Typen, Fakten, Geschichten: Mit einem Jahr Verspätung beginnen heute die Sommer-Paralympics in Tokio. Die Athleten sind voller Vorfreude.
Kugelstosser Niko Kappel will erneut Gold bei den Paralympics gewinnen. Foto: Tom Weller/dpa
Kugelstosser Niko Kappel will erneut Gold bei den Paralympics gewinnen. Foto: Tom Weller/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Heute beginnen in Tokio die Sommer-Paralympics mit der Eröffnungsfeier.
  • Hier finden Sie einige lesenswerte Fakten zu den Athleten.

Einen Tag später stehen die ersten Wettkämpfe an. Die Deutsche Presse-Agentur hat ein A bis Z erstellt:

Kugel-Paralympicssieger Niko Kappel sitzt für die CDU im Gemeinderat von Welzheim. Er ist Athletensprecher und traf auf offiziellen Terminen den Bundespräsidenten oder Kanzlerin Merkel. Die dpa taufte ihn deshalb «Aussenminister des DBS». Seitdem trägt Kappel diesen Beinamen.

Der südafrikanische Sprinter Oscar Pistorius, der es auf Prothesen zu Olympia schaffte, war der Bladerunner. Markus Rehm, der es mit einer Prothese fast zu Olympia schaffte, war in aller Welt deshalb der Bladejumper. Sein Manager, Diskus-Olympiasieger Robert Harting, machte es nun zum Markennamen.

Der Nürnberger war die grosse deutsche Hoffnung auf ein Ticket bei der Taekwondo-Premiere. Und verpasste es auf bittere Weise. Bei der EM holte er zwar Bronze. Für die Tokio-Teilnahme hätte er aber Gold benötigt. Enttäuscht war auch Fussball-Nationalspieler Ilkay Gündogan. Er war in der Schule Celiks Platznachbar, beide sind heute noch befreundet.

Badminton und Taekwondo sind erstmals bei den Paralympics dabei. Beim Badminton starten auch sechs Deutsche. Insgesamt sind 43 DBS-Athleten erstmals dabei.

So mancher Para-Sportler durfte schon extrem prominente Menschen treffen. Sprint-Europameisterin Katrin Müller-Rottgardt traf in Barcelona Fussball-Megastar Lionel Messi, der sich für sehbehinderte Menschen engagiert und zwölf einlud. Sebastian Dietz erhielt 2015 als Botschafter für Inklusion eine Sonderaudienz bei Papst Franziskus.

Der Sportschütze ist laut DBS der erste einsatzgeschädigte Bundeswehrsoldat, der an den Paralympics teilnimmt. Der 36-Jährige wurde bei einem Einsatz als Fallschirmjäger 2010 in Afghanistan angeschossen und schwer an der Schulter verletzt.

Tischtennis-Spieler Valentin Baus leidet an der erblich bedingten Glasknochenkrankheit. Jeder Stoss ist gefährlich für ihn. Seit 2008 sitzt er im Rollstuhl. Bei den Paralympics 2016 holte er Silber.

Kanutin Edina Müller wollte sich als Vize-Präsidentin des Fussball-Bundesligisten Hamburger SV bewerben. Sie gehörte zum Team von Ex-Profi Marinus Bester, der gegen Ex-Nationalspieler Marcell Jansen antreten wollte. Der Beirat liess das Team nicht zur Wahl zu.

Das Internationale Paralympische Komitee ist das Gegenstück zum IOC. Es sitzt in Bonn.

Ist bereits zum dritten Mal seit der offiziellen Einführung 1960 Gastgeber der Paralympics. Zuvor war dies 1964, ebenfalls in Tokio, und bei den Winterspielen 1998 in Nagano der Fall.

Die Goalballer sind eine lustige und eingeschworene Truppe, die 2012 mit dem Ziel Tokio zusammengestellt wurde und nun tatsächlich mit dem Ziel Gold an den Start geht. Im Vorbereitungs-Camp assen die Klingelballer geschlossen im Kimono und posteten dies in den sozialen Netzwerken.

