Gstaad-Palace-Küchenchef will Ruhe und den Prix-Walo nicht gewinnen

Die SRF-Serie «Inside Gstaad Palace» ist für den Prix-Walo nominiert. Küchenchef Franz Faeh freut sich, doch der Rummel ist ihm fast zu viel.

Franz Faeh
Für einmal nicht in der Palace-Küche, sondern über den Dächern von Zürich: Franz W. Faeh sprach mit Nau.ch über SRF-Rummel, Abschied und sein Buch. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Der SRF-DOK «Inside Gstaad Palace» ist für den Prix-Walo nominiert.
  • Culinary Director Franz Faeh fürchtet bei einem Sieg neuen Trubel.
  • Durch die Sendung wurde der Küchenchef «plötzlich zum Star».
  • Ende September hat Faeh seinen letzten Arbeitstag im Gstaad Palace.

Franz Faeh (64) stand fast 50 Jahre in der Spitzengastronomie. Im Gstaad Palace kochte er für Superreiche, Stammgäste und internationale Hotelkundschaft.

Durch den SRF-DOK «Inside Gstaad Palace» wurde der langjährige Culinary Director plötzlich selbst bekannt. Die vierteilige Serie ist nun für den 50. Prix-Walo 2026 nominiert.

Für Faeh ist das nicht nur erfreulich. Denn der Rummel um seine Person ist ihm spürbar zu viel.

«Plötzlich zum Star geworden»

Faeh selbst war vom Erfolg der Serie überrascht. Im Interview mit Nau.ch sagt er, er habe zwar gewusst, was SRF im Palace gefilmt habe. «Aber ich habe nicht gewusst, was rauskommt.»

Dann ging alles schnell. Durch die Sendung sei er «plötzlich zum Star geworden», erzählt der Culinary Director. Darauf hingearbeitet habe er nie.

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Mit den Gästen solle man sich lieber nicht anfreunden, sagt der Kulinarik-Chef Franz Faeh. - SRF

Für Faeh liegt der Erfolg des DOK gerade in ihrer Echtheit. «Wir sind so rübergekommen, wie wir sind.» Es habe keine künstliche Inszenierung gegeben, keine glattgebügelte Hotel-Fassade.

Auch vom Management habe es keine engen Vorgaben gegeben. Der Patron habe dem Team vertraut: «Ihr seid Palace-Mitarbeiter, ihr wisst haargenau, was ihr dürft und was nicht.»

In Zürich wird Faeh erkannt

Die neue Bekanntheit spürt Faeh inzwischen auch ausserhalb von Gstaad. Im Dorf sei es noch anders, weil ihn die Einheimischen ohnehin kennen würden.

Doch in grösseren Städten werde er erkannt. «Nach Thun oder Bern kann ich nicht gehen und auch nach Zürich nicht», sagt Faeh.

Ein Erlebnis an der Zürcher Bahnhofstrasse blieb ihm besonders hängen. Dort habe ihn ein älteres Ehepaar angesprochen und ihn direkt erkannt.

Auch beim auswärts Essen kommt Faeh kaum zur Ruhe. In seinen Lieblingsrestaurants sässen oft auch seine Gäste. Dann müsse er mit ihnen etwas trinken, reden und «pläudere».

Prix-Walo könnte neuen Trubel auslösen

Nun könnte der Rummel nochmals von vorne beginnen. Der SRF-DOK «Inside Gstaad Palace» ist am nächsten Samstag für den 50. Prix Walo nominiert.

Ein Sieg wäre für SRF und das Gstaad Palace eine grosse Auszeichnung. Für Faeh selbst wäre er aber offenbar nicht nur angenehm.

«Wenn die Sendung gewinnt, dann merci vielmal», sagt er gegenüber Nau.ch

Der Grund: Mit einem Prix-Walo-Sieg würde die Aufmerksamkeit rund um das Gstaad Palace wohl nochmals aufflammen. Für Faeh wäre das kein einfacher Moment. «Dann fängt der ganze Trubel wieder von vorne an.»

