Erst Vorstandslehrling, dann Chef: Oliver Kahn kehrt zum FC Bayern zurück. Im Januar legt der frühere Kapitän los. Nach zwei Jahren löst er Karl-Heinz Rummenigge an der Spitze ab. Der nächste Wunsch des scheidenden Uli Hoeness geht damit in Erfüllung.
Oliver Kahn wird Karl-Heinz Rummenigge 2022 als Vorstandschef des FC Bayern München ablösen. Foto: Matthias Balk
Oliver Kahn wird Karl-Heinz Rummenigge 2022 als Vorstandschef des FC Bayern München ablösen. Foto: Matthias Balk - dpa-infocom GmbH
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Das Wichtigste in Kürze

  • «Titan» Oliver Kahn soll bei seiner spektakulären Bundesliga-Rückkehr wieder eine Ära beim FC Bayern München prägen.

Diesmal aber nicht in kurzen Sporthosen und mit Handschuhen, sondern in Sakko und Hemd.

Mehr als elf Jahre nach seinem Abschied aus dem Tor des deutschen Fussball-Rekordmeisters bekommt der 50-Jährige vom 1. Januar 2020 an einen Platz in der Chefetage. Nach zwei Jahren als Vorstandsneuling soll er dann den Posten als Bayern-Boss des am 31. Dezember 2021 ausscheidenden Karl-Heinz Rummenigge übernehmen. Der Fünfjahresvertrag für Kahn ist ein gewaltiger Vertrauensvorschuss.

«Oliver Kahn kennt den Fussball, er kennt die Wirtschaft und er trägt die DNA des FC Bayern in sich», schwärmte Uli Hoeness, nachdem er sich den nächsten Wunsch für seine Bayern-Zukunft erfüllt hatte. Der langjährige Kapitän bringt nicht nur eine glorreiche Vergangenheit als Profi und grossen Fussball-Sachverstand mit, sondern kann auch auf eine erfolgreiche Vita nach der aktiven Karriere verweisen. «Da ist eine grossartige Entwicklung zu sehen», lobte Hoeness.

Zudem kennt Kahn als früherer Adidas-Werbestar Herbert Hainer bestens. Der langjährige Adidas-Boss, designierter Bayern-Präsident und Aufsichtsratschef, verhandelte zusammen mit Hoeness mit Kahn.

Kahn ging nach der Sportlerlaufbahn bewusst nicht den klassischen Weg nahtlos in ein neues Club-Amt. Er wollte Abstand vom Profi-Business. Er bildete sich bei seinen Managementkenntnissen weiter, baute eigene Unternehmen auf. Als ZDF-Experte gewann er an Profil. Der Blick von aussen auf den Fussball brachte ihn persönlich weiter. Kahn sei «ein sehr reflektierender Mensch», sagte Hoeness. Als EM-Experte bleibt Kahn im ZDF dabei, bei Bayern-Spielen wird er nicht mehr eingesetzt.

Die Bayern-Verpflichtung hatte sich seit längerem abgezeichnet. «Ich bin mit dem Verein tief verbunden, er hat mein Leben sehr stark geprägt», äusserte Kahn. «Sportlicher und wirtschaftlicher Erfolg, Verbundenheit mit den Fans, Verantwortung gegenüber der Geschichte und den Werten des Vereins – dafür steht der FC Bayern.» Dafür soll der Club auch mit Kahn als Vorstandsboss stehen.

Der mit Weltklasseleistungen zum Torwart-«Titan» aufgestiegene Kahn spielte von 1994 bis 2008 für Bayern. Er feierte acht Meistertitel, sechs Pokalsiege und triumphierte im Jahr 2001 in der Champions League. Im Nationaltrikot führte Kahn die DFB-Elf bei der WM 2002 fast im Alleingang ins Endspiel, in dem er folgenschwer patzte.

Ein wichtiger Schritt zur Karriere nach der Karriere war die WM 2006. Ohne öffentlich zu murren setzte er sich nach seiner Degradierung durch Bundestrainer Jürgen Klinsmann auf die Bank. Als er dem Rivalen Jens Lehmann dann auch noch viel Glück für das Elfmeterschiessen im Viertelfinale gegen Argentinien wünschte, liess es der meist verbissene Kahn menscheln. Das brachte ihm grossen Sympathien ein.

«Wir haben hier jemanden, der den Fussball als Torwart auf allerhöchstem Niveau erlebt hat und zugleich in der Lage ist, im wirtschaftlichen Bereich seinen Mann zu stehen», pries Hoeness den neuen starken Mann im Club. Rummenigge, seit 2002 Vorstandschef, ist auch von Kahn überzeugt: «Er war ein grosser Spieler, hat Ahnung vom Fussball und hat sich auf seinem zweiten Bildungsweg mit Finanzen und der Wirtschaft seriös auseinandergesetzt.» Der Übergang von Rummenigge zu Kahn soll laut Hoeness nicht formell erfolgen, sondern fliessend ablaufen, sagte Hoeness.

In den Herzen der Fans blieb Kahn auch ohne Bayern-Amt, was bei den zuletzt jährlichen Meisterfeiern beim Aufmarsch der Club-Legenden durch tosenden Jubel für den Torwart deutlich wurde. Sie lieben ihn auch wegen seiner «Weiter, weiter, immer weiter»-Mentalität.

Legendär sind seine einst aufbrausenden Auftritte: Eine Knabberei im Gesicht von Heiko Herrlich, ein Kung-Fu-Tritt in der Nähe von Stéphane Chapuisat, ein Nackengriff bei Thomas Brdaric oder das Wachrütteln des unaufmerksamen Mitspielers Andreas Herzog.

Mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der selbst mit einem Vorstandsposten liebäugelt, feierte Kahn einst grosse Erfolge. «Ich würde gerne mit Olli im Anzug nochmal die Champions League gewinnen», orakelte Salihamidzic schon mit Blick auf weitere Trophäen. Wie einst auf dem Platz ist Kahn bald wieder sein Chef.

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