Aargauer Grossrat Berner: «Keine Experimente mit unserer Sicherheit»

Yannick Berner
Yannick Berner

Aarau,

FDP-Grossrat Yannick Berner sagt Ja zum revidierten Zivildienstgesetz. Neutralität schütze nur dann, wenn man sie glaubwürdig verteidigen kann. Ein Gastbeitrag.

Yannick Berner Altstadt Porträtfoto
Yannick Berner ist FDP-Grossrat im Kanton Aargau. - zVg

Die internationale Sicherheitslage hat sich massiv verschlechtert. Die Rivalität zwischen den Grossmächten steigt stetig an, seit über vier Jahren herrscht Krieg in der Ukraine und hybride Bedrohungen in Europa sind alltäglich. Diese zunehmenden geopolitischen Spannungen zeigen: Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit.

Während viele europäische Staaten ihre Verteidigungsfähigkeit stärken und Milliarden in ihre Armeen investieren, leisten wir uns in der Schweiz weiterhin eine sicherheitspolitische Illusion – nämlich die Vorstellung, unsere Sicherheit sei garantiert. Und überhaupt, wir sind ja sowieso neutral.

Doch Neutralität schützt nur dann, wenn man sie glaubwürdig verteidigen kann. Eine neutrale Schweiz ohne verteidigungsfähige Armee wäre keine souveräne Schweiz mehr. Gerade ein kleines Land wie unseres muss in Krisenzeiten auf funktionierende Institutionen, genügend Personal und eine einsatzbereite Milizarmee zählen können.

Genau deshalb braucht es am 14. Juni ein Ja zum revidierten Zivildienstgesetz.

Zivildienst Referendum
Berner: «Wenn junge Männer den Zivildienst als bequeme Alternative wählen, fehlen sie im Ernstfall in der Katastrophenhilfe.» (Archiv) - keystone

Der Zivildienst ist in unserer Bundesverfassung bewusst als Ersatzdienst für Menschen mit echten Gewissenskonflikten vorgesehen. Dieser Grundsatz scheint in den letzten Jahren jedoch zunehmend verloren gegangen.

Tausende wechseln jedes Jahr aus der Armee in den Zivildienst: Zwischen 2019 und 2022 haben bereits 1400 Kader sowie zahlreiche Spezialisten die Armee verlassen, um in den bequemeren Zivildienst zu wechseln. Damit verliert die Schweiz nicht nur Soldaten, sondern auch ausgebildete Kader, Spezialisten und Fachkräfte.

Doch auch der Bevölkerungsschutz wird so geschwächt. Aktuell sinkt der Bestand des Zivilschutzes stetig und liegt seit Jahren deutlich unter dem Sollbestand von 72'000 Personen. Wenn junge Männer den Zivildienst als bequeme Alternative wählen, fehlen sie im Ernstfall in der Katastrophenhilfe.

Per Anfang 2025 lag der Ist-Bestand bei lediglich 57'000 Zivilschutzangehörigen. Gerade bei Naturkatastrophen, Strommangellagen oder anderen Krisen braucht die Schweiz jedoch genügend Leute, die innert Stunden einsatzbereit sind.

Wie stimmst du zur Änderung des Zivildienstgesetzes?

Die Bilder aus Blatten, Brienz oder dem Maggiatal haben uns eindrücklich gezeigt, wie wichtig funktionierende Sicherheits- und Rettungsstrukturen sind. Die Revision schafft keine Abschaffung des Zivildienstes.

Der Zivildienst bleibt für jene zugänglich, die ihn aus Gewissensgründen benötigen, verliert aber seine Funktion als unfaire Umgehungsmöglichkeit zum Nachteil von Armee und Bevölkerungsschutz. Wer aus echter Gewissensüberzeugung keinen Militärdienst leisten kann, soll also weiterhin Zivildienst leisten können.

Sicherheit ist kein Endzustand. Sie braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen. Und sie braucht politische Entscheide, die der Realität Rechnung tragen.

Wer eine souveräne, sichere und krisenfeste Schweiz will, stimmt am 14. Juni Ja zum revidierten Zivildienstgesetz.

Zum Autor

Yannick Berner (*1992) ist Unternehmer und sitzt für die FDP im Grossrat des Kantons Aargau.

Kommentare

Weiterlesen

Yannick Berner Porträtfoto Altstadt
30 Interaktionen
Yannick Berner (FDP)
Yannick Berner Porträtfoto Altstadt
62 Interaktionen
FDP-Berner
Yannick Berner Porträtfoto Altstadt
11 Interaktionen
Yannick Berner (FDP)

MEHR AUS AARAU

Uerkheim