Zürcher Stimmvolk entscheidet über Extra-Arbeit der Lehrpersonen
Die Stimmberechtigten im Kanton Zürich entscheiden am 27. September, ob Lehrerinnen und Lehrer mehr Zeit für Extra-Arbeit wie Elterngespräche, Lagerorganisation oder Konfliktgespräche erhalten. FDP, SVP sowie 99 Gemeinden sind dagegen. Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten:

Worum geht es?
Die Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer sollen verbessert werden. Unbezahlte Überstunden würden verringert, was den Beruf attraktiver machen dürfte.
Welche Änderungen soll es geben?
Die Klassenlehrpersonen sollen für Extra-Arbeit wie Elterngespräche, Konfliktgespräche oder Lagerorganisation künftig 160 Stunden pro Jahr erhalten. Heute sind es 100 Stunden.
Ausserdem soll es für alle Lehrkräfte mehr bezahlte Zeit für Vor- und Nachbereitung geben. Dazu soll der so genannte Lektionenfaktor erhöht werden, von heute 58 auf 59. Der Lektionenfaktor legt die Zahl der Stunden fest, die einer Lehrperson pro Lektion an die Jahresarbeitszeit angerechnet werden. Unterrichtet jemand 20 Lektionen pro Woche, werden ihr heute 20 mal 58 Stunden angerechnet, also 1160 Stunden. Mit der Erhöhung auf 59 werden es 1180 Stunden.
Sind die Lehrerinnen und Lehrer damit zufrieden?
Nein, eigentlich forderte der Lehrpersonalverband noch mehr: Statt 160 Stunden für Extra-Arbeit, die der Kantonsrat guthiess, wären gemäss Verband sogar 250 Stunden angemessen. Beim Lektionenfaktor forderten die Lehrer gar 62 Stunden statt wie vom Kantonsrat beschlossen 59. Aber es sei «ein Schritt in die richtige Richtung», sagte Präsidentin Lena Fleisch.
Was kann man gegen bessere Bedingungen für Lehrer haben?
Die Kritikerinnen und Kritiker befürchten vor allem grosse Kosten: Die Verbesserungen im Lehreralltag dürften zu Mehrkosten von 83 Millionen Franken führen. Die Gemeinden zahlen 80 Prozent der Lehrerlöhne – der Hauptteil der Kosten von rund 67 Millionen würde also bei ihnen hängenbleiben. Beeinflussen können die Gemeinden das nicht, weil sie die Vorgaben des Kantons umsetzen müssen.
Warum kommt die Vorlage vors Volk?
99 Städte und Gemeinden haben aus Angst vor den Mehrkosten das Referendum ergriffen, darunter Winterthur und Ilnau-Effretikon, nicht aber die Stadt Zürich. Für den Verband der Gemeindepräsidien zeigt die grosse Zahl der ablehnenden Städte und Gemeinden, wie sehr sie sich über die steigenden Bildungskosten sorgen würden. Diese haben sich in den Gemeinden in den letzten zwanzig Jahren fast verdoppelt. In Winterthur etwa beansprucht die Volksschule rund die Hälfte des Gemeindebudgets. Sie ist mittlerweile mit Abstand der grösste Ausgabenposten.
SVP und FDP ergriffen ebenfalls das Referendum, weil sie sich vor «massiven Mehrkosten für die Gemeinden» fürchten. Die Kritik an der Vorlage geht für sie jedoch noch weiter. «Im Kern entscheiden wir darüber, ob die Lehrpersonen für die gestiegene Belastung ein Schmerzensgeld erhalten», sagte Marc Bourgeois (FDP). Für die SVP wiederum geht es «um eine weitere versteckte Lohnerhöhung». Lehrpersonen seien Staatsangestellte mit Sonderregelungen, von denen die Privatwirtschaft nur träumen könne, sagte Rochus Burtscher.
Wer sagt – ausser Lehrpersonen – sonst noch Ja zur Vorlage?
Ausser SVP/EDU und FDP sind alle anderen Parteien dafür. Die Verbesserungen seien eine Reaktion auf «reale Entwicklungen im Schulalltag», sagte GLP-Kantonsrätin Nadia Koch. Auch für die SP stellen die Änderungen eine «Realitätsannäherung in Bezug auf die Überzeit» dar, wie es Carmen Marty Fässler ausdrückte. Auch für die EVP sind die Verbesserungen «längst überfällig».






