So wirklich viel haben die Experten bei diesem letzten Turnier von Bundestrainer Joachim Löw offenbar nicht mehr erwartet. Aus diesem Grund blicken drei von ihnen lieber nach vorne.
Ex-Nationalspieler sieht in der Nationalmannschaft drei verschenkte Jahre. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Ex-Nationalspieler sieht in der Nationalmannschaft drei verschenkte Jahre. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Stefan Effenberg forderte weitreichende Veränderungen, Dietmar Hamann sieht drei verschenkte Jahre und Lothar Matthäus erwartet einen sanften Neuaufbau von Hansi Flick - mit Thomas Müller.

Die Ex-Nationalspieler und heutigen Experten haben nach dem deutschen Achtelfinal-Aus bei der Fussball-Europameisterschaft teilweise deutliche Kritik geübt, hegen aber grosse Hoffnung auf markante Verbesserungen unter Joachim Löws Nachfolger Flick.

«Es ist gut, dass jetzt eine neue Ära beginnt», sagte der Effenberg zu «t-online.de»: «Wahrscheinlich muss man sich jetzt von dem ein oder anderen trennen. Wenn du zwei Turniere so spielst, dann schreit es nach Veränderung.» Das Wort «Versagen» sei ihm zu hart. Das Ergebnis habe sich aber «in der letzten Zeit abgezeichnet». Er sei «zu 100 Prozent überzeugt, dass die WM in Katar besser wird, weil Hansi Flick jemand ist, der Veränderungen vornimmt».

Hamann: Löw hätte schon 2018 gehen müssen

Hamann wies beim Radiosender Antenne Bayern derweil nochmal darauf hin, dass Löw schon nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2018 hätte gehen müssen. «Man hat sich durch die vorzeitige Vertragsverlängerung vor der WM 2018 damals die Chance genommen oder die Möglichkeit, den Trainer zu wechseln», sagte der Vize-Weltmeister von 2002: «Und jetzt muss man ganz ehrlich sagen, wenn man zurückblickt, da waren die letzten drei Jahre ein Stück weit verschenkt.»

Löws Taktik gegen England sei falsch gewesen. «Die Engländer hatten sieben Verteidiger auf dem Platz und deswegen habe ich das nicht wirklich verstanden, dass wir da nicht vielleicht früher versucht haben, da was zu ändern und wirklich die Engländer da mal ein Stück weit unter Druck zu setzen, weil sie sehr viel mehr Respekt hatten vor uns als wir vor ihnen», sagte er.

Effenberg derweil hat «die Enttäuschung bei der WM 2018 viel mehr wehgetan. Jetzt haben sie immerhin das ein oder andere gute Spiel gezeigt.» Natürlich trage Löw eine Mitschuld. «Im Endeffekt steht er schon an der Spitze. Man fragt sich schon, warum hat er nicht früher gewechselt», sagte er. Es trage aber «jeder ein Stück weit Schuld».

Matthäus glaubt an schwere Zukunft für Kroos

Rekordnationalspieler Matthäus, der mit Flick befreundet ist und zwei EM-Gruppenspiele gemeinsam mit ihm in einer Loge schaute, glaubt, der Umbruch werde «nicht so gross ausfallen, aber viele neue Spieler werden eine Chance bekommen», schrieb er in seiner «Sport Bild»-Kolumne: «Bei aller Wertschätzung für die verdienten Spieler wird Hansi Flick den einen oder anderen Akteur, der nicht mehr so zum modernen Fussball passt, nicht mehr so stützen, wie es Jogi Löw macht», glaubt Matthäus: «Ich will keine Namen nennen, ich bin mir auch sicher, dass Hansi nicht sofort Spieler aussortieren wird.» Augenscheinlich ist, dass Matthäus an eine schwere Zukunft für Toni Kroos glaubt.

Derweil glaubt der Weltmeister-Kapitän von 1990, das Thomas Müller trotz seiner vergebenen Grosschance beim Stande von 0:1 gegen England bei der WM 2022 in Katar dabei sein wird: «Thomas Müller wird nicht von sich aus seine DFB-Karriere beenden. Und Hansi ihn sicher nicht aussortieren.»

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