Wohnangebot in der Stadt Zürich macht auch Firmen Sorgen
Die Firmen sind mit dem Wohnangebot und der Steuerbelastung in der Stadt Zürich nicht zufrieden. Eine Befragung hat auch gezeigt, dass viele Firmen eine abnehmende Standortattraktivität erwarten. Positiv sehen sie hingegen die Lebensqualität.

Die Gesamtzufriedenheit liege bei einer Note von 4,65, wobei die 6 die Bestnote wäre, teilte die Stadt Zürich am Dienstag mit. Das ist von allen Befragungen die bisher schlechteste Note, wie Daniela Wendland von der Stadtentwicklung Zürich vor den Medien aufzeigte.
Neben dem Immobilienangebot (Note 2,4) und der Steuerbelastung mit Note 3, kritisierten die Befragten auch Aspekte des motorisierten Verkehrs und das Preisniveau. Die Stadt betonte, dass nur gut die Hälfte der Firmen die Wohnsituation als Problem bezeichnete. Dagegen war die Steuerbelastung für deutlich mehr Firmen ein Problem (über 70 Prozent).
Neben der Lebensqualität hoben die Firmen auch die Sicherheit im öffentlichen Raum, das Kundenpotenzial und die digitale Infrastruktur positiv hervor. Nicht schlecht lief es auch den Firmen selber: In den letzten zwei Jahren steigerten 35 Prozent ihren Umsatz. Bei 39 Prozent blieb dieser gleich hoch.
Ziemlich zufrieden sind die Firmen mit der städtischen und kantonalen Verwaltung. Die meisten Stellen erhielten laut Bericht mindestens die Note 4. Allerdings würden sich die Befragten wünschen, bei wirtschaftspolitischen Themen und bei Veränderungen am Standort besser mitreden zu können. Nur 16 Prozent sind in diesem Punkt zufrieden.
Seit der ersten Befragung 2005 habe sich die Welt stark geändert, sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP).Die vielen Unsicherheiten würden sich wohl in den Erwartungen niederschlagen. «Der Standort wird immer noch als gut angesehen, es gibt aber Warnsignale», sagte Mauch.
An der mittlerweile sechsten Befragung beteiligten sich 1499 Firmen und Selbständige von rund 4000 Angefragten. Insgesamt zählt Zürich über 50'000 Betriebe. Die Ergebnisse fliessen laut dem Bericht in die strategische Weiterentwicklung der Stadt ein.
Bei der letzten Befragung 2021 gab es die Gesamtnote 4,88. Damals schauten 1436 Firmen eher optimistisch in die Zukunft. Produzierende Unternehmen gaben der Stadt allerdings nur eine Durchschnittsnote von 3,49. Gründe dafür waren die schwierigen und engen Verkehrsverhältnisse, zu knapper Raum, aber auch die vielen Auflagen und Vorschriften der städtischen Behörden.
Die produzierenden Unternehmen zeigten sich 2025 noch unzufriedener. Sie gaben der Stadt nur die Note 3,17. Als Gründe nannten sie unter anderem hohe Mietkosten und fehlende Räume, den Verkehr und die Erreichbarkeit. 16 Prozent der Befragten schätzten sich als produzierend ein.
Kritisch äusserte sich das Gewerbe. «Wir sehen das etwas weniger rosig», sagte Nicole Barandun, Präsidentin des Gewerbeverbands der Stadt Zürich, vor den Medien. Das Ergebnis könnte durchaus besser sein. Noch nie hätten so viele Firmen eine sinkende Standortattraktivität erwartet. Die Parkplatzsituation werde sehr schlecht bewertet, sagte Barandun. Das Gewerbe sei darauf angewiesen.
Auch die City-Vereinigung war nicht sehr begeistert. Erreichbarkeit sei ein Schlüsselfaktor. «Die Innenstadt lebt von Erreichbarkeit, Vielfalt und Frequenz. Wenn diese Faktoren unter Druck geraten, betrifft das ihre Zukunft unmittelbar», sagte Präsident Milan Prenosil.
Ebenso zeige sich eine wachsende Frustration über administrative und regulatorische Hürden. «Zürich ist stark, aber das ist nicht selbstverständlich», erklärte Prenosil. Für eine lebendige Innenstadt müssten die Bedürfnisse des Handels und der Gastronomie mitgedacht werden.
Ohne Logistik gebe es keine Industrie, sagte Patrik Meli, Präsident des Industrie-Verbands Zürich. Materialien müssten zuverlässig angeliefert werden können. «Wir brauchen Planungssicherheit und funktionierende Rahmenbedingungen», sagte Meli.