Es ist die Geburtsstadt von Joseph «Joe» Bestwick. 2008 nahm der Rollstuhlbasketballer mit Grossbritannien an den Paralympics teil und gewann Bronze. Nun startet der Wahl-Kölner erstmals für Deutschland.

Die Rollstuhlsprinterin sorgte mit je zwei Gold- und Silbermedaillen bei der EM für Furore. Das IPC taufte sie «German Wunderkind». Die Verabschiedung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fiel auf ihren 17. Geburtstag, sie durfte auf die Bühne.

Seit 1984 ist Boccia paralympisch. Noch nie war ein deutscher Athlet am Start. Nicolai ist nun der erste.

Alexander Kosenkow wurde 2008 mit der 4x100-Meter-Staffel Olympia-Fünfter, Radfahrer Robert Förstemann holte 2012 im Teamsprint sogar Bronze. Nun sind beide bei den Paralympics dabei, allerdings als Guides für sehbehinderte Athleten.

Auf Instagram wirft sich Elena Krawzow gerne in Pose. Als der «Playboy» wegen Nacktbildern anfragte, sagte sie zu und wurde sogar Covergirl. Mit den Fotos wollte die Schwimmerin auch ein Statement setzen.

Die grosse Konstante im deutschen Behindertensport. 1988 wurde Quade Paralympicssieger im Sitzvolleyball, nun ist er zum 13. Mal in Folge als Chef de Mission dabei.

Die Metal-Band ist einer der grössten deutschen Exportschlager. Mit dem Song «Ich will» aus dem Jahr 2001 unterstützen «Rammstein» nun die deutschen Para-Athleten.

Kanute Anas Al Khalifa kam vor vier Jahren als Flüchtling aus Syrien und trainiert in Halle an der Saale. Bei den Paralympics startet der 28-Jährige, der bei einem Arbeitsunfall von einer Leiter fiel und seitdem im Rollstuhl sitzt, aber nicht für Deutschland. Er ist Teil des Refugee-Teams des IPC.

Sprinterin Irmgard Bensusan wird von allen nur «Tante Irmie» genannt. «Ich bin nicht die Mama, ich bin die Tante», bestätigt die gebürtige Südafrikanerin: «Eine Mama ist streng, eine Tante ist cool. Die geht auch mit trinken.»

Sprinter Ali Lacin gründete 2013 gemeinsam mit seinem Bruder Osman einen Süsswarengrosshandel in Berlin.

Andrea Eskau ist der grösste Medaillen-Hamster im deutschen Team - weil sie ein Multitalent ist. Die 50-Jährige ist im Sommer als Radsportlerin mit dem Handbike unterwegs, im Winter als Biathletin und Langläuferin. Dabei tüftelt die 50-Jährige immer an ihren Rollstühlen. Der Lohn: 15 Para-Medaillen und die Auszeichnung als deutsche «Para-Sportlerin des Jahrzehnts».

Die 61-Jährige nimmt bereits an ihren achten Paralympics teil. Ihr Debüt gab sie 1992. Mit dem Speer gewann sie auch schon dreimal Gold in der sitzenden Klasse.

Mit 16 Jahren ist Lise Petersen das Küken im deutschen Team. Die Speerwerferin aus Nordfriesland erfuhr von ihrer Nominierung, als sie die Kader-Benennung im Livestream schaute.

Der 42-Jährige aus Castrop-Rauxel nimmt bei der Badminton-Premiere teil. Im Mixed gewann er schon Bronze bei der EM und WM.

Sie sind unzertrennlich: Die Leipzigerinnen Carmen und Ramona Brussig nehmen seit 2008 gemeinsam an Paralympics im Judo teil. Ramona war sogar schon 2004 dabei. Sie gewann zweimal Gold und zweimal Silber, ihre Schwester hat einen kompletten Medaillensatz.

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