FC Thun ist Meister – so haben Fans und Verein gefeiert
128 Jahre nach der Vereinsgründung ist der FC Thun erstmals Schweizer Meister – und das Berner Oberland steht Kopf. Das Protokoll einer historischen Partynacht.

Das Wichtigste in Kürze
- Der FC Thun ist 128 Jahre nach der Vereinsgründung erstmals Schweizer Meister.
- Tausende Fans feierten in der Stockhorn Arena, beim Fanmarsch und auf dem Rathausplatz.
- Die Stadt Thun bewilligte eine Freinacht – die Party zog sich bis in die Morgenstunden.
Es ist das vielleicht grösste Märchen der Schweizer Fussballgeschichte: Vor einem Jahr noch in der Challenge League, jetzt Meister. Der FC Thun hat am Sonntag erstmals seit der Vereinsgründung 1898 den Titel geholt. Und das, ohne dabei selbst auf dem Platz zu stehen.
Die Berner Oberländer wurden im vierten Anlauf «Sofa-Meister», als sich Sion in St. Gallen durchsetzte. Ab dem Schlusspfiff war das ganze Oberland nicht mehr zu halten – hier das Protokoll einer rauschenden Nacht:
15.53 Uhr – Der erlösende Schlusspfiff für den FC Thun
Stille. Anspannung. Dann der Knall. Mit dem Schlusspfiff im Kybunpark erstarrt die brechend volle Stockhorn Arena für einen Wimpernschlag – ehe die Lawine losbricht.
Tausende rotweisse Kehlen explodieren gleichzeitig, Bierbecher fliegen durch die Luft, fremde Menschen liegen sich heulend in den Armen.
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16.15 Uhr – Verkehrte Welt im Stadion
Was für ein irres Bild: Auf dem Bildschirm laufen die Akteure, auf dem heiligen Rasen tanzen die Fans. Spieler und Anhänger des FC Thun feiern Schulter an Schulter. Ein wogendes rotes Meer aus Schals, Fahnen und glücklichen Gesichtern.
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Captain Marco Bürki nimmt sich Zeit für jeden, Stürmer Elmin Rastoder wirbelt mit einer von einem Fan gebastelten Papp-Pokal-Attrappe herum. Der FC Thun feiert Historisches!
Champagner fliesst in Strömen, Trainer Mauro Lustrinelli wird auf Schultern getragen, während die Kurve unermüdlich skandiert: «Lustrinelli, Lustrinelli, olé!»
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17.20 Uhr – Der Fanmarsch des FC Thun durchs Oberland
Ein nicht enden wollender roter Strom wälzt sich vom Stadion Richtung Innenstadt. Tausende Anhänger! Kinder auf den Schultern der Väter, Grossmütter mit Schal und Treichel, Junge mit bengalischen Fackeln – ziehen gemeinsam los.
Der Fanmarsch des FC Thun reklamiert die Strassen der Stadt kurzerhand für sich: Durch die Burgerallmend, unter dem Milchbrüggli beim Bahnhof hindurch, hinein in die malerische Altstadt mit der Oberen Hauptgasse.
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Parallel dazu rollt ein lautstarker Autokorso über die Frutigenstrasse. Hupend, schreiend, mit aus den Fenstern hängenden Vereinsfahnen des FC Thun.
18.15 Uhr – Der Rathausplatz quillt über
Längst rappelvoll, kein Durchkommen mehr. Der historische Rathausplatz verwandelt sich in ein einziges, pulsierendes rotweisses Stimmungsmeer. Sogar das majestätische Schloss Thun, sonst die unbestrittene Postkarten-Attraktion, rückt trotzig in den Hintergrund.
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Bierdunst, Konfetti, Gesänge. Die Stimmung kippt zwischen ungläubigem Staunen und purer Ekstase. Derweil schielen alle Augen sehnsüchtig in Richtung Bahnhofstrasse, wo gleich der Mannschaftsbus auftauchen soll.
18.50 Uhr – Die Helden des FC Thun rollen ein
Da ist er! Unter ohrenbetäubendem Jubel kurvt der Mannschaftsbus durch die engen Gassen der Altstadt und biegt auf den Rathausplatz ein. Tosender Applaus, ergreifende Fangesänge, Tränen der Rührung.
Captain Marco Bürki – Spitzname «Tätschmeister» – steigt als Erster aus, dahinter die ganze Equipe.
Innert Minuten klettern Matoshi, Labeau, Franke und Meichtry auf die zweite Etage des steinernen Rathausbrunnens und lassen sich frenetisch feiern. Imeri und Labeau tanzen ausgelassen, Lustrinelli reisst das Mikrofon an sich, putscht die Menge auf.
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19.30 Uhr – Die Stadt wird zum Open-Air-Festival
Die offizielle Bühnenparty löst sich allmählich auf, doch von Heimgehen keine Spur. Im Gegenteil: Die Anhänger schwärmen aus, fluten die Restaurants, Bars und Strassencafés zwischen Aare und Schloss.
Auf jeder Terrasse wird angestossen, in jeder Beiz rollt der Bass, an jeder Strassenecke wird das Meisterlied angestimmt. Die Stadt hat eigens eine Freinacht bewilligt – heute gibts kein Sperrstunden-Limit, heute wird durchgemacht.
20.17 Uhr – Die Party kocht in der Altstadt
Längst ist aus dem stillen Berner Oberländer Städtchen ein einziges, ohrenbetäubendes Open-Air-Festival geworden. Pyro-Rauch zieht durch die schmalen Gassen, dichte rotweisse Fahnen flattern in der lauen Frühlingsluft, an jeder Ecke wird angestossen.
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21.07 Uhr – Der Rathausplatz lichtet sich – die Bars füllen sich
Allmählich verteilt sich der gewaltige Menschenstrom in alle Richtungen. Der Rathausplatz, eben noch hoffnungslos überfüllt, lichtet sich Schritt für Schritt – doch von Schluss kann keine Rede sein. Die Party verlagert sich in die unzähligen Bars, Beizen und Kneipen der Innenstadt.
Drinnen brodelt die Stimmung weiter. Draussen rollen weiter unermüdliche Hupkonzerte durch die ansonsten so beschaulichen Gassen. Auch die Spieler haben noch lange nicht genug Energie verbraucht Sie tragen die historische Meisterfeier bis tief in die Nacht.
22 Uhr und darüber hinaus – Freinacht in der Berner Oberländer Hauptstadt
Die offizielle Sperrstunde? Heute aufgehoben. Bis weit in die frühen Morgenstunden gibt es kein Limit. Die Stadt Thun hat eigens eine Freinacht bewilligt.
In den Strassen klingt das Echo eines Märchens nach: Vor genau 366 Tagen kickten die heutigen Meisterhelden noch in der zweithöchsten Spielklasse. Jetzt sind sie ganz oben angekommen.
Die Mannschaft selbst soll sich noch lange in den Lokalen der Innenstadt unter die feiernden Fans gemischt haben.
Ausblick: Die offizielle Feier folgt erst noch
Den «echten» Meisterpokal halten Bürki und Co. übrigens noch nicht in den Händen. Die Übergabe erfolgt erst nach dem letzten Heimspiel am 14. Mai gegen Kantonsrivale YB.
Die grosse offizielle Meisterfeier steigt dann am 15. Mai auf dem Stadthofplatz. Auch für diesen Abend hat die Stadt eine zweite Freinacht bewilligt. Thun ist im Ausnahmezustand – und bleibt es noch eine ganze Weile.



















