GC – Captain Abrashi: «Geniesse jeden Tag umso mehr»
Am Samstag bestreitet er gegen Vaduz sein 302. Spiel für GC: Hoppers-Legende Amir Abrashi (36) erklärt, woher er seine Energie nimmt.

Das Wichtigste in Kürze
- GC-Urgestein Amir Abrashi biegt in seinen Karriereendspurt ein.
- Der 36-Jährige steht bereits bei 301 Spielen für seine Hoppers.
- Am Samstag trifft er mit seinem Team im Keller-Duell auf den FC Vaduz.
Mittwochmorgen, vergangene Woche. Trainings-Campus des 27-fachen Fussballmeisters GC in Niederhasli. Es ist nur 9 Grad Celsius bei Dauerregen.
Die Stars des seit Jahren kriselnden Stadtzürcher Vereins sind beim Aufwärmprogramm: Kurz-Sprints, Slalomläufe mit kleinen Hürden als Hindernisse. Einer geht immer voran: Ur-Hopper Amir Abrashi (36), der beim 8:0-Cupsieg in Grenchen sein 300. Pflichtspiel für GC bestritt, pusht die jüngeren Mitspieler.
Auch beim darauffolgenden internen Trainingsspiel, das im Nieselregen nur zwei Zuschauer verfolgen, gibt der Senior Vollgas.
Amir Abrashi: «Stehe mit Freude auf dem Platz»
Woher nimmt der nur 1,72 m grosse Mittelfeldspieler im hohen Fussballeralter seine schier unerschöpfliche Energie? Abrashi: «Wenn Du weisst, dass das Ende Deiner Karriere bevorsteht, geniesst Du jeden Tag umso mehr. Es macht mir Freude, auf dem Platz zu sein.»
Abrashi weiter: «Die Geburt unserer Tochter Amaya im Mai hat mir zusätzlich Energie gegeben.» So habe er etwa heute im Training fast neun Kilometer geschafft.

Abrashi scheint so fit wie selten zuvor in seiner Karriere. Er verrät: «Seit der letzten Barrage habe ich fünf Kilo abgenommen. Ich habe damals zu viel Pasta und auch zu viele Saucen gegessen.» Wadenbeisser, Pitbull, Terrier – der defensive Mittelfeldspieler hat viele Übernamen.
Welcher gefällt ihm am besten? Abrashi: «Pitbull.» Den Namen verbinden viele Leute aber mit negativen Geschichten.

«Ich bin einer, der auf dem Platz beisst, aber niemanden verletzt.» 80 Verwarnungen, drei Gelb-Rote und vier direkte Platzverweise stehen in Abrashis Statistik.
Trainer wären gut beraten, den Captain jeweils vom Platz zu nehmen, wenn er erstmals im Spiel Gelb sieht. Denn: Abrashi kann definitiv nicht mit angezogener Handbremse spielen.
16 Trainer für Abrashi
Apropos Trainer: 16 (!) hat er seit seinem Wechsel vom FC Winterthur 2010 zu GC erlebt. Und das, obwohl er von 2015 bis 2021 in der Bundesliga beim SC Freiburg (und ein halbes Jahr beim FC Basel) spielte. Den einzigen Titel feierte Abrashi mit GC 2013: Cupsieg gegen den favorisierten FCB.
Wie wird ein Sohn kosovarisch-albanischer Einwanderer im thurgauischen Bischofszell mit dem GC-Virus infiziert? «Mit den D-Junioren des FC Bischofszell besuchten wir ein Heimspiel von GC, damals noch im Hardturm.» Das war in der Saison 2000/01, als die Hoppers zum vorletzten Mal Meister wurden.

An den Gegner und das Resultat mag er sich nicht mehr erinnern. «Aber GC hatte damals eine gute Phase, das prägt Dich eher.» Unter Trainer Ciri Sforza macht Abrashi im Juli 2010 beim 1:1 gegen Xamax sein erstes Super-League-Spiel.
Ein Kreuzbandriss wirft ihn im September 2011 zurück. Beim 2:0 gegen den FC Luzern Mitte August 2012 gelingt ihm das erste Meisterschaftstor. «Der dümmste Jubel aller Zeiten», titelt der Autor damals.
Der Grund: Beim Jubeln fällt ihm Teamkollege Toko (heute Trainer von SC YF-Juventus) von hinten um den Hals und trifft ihn dabei unglücklich am Fussgelenk. Mit einem Anriss des Syndesmosebandes muss der Torschütze ausgewechselt werden.
Mit GC dreimal dem Abstieg entronnen
Dreimal in Folge übersteht er mit den Hoppers zuletzt in extremis die Barrage. Unvergessen die Bilder des blutenden Abrashi, der von Aaraus Obexer voll im Gesicht getroffen wurde.

Abrashis Platzwunde an der Lippe wurde noch auf dem Feld genäht, der Aarauer flog vom Feld, GC zog mit dem einbandagierten Abrashi den Kopf aus der Schlinge.
Beim 299. Spiel bekommt Abrashi Mitte Oktober gegen YB im Letzigrund erstmals Besuch von Töchterchen Amaya. Seine Frau monierte danach, er habe sich darüber gar nicht richtig gefreut. Abrashi: «Sie hat’s nicht verstanden, ich kann mich nach einer 0:2-Niederlage doch nicht freuen.»
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Beim 0:0 am vergangenen Samstag im Basler Joggeli kann Abrashi aber strahlen. Bei Nau.ch sagt er: «Wir haben gut und solidarisch dagegengehalten. Wir haben wieder einen Schritt vorwärts gemacht.»
Am Samstag geht es für die Hoppers und seinen Captain mit einem Heimspiel gegen Vaduz weiter. Anpfiff im Letzigrund ist um 18 Uhr.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.












