Erni Maissen: «Lichtsteiner ist als FCB-Trainer schon gescheitert»
Verwechselt er die Profis des FCB mit Junioren? Stephan Lichtsteiner ist mit seiner Art beim FCB krachend gescheitert, schreibt Nau.ch-Kolumnist Erni Maissen.

Das Wichtigste in Kürze
- Erni Maissen sieht das Trainer-Experiment mit Stephan Lichtsteiner als gescheitert an.
- «Er geht mit den Profis um wie mit den Junioren – das funktioniert nicht.»
- Das Kader sei klar ungenügend. Wenn die Mannschaft aber auch noch mit Kämpfen aufhört...
Eine Szene geht mir von der 2:4-Niederlage gegen Luzern nicht mehr aus dem Kopf. Nach dem Ausgleich pfeift Stephan Lichtsteiner den eingewechselten Marin Soticek an die Seitenlinie.
Lichtsteiner hat die Tafel in der Hand, fuchtelt wild herum und schreit den 21-Jährigen an. Wenn Blicke töten könnten...
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Was ich befürchtet habe, ist eingetroffen. Lichtsteiner behandelt die Profis des FCB wie Junioren. Das kann nicht funktionieren. Niemand findet es toll, wenn man wie ein Schulbub runtergekanzelt wird.
«Unterirdisch»: Lichtsteiner vergreift sich im Ton – und ist schon gescheitert
Was dann passiert, ist nicht verwunderlich. Die verunsicherte Mannschaft macht nicht nur Fehler en masse, sie hört auch noch auf zu kämpfen. Und geht unter.
Nach der Partie vergreift sich Stephan Lichtsteiner im Ton. Die Mannschaft habe zu Beginn «nicht ein Mal das gemacht, was wir besprochen haben».
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Worte wie «unterirdisch», die wählt man in der Garderobe. Aber öffentlich? Ein No-Go. Er ist es, der die Mannschaft eingestellt hat – es ist seine Mannschaft, die den Betrieb plötzlich einstellt.
Die langersehnte, erste volle Woche, die Trainer und Mannschaft zusammenarbeiten konnten, ist vorbei. Und es folgt die schlechteste Leistung.
Für mich ist klar: Stephan Lichtsteiner ist als Trainer des FCB schon gescheitert. Die Mannschaft hört ihm offensichtlich nicht (mehr) zu.
Der FCB hört auf zu kämpfen
Die anderen Baustellen sind bekannt. Dass das Kader nicht gut ist, ist ein Fakt. Wenn der FCB wechseln muss, wird man schlechter.
Es kommen Schönwetter-Fussballer wie Duranville, Schlafwagen-Fussballer wie Koindredi oder Torlos-Stürmer Broschinski. Sowie der zuletzt länger verletzte Metinho oder Auf-und-Ab-Kicker Soticek.
Hier kann Lichtsteiner nichts dafür. Er ist aber dafür verantwortlich, dass auf dem Platz jeder Spieler unbedingt Tore verhindern will.
Beispiel Léo Leroy. In diesem Alter lernt man fussballerisch nichts mehr. Kicken kann man – oder man kann es nicht.
Aber wenn ich sehe, wie sich der Franzose beim letzten Gegentor einfach ergibt und dem Gegner den Ball auflegt. Dann habe ich grosse Fragezeichen.
Der fragwürdige Umgang mit Albian Ajeti
Fragezeichen gibt es auch um die Personalie Albian Ajeti. Er fehlt einmal im Aufgebot, spielt dann von Anfang an, jetzt muss er wieder auf die Tribüne.
Nein, Ajeti spielt sicher keine gute Saison. Doch auch hier ist es falsch, wie Lichtsteiner ihn behandelt. Ajeti weiss nicht einmal, ob er im nächsten Spiel auf dem Platz, auf der Bank oder auf der Tribüne ist. Sein letztes Stückchen Selbstvertrauen ist auch noch weg.

So verunsicherst du als Trainer Spieler. Auch hier: Ein Anfänger-Fehler von Lichtsteiner. Das ist nicht, wie man mit Profis umgeht. Umso mehr, wenn man weiss, dass der FCB im Sturm kaum Alternativen hat.
«...dann hätte er direkt nach Wettswil weiterfahren können»
Zu guter Letzt kann man auch die Szene von Lichtsteiner selbst nicht unkommentiert lassen. Nach dem Einbruch seines Teams in der Schlussphase verschwindet der Ex-Nati-Captain kurzzeitig in die Katakomben.
«Es war ein persönliches Problem», so seine rätselhafte Erklärung.
Was auch immer es war: So etwas habe ich noch nie gesehen. Gut für Lichtsteiner, dass er sich entschieden hat, zurück in die Coaching Zone zu kommen. Ansonsten hätte er direkt nach Wettswil weiterfahren können.
Erni Maissen
Zur Person:
Erni Maissen absolvierte 406 Spiele für den FCB, erzielte dabei 142 Tore.
Damit liegt er an dritter Stelle, einzig Marco Streller und Seppe Hügi schossen noch mehr Tore. In Basel ist der 68-Jährige bis heute eine Legende.
Bereits als Spieler hat der ehemalige Stürmer seine Meinung immer klar und deutlich gesagt.
Das wird sich auch in seiner Nau.ch-Kolumne nicht ändern. Versprochen!