Auch seine Frau will der Spitzenkoch bewusst aus der Öffentlichkeit heraushalten. Sie wolle nicht an entsprechende Anlässe mitkommen. Für ihn selbst sei die Aufmerksamkeit weniger schlimm. Für sie sei es störender.

Zuhause gibts auch mal einen Cervelat-Salat

Trotz Luxusküche kocht Faeh auch privat noch gerne. «Ich koche gerne zuhause», sagt er. Dazu gehöre ein schönes Glas Wein mit seiner Frau.

Auf den Teller komme dann alles Mögliche. «Das ist von Oberluxus zum Luxus, zur Normalität, zum Cervelat, alles», sagt Faeh.

Bist du gut in der Küche?

So ist es auch mal möglich, dass er einen einfachen Cervelat-Salat macht. Eine Geheimzutat gebe es nicht. «Das ist ein ganz normaler», sagt Faeh. Einfach etwas anders abgeschmeckt, damit er nicht langweilig sei.

Seine Frau koche dagegen kaum für ihn. Faeh sagt mit einem Lachen: «Sie hat Angst, vor mir zu kochen.»

Ende September ist Schluss

Ende September hat Faeh seinen letzten Arbeitstag im Gstaad-Palace. Wie sich der Abschied anfühlt, könne er noch nicht richtig sagen.

«Im Moment bin ich noch voll im Jus», sagt Faeh. Die letzte Saison wolle er sauber zu Ende bringen. «Das, was du dir aufgebaut hast, musst du dir jetzt nicht kaputt machen in der letzten Saison.»

Franz Faeh
Franz W. Faeh prägte fast 50 Jahre lang die Küche des Gstaad Palace. Ende September ist für den Culinary Director Schluss. - SRF

Der letzte Arbeitstag dürfte trotzdem emotional werden. «Es wird sicher hart sein für mich, Ende September zu sagen: Tschau zusammen.»

Ganz weg ist Faeh danach aber nicht. Er werde weiterhin Mandate für das Hotel haben. Wenn ein spezieller Gast etwas brauche oder jemand wissen wolle, wie er etwas gemacht habe, könne er helfen.

«Das ist mein Zuhause»

Für Faeh bleibt das Palace auch nach seinem Abschied wichtig. «Das ist mein Zuhause», sagt er. Die Türen seien immer offen.

Für seine Nachfolge sei vieles vorbereitet. «Zu 90 Prozent ist alles schriftlich niedergelegt», sagt Faeh. Sein Nachfolger wisse genau, wo er bestellt habe und wie er gearbeitet habe.

Gstaad-Palace
Das Gstaad Palace gehört zu den bekanntesten Luxushotels der Schweiz. Die SRF-DOK «Inside Gstaad Palace» ist für den Prix Walo nominiert. - SRF

Im Sommer will Faeh mit ihm eine Tour durch die Schweiz machen. Dort stellt er ihn seinen Lieferanten und Kontakten vor. Danach könne der Nachfolger selbst entscheiden, mit wem er weiterarbeiten wolle.

Am meisten vermissen werde Faeh wohl seine Mitarbeitenden. «Das ist wie eine grosse Familie für mich.»

Eine grosse öffentliche Abschiedsfeier will er trotzdem nicht. «Ich will keine Medien, ich will gar nichts», sagt Faeh. Gewünscht sei ein Abschied im engsten Kreis.

Buch «Palace Retour» erschien im März

Seine Geschichte hat Faeh bereits festgehalten. Im März erschien im Weber Verlag sein Buch «Palace Retour».

Ein klassisches Kochbuch sei es aber nicht, sagt Faeh. «Es ist kein Rezeptbuch, es ist keine Biografie, es ist eine Reise von mir.»

Darin blickt er auf seine Laufbahn zurück: vom Start im Palace über spätere Stationen bis zur Rückkehr als Chef.

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Kommentare

User #2143 (nicht angemeldet)

SRF ist halt eine Wohlfühloase für die Journis. Für den Küchenchef und sein Personal ist es eine knallharte Arbeit.

User #2448 (nicht angemeldet)

Ein Mann mit Leidenschaft, Rückgrat und Eken. Und doch Mensch geblieben ohne Alürren. Alles Gute und vil gfreuts.

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