Danger Dans neues Lied: ZDF-Intendant verteidigt Ausladung
ZDF-Intendant Norbert Himmler hat die Ausladung des Rappers Danger Dan aus der Satiresendung «Die Anstalt» verteidigt, zugleich aber Fehler beim Entscheidungsprozess eingeräumt.

«Die Kurzfristigkeit der Ausladung müssen wir uns vorwerfen lassen», erklärte Himmler auf Fragen der «Süddeutschen Zeitung». «Wir hätten früher die Grundsatzfrage stellen müssen, am besten schon vor der eigentlichen Einladung.»
Inhaltlich steht der Intendant des deutschen öffentlich-rechtlichen Senders jedoch zu der Ausladung. Zum Liedtext von Danger Dans Song «Keine Angst» erklärt er: «Wir haben es hier meiner Ansicht nach unzweifelhaft mit einer Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand zu tun, der in «freundlichen Grüsse» an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter mündet.«
Der Rapper Danger Dan sollte mit Starpianist Igor Levit sein neues Lied «Keine Angst» bei der 100. Ausgabe von «Die Anstalt» präsentieren, die sich mit Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie beschäftigt. Kurz vor der Aufzeichnung entschied das ZDF, den Auftritt zu streichen, da der Liedtext als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könne.
Danger Dan sprach bei Instagram von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit. Dem «Spiegel» sagte der Musiker, er rufe niemanden dazu auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Es gehe darum, wie wirksame Antifaschismus-Strukturen aufgebaut werden können. Er verabscheue Gewalt. «Aber das Problem ist: Sie ist schon längst politische Realität.»
Danger Dan und Igor Levit planen nun ein Ersatzkonzert. Der Auftritt mit dem Titel «Die keine Angstalt» soll heute Abend um 21 Uhr im Columbia Theater in Berlin stattfinden. Der Auftritt werde auch bei YouTube übertragen, teilte die Agentur von Danger Dan mit. Der Gewinn aus dem Ticketverkauf geht den Angaben zufolge an den Verein Opferperspektive, «die zentrale Anlaufstelle in Brandenburg für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt».
Mitglieder des ZDF-Fernsehrats kritisierten die Ausladung in einem offenen Brief an Himmler. Das ZDF habe eine Gelegenheit verpasst, eine Debatte über Rechtsextremismus in Deutschland und die vielfältigen Möglichkeiten seiner Bekämpfung anzustossen, heisst es darin.
Die Absage des Auftritts von Danger Dan und Igor Levit zeuge nicht nur von fehlendem Mut, sondern auch von fehlendem Vertrauen in die Redaktion der Sendung «Die Anstalt», sich angemessen mit dem Lied auseinanderzusetzen, heisst es in dem von acht Mitgliedern des Gremiums unterschriebenen und auf «netzpolitik.org» veröffentlichten Schreiben.
Auch die Jubiläumssendung von «Die Anstalt» wird heute Abend im Fernsehen ausgestrahlt, in der Mediathek ist sie schon zu sehen. Die Moderatoren der Satiresendung kritisieren darin die Entscheidung, das Lied nicht zu spielen, als mutlos. Das ZDF thematisierte den abgesagten Auftritt auch in einer «Aspekte»-Sendung am Samstagabend.
Den Vorwurf eines Einknickens vor rechten politischen Kräften weist ZDF-Intendant Himmler zurück: «Wir treffen unsere Programm-Entscheidungen unabhängig, souverän und gemäss unserer Programm- und Qualitätsrichtlinien», erklärte er.
In diesem Fall habe sich «herauskristallisiert, dass ein Auftritt von Danger Dan, in dem mehr als sieben Minuten lang zum organisierten Widerstand gegen Rechts aufgerufen wird und dabei illegale Aktionen und Gewalt denkbare Optionen zu sein scheinen, in dieser Form nicht mit unseren Richtlinien zu vereinbaren ist».














