Yannick Berner: «Erneuerbare und Kernenergie gehen Hand in Hand»

Yannick Berner
Yannick Berner

Aarau,

Die Schweiz braucht einen technologieoffenen Energiemix für eine sichere Stromversorgung. Ein Gastbeitrag des Aargauer FDP-Grossrats Yannick Berner.

Yannick Berner Altstadt Porträtfoto
Yannick Berner ist FDP-Grossrat im Kanton Aargau. - zVg

Die Schweiz steht vor einer energiepolitischen Grundsatzentscheidung. Mit der Aufhebung des Neubauverbots für Kernkraftwerke geht es nicht darum, morgen ein neues AKW zu bauen.

Es geht vielmehr darum, ob wir uns künftig freiwillig eine Technologie verbieten wollen, die einen wichtigen Beitrag zur sicheren Stromversorgung leisten könnte. Genau darüber wird nächstes Jahr wohl das Stimmvolk entscheiden.

Kernkraftwerke
Der Bau neuer Kernkraftwerke soll grundsätzlich möglich werden. Das Parlament hat der Aufhebung des Neubauverbots zugestimmt. Das letzte Wort dürfte das Volk haben. - keystone

Für mich ist klar: Ideologie ist in der Energiepolitik fehl am Platz. Entscheidend ist, dass die Schweiz auch in Zukunft genügend Strom hat – zuverlässig, sicher und zu bezahlbaren Preisen. Denn ohne Strom läuft weder unsere Wirtschaft noch unser Alltag.

Ein Energiemix für die Zukunft

Der Strombedarf wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Elektroautos, Wärmepumpen, Digitalisierung und eine zunehmend elektrifizierte Industrie benötigen immer mehr Energie.

Gleichzeitig wollen wir unsere CO₂-Emissionen bis zum Jahr 2050 auf null bringen. Diese Entwicklung verlangt nach einer ehrlichen Debatte darüber, welche Technologien wir dafür einsetzen wollen.

Der konsequente Ausbau der erneuerbaren Energien ist für mich völlig unbestritten. Wasserkraft, Solarenergie und Windkraft sind unverzichtbare Pfeiler unserer Energiezukunft.

Mit Blick auf das aktuelle Ausbautempo und den steigenden Strombedarf ist aber unsicher, ob wir damit unseren Strombedarf langfristig sichern können, insbesondere in den Wintermonaten.

Deshalb ist für mich völlig klar, dass sich erneuerbare Energien und Kernenergie nicht ausschliessen, sondern ideal ergänzen können. Notabene auch mit Blick auf den Klimaschutz.

Solarenergie
Yannick Berner: «Wasserkraft, Solarenergie und Windkraft sind unverzichtbare Pfeiler unserer Energiezukunft.» (Symbolbild) - Depositphotos

Als Industrieunternehmer ist das für mich keine abstrakte Diskussion, sondern eine Voraussetzung für unseren Standort in der Schweiz. Unternehmen brauchen eine stabile Stromversorgung und international konkurrenzfähige Strompreise.

Wer Produktionsbetriebe führen oder neue Investitionen in der Schweiz tätigen will, braucht Planungssicherheit. Kurzfristige Engpässe oder stark schwankende Strompreise gefährden Arbeitsplätze und unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Vorsorge statt Verbote

Natürlich müssen die Finanzierung, die Sicherheit und die Entsorgung der Abfälle bei Kernkraftwerken geklärt werden. Solche Herausforderungen gibt es aber bei allen Technologien.

Deshalb wäre es falsch, heute eine Technologie kategorisch auszuschliessen. Mit der Aufhebung des Neubauverbots fällt noch kein einziger Bauentscheid.

Glaubst du, dass die Schweiz ohne Kernkraftwerke auskommt?

Es handelt sich um einen Grundsatzentscheid. Sollte in Zukunft tatsächlich ein konkretes Projekt vorliegen, werden Parlament und Bevölkerung erneut über Finanzierung, Standort und Umsetzung entscheiden können.

Wer Versorgungssicherheit ernst nimmt, darf sich nicht aus ideologischen Gründen selbst einschränken. Die Schweiz fährt am besten mit einem ausgewogenen Energiemix: mit einem

konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien und der Möglichkeit, bei Bedarf auch neue Kernenergie zu nutzen. Denn am Ende zählt, dass in der Schweiz auch morgen das Licht brennt.

Zum Autor

Yannick Berner (*1992) ist Unternehmer und sitzt für die FDP im Grossrat des Kantons Aargau.

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