieso gewinnt GC dieses «Impotenz-Spiel»?
Janssen: Im letzten Spiel waren wir extrem stabil. Es geht darum, wie hungrig und leidensfähig wir sind, um unseren ersten Sieg in der Super League einzufahren. Da habe ich Vertrauen in meine Mannschaft. Sie wird brennen und zeigen, dass sie wieder einen Schritt nach vorne gemacht hat.
Gegen Lausanne erwartet uns ein Abnutzungskampf. Ich glaube, dass wir bereit sind und den Sieg mit unserer Einstellung und dem unbedingten Willen über die Ziellinie bringen.
| Super League (06.11.2026) | Sp | S | N | U | Tore | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 12 | 11 | 0 | 1 | 36:10 | 34 | |
| 2. | ![]() | 12 | 7 | 1 | 4 | 38:23 | 25 | |
| 3. | ![]() | 12 | 7 | 3 | 2 | 25:18 | 23 | |
| 4. | ![]() | 12 | 6 | 4 | 2 | 25:26 | 20 | |
| 5. | ![]() | 12 | 6 | 5 | 1 | 19:22 | 19 | |
| 6. | ![]() | 12 | 5 | 6 | 1 | 17:16 | 16 | |
| 7. | ![]() | 12 | 4 | 6 | 2 | 18:22 | 14 | |
| 8. | ![]() | 12 | 3 | 5 | 4 | 19:25 | 13 | |
| 9. | ![]() | 12 | 4 | 7 | 1 | 24:34 | 13 | |
| 10. | ![]() | 12 | 3 | 8 | 1 | 24:25 | 10 | |
| 11. | ![]() | 12 | 2 | 6 | 4 | 15:28 | 10 | |
| 12. | ![]() | 12 | 1 | 8 | 3 | 11:22 | 6 | |
| Super League (06.11.2026) | Sp | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 12 | 34 | |
| 2. | ![]() | 12 | 25 | |
| 3. | ![]() | 12 | 23 | |
| 4. | ![]() | 12 | 20 | |
| 5. | ![]() | 12 | 19 | |
| 6. | ![]() | 12 | 16 | |
| 7. | ![]() | 12 | 14 | |
| 8. | ![]() | 12 | 13 | |
| 9. | ![]() | 12 | 13 | |
| 10. | ![]() | 12 | 10 | |
| 11. | ![]() | 12 | 10 | |
| 12. | ![]() | 12 | 6 | |
























