«Wollen häufig keine Weste»: SUP-Fahrer scheuen Kosten
Schwimmwesten können Leben retten, wie der aktuelle Fall vom Walensee zeigt. Dennoch pfeifen SUP-Fahrer oft auf die Ausrüstung.

Das Wichtigste in Kürze
- Zwei der Opfer des Unglücks auf dem Walensee trugen keine Schwimmweste.
- «Häufig entscheiden sich SUP-Fahrer gegen Westen», sagt ein lokaler Vermieter.
- Viele Menschen unterschätzen, wie schnell sie im Wasser in Schwierigkeiten geraten können.
Der SUP-Ausflug auf dem Walensee endete für mindestens eine Person tödlich. Die Spezialisten bargen einen 32-jährigen Mann ungarischer Nationalität in einer Wassertiefe von rund 100 Metern leblos. Dies gab die Kantonspolizei Glarus am Dienstag bekannt.
Ein SUP-Paddler, ebenfalls 32 Jahre alt und Ungare, wird weiterhin vermisst.
Die beiden Männer waren Teil einer fünfköpfigen Gruppe, die am Donnerstag auf dem Walensee in Seenot geriet. Ein plötzlich starker Wind hatte die Gruppe überrascht. Die beiden Paddler trugen keine Schwimmwesten.
«Fanden zehn Franken zu teuer»
Bei der Mietstation SUP Swiss auf dem Campingplatz Gäsi in Weesen SG wollte die Gruppe Schwimmwesten mieten. «Zwei Personen standen an der Theke und fragten nach Schwimmwesten», sagt Inhaber Michi Seliner zu Nau.ch.
Die Gruppe sei mit privaten Boards unterwegs gewesen. Kunden, die kein SUP mieten, können dort für zehn Franken eine Schwimmweste mieten.
Die Kunden hätten sich dann aber nur für zwei Westen entschieden, erinnert sich Seliner. Obwohl die Gruppe zu fünft war. «Sie fanden zehn Franken pro Weste zu teuer.»
Solche Reaktionen bekommt Seliner von Paddlern, die nur eine Weste ausleihen wollen, häufig. «Häufig entscheiden sich SUP-Paddler dagegen, wenn sie den Preis erfahren», sagt er. «Andere gehen aus reiner Eitelkeit ohne Weste aufs Board.»
Anzahl der Westen sei beschränkt
Zwei der Gruppenmitglieder trugen laut der Kantonspolizei Glarus eine Schwimmweste. Die dritte Person hatte Glück. Sie schaffte es ohne eine solche an Land.
Es sei absolut tragisch, was passiert sei, sagt Michi Seliner. «Der Fall zeigt aber einmal mehr, wie wichtig Schwimmwesten für Stand-up-Paddler sind.»
Schreckt der Preis Kunden vom Mieten einer Schwimmweste ab, versucht Seliner sie aber nicht zur Miete zu überzeugen. «Wir haben knapp 100 Westen an Lager, die wir den Kunden abgeben müssen, die ein SUP mieten.»
Stattdessen rate er den SUP-Paddlern mit privaten Brettern, sich selbst eine Weste zu kaufen. «Bestellt man online ein SUP, wird nicht klar, dass auch eine Weste zur Ausrüstung gehört.»
«Auch 50 Meter können zu weit sein»
Ausserhalb der äusseren Uferzone oder auf Flüssen müssen die Paddler eine Rettungsweste mitführen.
Michi Seliner empfiehlt aber auch SUP-Paddlern in Ufernähe, sich eine solche auf das Brett zu klemmen. «Angenommen, es kommt ein Sturm auf und man kippt vom Brett», sagt er. «Dann können auch nur 50 Meter bis zum Ufer zu weit zum Schwimmen sein.»
Am sichersten unterwegs sind die SUP-Fahrer wenn sie die Westen nicht nur mitführen, sondern gleich auch tragen. «Mit der Weste kann man ins Wasser springen und sich tragen lassen», sagt Seliner. «Das ist doch auch toll.»
Weste in Not anzuziehen, sei schwierig
Auch die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG empfiehlt grundsätzlich, beim Stand-up-Paddeln eine Schwimm- oder Rettungsweste zu tragen.
«Insbesondere bei stürmischen Verhältnissen ist es sehr schwierig, die Weste noch anzuziehen, wenn jemand ins Wasser fällt», sagt Christoph Merki. Er ist Mediensprecher bei der SLRG. Dies sei schon bei ruhigen Verhältnissen schwierig und treffe vor allem auf weniger gute Schwimmer zu.
«Durch Kälte, Erschöpfung, Wellen oder einen plötzlichen Wetterumschwung kann man in Schwierigkeiten geraten», sagt Merki. Viele Menschen unterschätzten, wie schnell dies gehen könne.
Der Fall vom Walensee zeigt laut Merki zudem, wie wichtig es ist, vor jeder Ausfahrt den Wetterbericht zu prüfen. Die Paddler sollten Wetterwarnungen ernst nehmen und die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen, rät er.













