Zürich führt gratis Test-Angebot für Geschlechtskrankheiten ein
Die Stadt Zürich führt dauerhaft ein kostenloses Test-Angebot für sexuell übertragbare Krankheiten ein. Der Gemeinderat hat am Mittwoch ein bisheriges Pilotprojekt zum Dauerbetrieb erklärt. Die Schlussabstimmung folgt in einer der kommenden Sitzungen.

Der Stadtrat erwartete ursprünglich, dass die Gesamtkosten zwischen 2,3 und 3 Millionen Franken pro Jahr betragen werden. Allerdings war da noch eine gewisse Eigenbeteiligung der Testwilligen eingerechnet.
Die linke Ratsseite setzte am Mittwoch jedoch durch, dass die Tests gratis werden. Die Ausgaben dürften deshalb etwas höher ausfallen als geplant. Für die Grünen sind solche Tests aber «die rentabelste Investition in dieser Stadt». «Wenn wir nur einen HIV-Fall verhindern können, haben wir bereits eine Million gespart», sagte Yves Henz.
Die Eigenbeteiligung sorgte für hitzige Diskussionen. Waren die Tests in der Pilotphase noch kostenlos, wollte der Stadtrat 30 Franken verlangen. «Es macht aber einen grossen Unterschied, ob etwas gratis ist oder 30 Franken kostet», sagte Henz.
Die Bürgerlichen fänden einen Selbstbehalt richtig. «Wenn die Tests ganz kostenlos sind, könnte dies die Leute dazu verleiten, noch unverantwortlicher zu handeln», sagte Yves Peier (SVP). Auch die GLP hätte einen Kostenbeitrag angemessen gefunden. «Sonst kann sich ja auch ein Millionär gratis testen lassen», sagte Florine Angele.
Karin Weyermann (Mitte) erinnerte daran, dass die Stadt die Kosten im Einzelfall auch reduzieren oder erlassen könnte. Dies bestätigte Stadtrat Andreas Hauri (GLP).
Die kleine Kostenbeteiligung war dem Gesundheitsvorsteher wichtig. So würden sich die hauptsächlich jungen Menschen vielleicht Gedanken über ihr Sexualverhalten machen. «Vielleicht passen sie es auch an, damit sie weniger Tests machen müssen», so Hauri. Die linke Ratsseite setzte sich jedoch durch – die Tests kosten nichts.
Im Vergleich zum Pilotangebot, das nur Zürcherinnen und Zürchern bis 25 Jahren offenstand, wollte der Stadtrat das neue Angebot nun an Personen bis 30 Jahre richten. Die linke Ratsseite setzte jedoch weiter durch, dass es keine Altersbeschränkung gibt. Denn Krankheiten würden sich auch nicht an Altersgrenzen halten.
Das Parlament überwies in der selben Sitzung zudem ein Postulat, das die Risikogruppe ab 50 im Visier hat. Diese soll sich kostenlos testen lassen können, weil sie keine gute Sexualaufklärung genossen habe. «Die bestand bei mir darin, dass der Lehrer einen Pariser über eine Banane gestülpt hat», sagte David Garcia Nuñez (AL).
Walter Anken (SVP), der gegen das Postulat stimmte, fand dieses Anliegen «fast schon eine Beleidigung für die älteren Generationen». Er selber habe «im Emmental hinten» nie sexuelle Aufklärung gehabt. «Trotzdem habe ich irgendwann rausgefunden, wie es geht.»
Im Fokus des Testangebotes stehen die sogenannten «Big 5» – HIV, Syphilis, Chlamydien, Tripper und Hepatitis. Das Pilotprojekt zeigte, dass die Tests rege genutzt wurden. Infektionen konnten behandelt und Ansteckungsketten unterbrochen werden.
In keiner anderen Region der Schweiz gibt es so viele Fälle von Geschlechtskrankheiten wie in Zürich. Dies liegt vor allem daran, dass die grösste Stadt des Landes besonders viele junge und somit auch sexuell aktive Personen anzieht.






