Im Frauenfussball steckt nicht nur viel Potenzial, sondern auch Kapital. Die Gehälter ziehen an – vor allem in einem Land.
Niedrige Gehälter im Frauenfussball.
Alexandra Popp und Melanie Leupolz (r) zählen zu den am besten verdienenden Spielerinnen aus Deutschland. - Sebastian Christoph Gollnow/dpa
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die aktuell laufende Frauenfussball-WM entfacht erneut die Equal-Pay-Diskussion.
  • Die deutsche Bundesliga zahlt ihren Spielerinnen im Durchschnitt rund 3500 Euro.
  • Das Transferverhalten im englischen Fussball ist fast wie bei den Männern angekommen.

Die Auftritte auf der Weltbühne des Frauenfussballs derzeit in Australien und Neuseeland garantieren den Hauptdarstellerinnen noch lange kein sorgenfreies Leben. In der Bundesliga liegt der Durchschnittsverdienst laut DFB bei 3500 Euro.

WM-Stars wie Alex Morgan, Megan Rapinoe, Alexia Putellas oder Sam Kerr machen zwar Millionen. Auch deutsche Nationalspielerinnen von Spitzenclubs wie FC Bayern München, VfL Wolfsburg oder Eintracht Frankfurt können von ihrem Sport leben. Doch der Boom treibt in erster Linie im Land des Europameisters England die Gehälter nach oben.

Werden die Gehälter im Frauenfussball zukünftig steigen?

Nationalspielerin Crnogorcevic vom FC Barcelona klagte einige Defizite im Frauenfussball an. «Ich meine, mein Team arbeitet den ganzen Tag». Damit meinte sie nicht den Aufwand im Training. «Wie soll man mit den Besten mithalten, wenn man in der Früh aufsteht. Dann sechs bis acht Stunden im Büro sitzt und erst am Abend trainieren kann? Wenn man sich für die WM unbezahlten Urlaub nehmen muss?»

England investiert mehr in Frauenfussball

Dietmar Ness, einer der Top-Spielerberater der Szene, prophezeite im Interview der «Frankfurter Rundschau» einige Veränderungen. «Es wird jetzt für deutsche Clubs immer schwieriger, die Topspielerinnen zu halten. Gerade in England ist ein sehr aggressives Transferverhalten zu beobachten ist. Fast schon wie bei den Männern.»

Zuletzt wechselte die Frankfurter Nationalspielerin Sjoeke Nüsken zum FC Chelsea. Schon ihre DFB-Kolleginnen Melanie Leupolz und Ann-Katrin Berger sind bei Chelsea tätig. Die Niederländerin Jill Roord verliess Champions-League-Finalist VfL Wolfsburg vor der WM Richtung Manchester City. Laut Medienberichten betrug die Ablöse 400'000 Euro.

Top-Gehälter für Stars

Bei den internationalen Spitzenvereinen wie Olympique Lyon, dem FC Barcelona oder Real Madrid sitzt das Geld wesentlich lockerer. «Wenn wir unter den letzten Acht sind in Europa, sind wir häufig die Mannschaft mit dem geringsten Spieleretat.», sagte Ralf Kellermann, Direktor Frauenfussball beim VfL Wolfsburg. «Speziell die Top-Mannschaften aus Spanien, aus Frankreich und auch England investieren, was das Budget für die Spielerinnen betrifft, deutlich mehr.»

In der Spitze sollen Europas Topclubs Gehälter bis zu 500'000 Euro zahlen. Verglichen mit der globalen Elite klingt das recht bescheiden. Die US-Stars Morgan und Rapinoe kamen laut CNN im vergangenen Jahr auf Einnahmen von jeweils 5,7 Millionen Dollar. Den Grossteil erzielten sie allerdings durch Werbe-Aktivitäten, in der US-Liga liegen die Top-Jahresgehälter ebenfalls noch deutlich unter der Millionenmarke.

Schweizer Nationalspielerin Crnogorčević
Frauenfussball: Schweizer Nationalspielerin Ana Maria Crnogorčević bemängelt Doppelbelastung zwischen Büroalltag und Profisport. (Archivbild). - keystone

Bei den deutschen Nationalspielerinnen eröffnet sich der Markt für Privatverträge im Frauenfussball erst langsam. Immerhin sind Leupolz und auch Lena Oberdorf in Werbespots bei den WM-Übertragungen im Fernsehen zu sehen. DFB-Kapitänin Alexandra Popp gilt in Deutschland als die Spielerin mit dem grössten Potenzial in diesem Bereich: Die 32 Jahre alte Wolfsburgerin glänzte als einzige beim frühen WM-Aus der Vize-Europameisterinnen in Australien.

Nach WM-Aus keine Prämie

Für die deutschen Nationalspielerinnen gibt es wie für alle WM-Teilnehmerinnen umgerechnet knapp 30'000 Euro brutto (ohne Vorrunden-Prämie). Dafür standen sie ihrem Verband quasi seit der ersten WM-Vorbereitung bis zur Rückkehr zur Verfügung.

Da hat Titelverteidiger FC Bayern im Frauenfussball mit der Verpflichtung von Dänemarks Mittelfeldstar Harder einen kleinen Coup gelandet. Die 30-Jährige war 2020 für die damalige Rekordsumme von 350'000 Euro von Wolfsburg zum FC Chelsea gewechselt. Von 120'000 Euro jährlich soll Harders Gehalt auf 170'000 Euro gestiegen sein.

In der Bundesliga beginnen die Monatsgehälter bei ein paar hundert Euro im Monat und enden bei sehr niedrigen fünfstelligen Beträgen. Nach DFB-Angaben liegt das Brutto-Durchschnittsgehalt bei 3500 Euro. Hinzu kämen noch Einsatz- und Erfolgsprämien. Teilweise würden den Spielerinnen im Frauenfussball zusätzlich auch noch eine Wohnung oder ein Auto finanziert.

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